Luodian – Das Dorf

Luodian

Nach einem Monat ungewollter WordPress-Abstinenz kann ich nun endlich wieder barrierefrei ins Internet. In der Zwischenzeit haben sich einige Posts angesammelt. Anfangen möchte ich mit dem zweiten Teil zu unserem Ausflug nach Luodian.

Weil uns schon im Vorfeld klar war, dass das Skandinavien-Viertel von Luodian (ich berichtete im Mai) nicht allzu viel hergeben würde, wollten wir uns auch gleich noch das ursprüngliche Dorf Luodian ansehen. Nach den chinesischen Vorzeigedörfern Tongli und Wuzhen endlich einmal ein echtes chinesisches Dorf, das echtes chinesisches Dorfleben zeigt, ganz ohne Touristen oder Eintrittspreise! Höchst interessant!

Lässt man also das Skandinavien-Viertel hinter sich und ist man erst einmal die Straße, an der gerade ein »romantisches Frankreich« entsteht, entlang gelaufen (ca. zehn Minuten Fußmarsch), liegt es auch schon vor einem–das ursprüngliche Luodian. Der Spaziergang führt vorbei an unzähligen Garagenläden, allesamt spezialisiert auf Bau-, KFZ- und Elektrofachmärkte. Die Frauen sitzen strickend, die Männer kartenspielend vor den Geschäften. Es gibt nichts zu tun. Mittagszeit in Luodian, die Sonne brütet mit tropischen 32°C am weißen Himmel, die Luft so feucht, dass sie sich wie ein Nebelschleier über alles legt. Der Ausländer wird von Natur aus neugierig beäugt, Köpfe recken sich aus heruntergekurbelten Autofenstern und glotzen, bis sie hinter einer Kurve verschwunden sind. Da kommt man sich schon dämlich vor, wenn man dann auch noch mit einer Kamera herumläuft und die schäbige Gegend ablichtet, die einem die Maklerwerbung von Luodian selbstverständlich verschweigt. Ob die Menschen hier ahnen, dass sie für mich genauso exotisch sind wie ich für sie?

Dann taucht es auf, das Tor zum historischen Dorfkern. Luodian macht deutlich, wie Wuzhen, Tongli und Co. einmal ausgesehen haben müssen, bevor man sie für Touristen restauriert und ihnen einen Touch Künstlichkeit verpasst hat. Die kleinen Gassen von Luodian sind so romantisch wie die der berühmten Brüder, die schwarzen Dächer charakteristisch für die Gegend, die uralten Holztüren wie vor hundert Jahren (oder wie aus Wuxia-Filmen), die steinernen Fußgängerbrücken so schön wie in Tongli und Co. Von den Häusern in Luodian sind allerdings nur die wenigsten renoviert. Viele sind uralt und heruntergekommen, und was abgerissen wurde, wird feinsäuberlich als neues Baumaterial in Hinterhöfen zwischengestapelt, wo auch das selbstgezogene Gemüse wächst. Selbst in einem kleinen Dorf wie Luodian pulsiert das Leben (was vielleicht auch daran liegen mag, dass Luodian im reichsten Teil Chinas liegt?). Die Einheimischen flanieren gemächlich durch die Gassen, hocken in ihren Geschäften, verkaufen Obst auf der Straße, schlafen in kühlen Ecken oder plaudern mit ihren Nachbarn. Kein einziger verkauft Touristensouvenirs. Schließlich kommen auch keine Touristen nach Luodian. Alles höchst interessant! Nur den Müll aus dem versifften Kanal, der durch das Dorf fließt, muss man sich wegdenken.

Impressionen

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3 Gedanken zu “Luodian – Das Dorf

    1. Luodian ist jetzt auch wahrlich kein Highlight. Ich fand es damals halt interessant, weil es der erste Ort war, der nicht so extrem renoviert war und noch natürlich wirkte. Aber interessant, dass Suzhou damals auch so wirkte!

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