Goldene Woche in Nanjing

In der »goldenen Woche« um den 1. Oktober rum, in der Chinas Nationalfeiertag und das Mondfest aufeinanderfallen, begeht das ganze Land mal wieder eine Völkerwanderung. Neben Reisen, Ausflügen, stundenlangen Staus und Schlangestehen vor Touristenattraktionen ist vor allem ein Besuch in der Heimat wichtig, denn besagtes Mondfest ist nach dem Frühlingsfest Chinas zweitwichtigster Anlass für ein Fressgelage zweitwichtigstes Familienfest. Auch bei uns stand selbstverständlich ein Besuch in Nanjing auf dem Plan.

Mondfest

Jährlich wird das Mondfest an dem Tag im Jahr gefeiert, an dem der Mond der Erde am nächsten ist. Hauptsächlich dreht sich am Mondfest alles ums Essen. Man schenkt sich z.B. teures Obst, Krebse und natürlich die traditionellen Mondkuchen, die schon Wochen vorher überall in Bäckereien und Supermärkten zu finden sind. Tatsächlich kauft man die Küchlein, die entweder mit süßen, salzigen oder fleischigen Pasten gefüllt sind (traditionell mit einer Lotuspaste und einem festen Eigelb), fast nie für sich allein sondern zum Weiterverschenken. Macht aber nichts, da man garantiert auch von irgendjemandem ein paar Mondkuchen – meist pompös verpackt – geschenkt bekommt. Außerdem trifft sich die ganze Familie zum großen Festschmaus, wo den ganzen Tag gekocht wird und wie schon zum Frühlingsfest rund dreißig Personen auf mehrere Zimmer in der eigenen Wohnung aufgeteilt werden. Wie es der Zufall so wollte, musste durfte ich jeden Tag mindestens einen ganzen Krebs essen, womit mein Bedarf an Krebsfleisch für mindestens ein Jahr gedeckt ist.

Mondkuchen
Mondkuchen in Hülle und Fülle – hier mit roter Bohnenpaste gefüllt

Nanjings Innenstadt

Weil wir natürlich nicht nur die ganze Woche in der Wohnung herumgammeln wollten, stand auch ein bisschen Rausgehen auf dem Plan. Erste Anlaufstelle ist dabei immer Nanjings Innenstadt (U-Bahnstation Xinjiekou) respektive Einkaufsmeile. Insgesamt ist Nanjings Stadtkern trotz unzähliger Hochhäuser nicht gerade spektakulär. Zum Einkaufen ist das Zentrum allerdings toll – Konsumtempel überall, selbst im Untergrund befindet sich ein Labyrinth an engen Gängen und unzähligen kleinen Boutiquen, Schuhläden und Geschäften für Handyaccessoires. Trotz der üblichen Verdächtigen finden sich in Nanjings Geschäften komischerweise mehr Klamotten nach meinem Geschmack als in Shanghai. Um ehrlich zu sein, habe ich fast sämtliche Kleidung, die ich in China gekauft habe, in Nanjing erstanden. Die großzügigen Rabatte, die es bei meinen Besuchen immer gibt, tun ihr Übriges.

Weil sich aber die Leute an den Feiertagen in den Einkaufszentren der Innenstadt halb zu Tode trampeln, nutzten wir den ersten Tag in der Stadt nur zum Spaziergang und blieben am nächsten Tag an einem neuen Einkaufszentrum am Stadtrand hängen, welches der Bus zufällig auf unserer Fahrt Richtung Stadtmitte passierte. Die Läden dort sind im Grunde dieselben wie in der Stadt, allerdings ausgestorben. Shoppen in Totenstille, auch nicht schlecht.


Nanjings unspektakuläre Innenstadt


Manchmal gibt es in Nanjing sogar einen blauen Himmel


Nach knapp einem Jahr mein erstes richtiges Eis in China – im Gegensatz zu Shanghai zahlt man in Nanjing nicht mindestens 60 RMB (rund 6 Euro) für einen kleinen Becher zum Mitnehmen, sondern 27 RMB, also ca. 1 Euro pro Kugel — was das Eis sogar billiger als in Deutschland macht. Ich hatte »Rum Cookies«, »Tiramisu« und »Matcha«.

Nanjings Verbotene Stadt

Als Nanjing während der Ming-Dynastie Hauptstadt war, gab es dort einen Palastkomplex, der später dem Aufbau der Verbotenen Stadt in Peking als Vorbild diente. In der Kurzfassung verschwand der in Nanjing residierende Kaiser im Krieg auf Nimmerwiedersehen, worauf sein Onkel der neue Herrscher über das Land wurde und den Kaisersitz nach Peking verlagerte. Die Nanjinger Verbotene Stadt brannte ab, so dass heute nur noch die steinernen Fundamente zu sehen sind. Die Stadt hat diese in einem kleinen Park arrangiert, der ebenfalls ein Stück Stadtmauer beinhaltet. Der Eintritt ist kostenlos (vermutlich da zu unspektakulär). Nicht weit von diesem Park befindet sich ein weiterer kilometerlanger Teil der alten Stadtmauer, der (kostenlos) begehbar ist. Als Must-See würde ich den kleinen Park nun nicht bezeichnen, aber wer länger oder öfters in Nanjing verweilt, kann mal vorbeigucken.


Stadtmauer von Nanjing – sie gilt als die längste erhaltene Stadtmauer der Welt


»Kultur? Pfft! Wir spielen hier lieber Karten!«


Wohnen an der Stadtmauer


Blick von der Stadtmauer – Nanjing ist die Stadt mit den fünftmeisten Wolkenkratzern Chinas

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6 Gedanken zu “Goldene Woche in Nanjing

    1. Hallo,

      freut mich, dass dir mein Blog gefällt 🙂

      Warum genau das Mondfest gefeiert wird, weiß ich leider auch nicht sicher. Da die Chinesen mit dem Mondkalender rechnen (bis heute sorgt das übrigens für Verwirrung bei den Geburtsdaten auch junger Leute), hatte der Mond früher wohl einen besonderen Stellenwert und man feierte, dass der Mond an diesem Tag der Erde am nächsten ist. Vorrangig ist das Mondfest (zumindest heute) ein Familienfest. Früher sahen getrennte Liebespaare oder Familien von ihrem Ort aus den Mond an und stellten sich so vor, mit den/dem Liebsten vereint zu sein. Passend dazu gibt es auch eine Legende, nach der die Frau eines Liebespaars auf den Mond „verbannt“ wird und nur an dem einen Tag, an dem der Mond der Erde am nächsten ist, kann der zurückgebliebene Held seine Frau auf dem Mond sehen.

      lg
      Shaoshi

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