24 Survival-Tipps für chinesische (Damen-)Toiletten

chinesische Toilette

(Stand: November 2015) Wie sehen chinesische Toiletten aus? Was muss ich bei der Benutzung beachten? Und wie lauten die chinesischen Schriftzeichen für Toilette? Antworten auf diese und andere Fragen gibt es hier.

Die Legende vom Loch im Boden

Schon damals in Deutschland habe ich mir Horrorstories von chinesischen Klos anhören dürfen. »Die haben da nur Plumpsklos oder Löcher im Boden, in die man reinfallen kann«, hieß es, »und im schlimmsten Fall weder Trennwände noch Sichtschutz«. Mein Vorsatz, in China einfach nicht aufs Klo zu gehen, wurde natürlich schnell zunichte gemacht. Irgendwann drückt dann doch die Blase.

Zum ersten Mal in China fand ich mich also gleich am ersten Tag in einer Schlange vor dem Damenklo wieder. Ein Blick in die Toilette des chinesischen Fastfood-Restaurants zeigte mir, dass es sehr wohl Trennwände und absperrbare Türen gab. Nur was sich dahinter für Schüsseln verbargen, konnte ich erst in Erfahrung bringen, als ich an der Reihe war. »Bitte kein Loch im Boden«, flehte ich innerlich. »Bitte kein Loch im Boden.«

Dann öffnete ich die Tür. Ein Loch im Boden!

Das erste Mal auf so eine Toilette zu gehen, kostet schon Überwindung, zumal das Umfeld ja auch nicht gerade das wohlfühloasigste ist. Richtige Löcher sind chinesische Toiletten (zumindest in den Städten) übrigens nicht, sondern in den Boden eingelassene Schüsseln. Wer hart im Nehmen ist, gewöhnt sich schnell daran. Ich jedenfalls gehe inzwischen lieber auf so ein verdrecktes Loch als auf eine verdreckte deutsche Schüssel. Das Hinkauern fällt dann doch weniger akrobatisch und vor allem muskelschonender aus als diese wackelige Skifahrerpose über der hohen Schüssel, auf die man sich ja auch nur dann setzen würde, wenn man sie zuvor mit massenweise Klopapier polstert.

Und damit kommen wir auch schon ohne weitere Umschweife zu:

24 Survival-Tipps für chinesische (Damen-)Toiletten

  1. Habe IMMER ausreichend Klopapier in der Tasche. Auf den meisten Toiletten gibt es kein Klopapier, ja noch nicht einmal eine Halterung dafür. Die gehobeneren Restaurants sind zwar schon meistens damit ausgestattet, aber man kann ja nie wissen … Ich verlasse jedenfalls nie das Haus ohne und war schon manches Mal froh darum.

  2. Stelle dich darauf ein, dass die meisten öffentlichen Klos in China tatsächlich im Boden versenkte Schüsseln sind. Kauern gehört hier also zur Tagesordnung.

  3. Versuche deinen Geruchssinn loszuwerden.

  4. Werfe benutztes Klopapier niemals in die Schüssel, sondern in den in jeder Kabine bereitstehenden Mülleimer. Das sieht nicht schön aus und riecht oft auch nicht gut, aber so macht man das in China. Wer einmal gespült hat, versteht auch wieso: der Wasserdruck in vielen Toiletten lässt zu wünschen übrig. Und dann sieht das Ganze noch weniger schön aus.

  5. Betätige die Spülung der Loch-im-Boden-Klos nach Möglichkeit nicht mit der Hand. Chinesen nehmen dazu auch den Fuß, was auch erklärt, warum viele Hebel für die Spülung tiefer als Kniehöhe liegen. Versuche auf jeden Fall zu spülen, sonst verpetzt dich dein Nachfolger bei der zuständigen Klofrau.

  6. Freunde dich damit an, dass es in vielen Toilettenkabinen keine Haken gibt, um Jacken oder Taschen aufzuhängen, da diese entweder abgebrochen oder abgeschraubt sind oder nie vorhanden waren. Übe dich also schon mal in der Jonglierkunst, für die Zeiten, in denen du mit langem Mantel, Handtasche und Einkaufstüten auf dem Schoß in deinem Kabuff kauerst.

  7. Freunde dich damit an, dass viele Klotüren sich nicht absperren lassen, weil die teils sonderbaren Türverriegelungen abgebrochen oder heillos verzogen sind.

  8. Freunde dich damit an, dass viele Chinesen sich nicht die Mühe machen, ihre Tür abzusperren. Sei also darauf gefasst, dass hinter jeder vermeintlich geschlossenen Tür jemand kauern könnte. Manche Leute kommen hier entgegen, indem sie die Tür gleich ganz schamlos offenstehen lassen.

  9. Wenn du an einem Klo Schlange stehen musst (was an Bahnhöfen oder Touristenattraktionen oft der Fall ist), dann denke daran, dass diese meist nur einen symbolischen Wert hat. Als grobe Faustregel gilt: Je älter die Frauen hinter dir, umso mehr wirst du um deine Kabine kämpfen müssen.

  10. Wundere dich nicht, wenn sich deine Kabinennachbarn während ihres Geschäfts angeregt unterhalten oder wichtige Telefongespräche führen.

  11. China ist großzügig, was Toiletten betrifft. In der Öffentlichkeit findet man sie überall – in den U-Bahn-Untergeschossen, direkt auf dem Bahnsteig, in Einkaufszentren, Parks und in kleinen Häuschen, die in der ganzen Stadt verteilt sind. Beachte, dass viele der öffentlichen Häuschen nachts geschlossen werden. Bei den größeren gibt es Toilettenpersonal, bei denen man sich manchmal im Notfall Toilettenpapier kaufen kann und die die Klos meist regelmäßig durchwischen. Von dem einer öffentlichen deutschen McClean-Toiletteneinrichtung ist der Sauberkeitsstandard zwar weit entfernt, aber man überlebt es unbeschadet. Und: das Ganze ist kostenlos!

  12. Freu dich nicht zu früh! Die vielen Klos in Shanghai sind auf den Straßen gut ausgeschildert. Folgt man diesen Schildern allerdings, verliert sich die Spur oft in zwielichtigen Hinterhöfen oder Gassen.

  13. Obwohl es in China an öffentlichen Klos nicht mangelt, haben viele kleine Restaurants/Imbisse/Fastfood-Ketten keine Toiletten in ihren Räumlichkeiten. Das ist besonders häufig in Restaurants der Fall, die sich in Bahnhöfen oder Einkaufszentren befinden. Dann muss das Etagenklo außerhalb des Restaurants bemüht werden. In den schlimmeren Fällen führt der Weg zur Toilette durch ein hinteres Treppenhaus, in dem aufgetürmte Müllsäcke für ein ganz besonderes Ambiente sorgen.

  14. Klo ist nicht gleich Klo. In China trifft man auf verschiedene Bezeichnungen, wobei 洗手间 (xǐshǒujiān), der wörtliche Handwaschraum, nicht immer für eine Toilette steht, sondern sich oft nur als in eine Nische eingelassenes Waschbecken entpuppt. Wenn dich in China die Blase drückt, kannst du nach folgenden Zeichen Ausschau halten:

    chinesische Zeichen für Toilette

    Mit der Frage 厕所在哪儿? (cèsuǒ zài nǎr?) kannst du nach einer Toilette fragen. »Wo ist die Toilette?«).

  15. Auch wenn es in China nicht an Toiletten mangelt, heißt das noch lange nicht, dass diese von allen benutzt werden. Gerade für Männer ist der schnelle Piss an die Hauswand attraktiv und schon Kleinkinder werden an dieses Verhalten herangeführt. In der Regel tragen sie nämlich keine Windeln, sondern Hosen, die unten offen sind. So müssen sich die lieben Kleinen nur irgendwo an den Straßenrand kauern und loslegen, egal ob sie groß oder klein müssen. Der Straßenrand oder Grünstreifen ist dabei nicht zwingend. Kinder können auch mitten in der belebten Fúßgängerzone ein Ei legen. Umsichtigere Eltern legen dann immerhin eine Zeitung unter.

  16. Sei darauf gefasst, dass sich in manchen Toiletten im Boden eine durchgehende Rinne befinden kann, die alle einzelnen Kabinen miteinander verbindet. Hier gibt es dann auch nicht in allen Kabinen eine Klospülung, dafür steht in der Rinne selbst das Wasser knöcheltief und gärt vor sich hin. Immer wieder schön, sich über so etwas kauern zu dürfen, vor allem, wenn dann einer die Spülung gefunden hat und das Wasser genau in dem Moment …)

  17. Toiletten haben keine Heizung. Wenn es im Winter draußen 0°C hat, dann hat es auch auf der Toilette 0°C. Aber so lange wolltest du dich bestimmt sowieso nicht auf dem Klo aufhalten.

  18. Sei dir bewusst, dass Toilettenangestellte Klobürsten und Wischmops oft direkt auf der Straße vor dem Klohäuschen auswringen. Nur für den Fall, dass du dich das nächste Mal wunderst, warum es an der Stelle auf dem Gehweg immer so nass ist, oder dir genau dort deine Sonnenbrille runterfällt. Klobürsten sind übrigens den Angestellten vorbehalten und nur selten in den Kabinen zu finden.

  19. Wer in einem besseren Restaurant oder einem Einkaufszentrum eine westliche Schüssel findet, sollte sich nicht setzen. Chinesen machen das normalerweise auch nicht. Die kauern sich für ihr Geschäft auf das Klo, was die vielen Fußabdrücke auf der Brille erklärt.

  20. Beim Spülen einer westlichen Toilette brauchst du keine Panik haben, wenn sich die Schüssel langsam und stetig mit Wasser füllt. Wenn das Wasser einen bestimmten Pegelstand erreicht hat, wird es (im Normalfall) doch noch in die Tiefe gezogen. Falls nicht: schnell weg!

  21. Wenn du unbedingt eine westliche Schüssel benutzen möchtest, halte in der Toilette nach der Kabinentür mit dem Behinderten-Symbol Ausschau. Hinter diesen Türen verbergen sich meist »unsere« Schüsseln. Allerdings gibt es Behindertenklos nicht überall.

  22. In Wohnungen und Hotels in größeren Städten findet man in der Regel westliche Schüsseln, deren Sauberkeitsgrad der Vorstellung der Besitzer entspricht (und Chinesen können da ziemlich tolerant sein). Außerdem verkleiden viele ihre Klobrillen mit Plüschbezügen, die man ruhig öfters mal in die Waschmaschine geben könnte. Als Klopapier wird gern das billigste gereicht, das ungefähr die Konsistenz primitivster Biergartenservietten aufweist oder sich bei Kontakt mit Nässe sofort in Papierschlamm verwandelt.

  23. Freunde dich damit an, dass sich die Wasserhähne in den Toiletten meist nur durch ausgeklügelte Mechanismen (Touch-Sensoren) »aufdrehen« lassen und eiskaltes Wasser ausspucken, das sich nach zwei Sekunden automatisch abstellt. Außerdem solltest du dich nicht zu früh freuen, wenn die Waschbeckenarmatur auch heißes Wasser suggeriert. Das ist aus Kostengründen meistens abgestellt.

  24. Freunde dich damit an, dass du nicht in Deutschland, sondern in China bist. So ist das nun mal — andere Länder, andere Toiletten.

Nachtrag: Dieser Artikel fiel übrigens der chinesischen Zensur zum Opfer. Herr M. hat mir nämlich verboten, Fotos von Toiletten einzubinden …

Was sind eure schlimmsten/lustigsten Erlebnisse mit Klos in China?

Weiterführendes

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21 Gedanken zu “24 Survival-Tipps für chinesische (Damen-)Toiletten

  1. Ohja, das erkenne ich alles wieder. Schade, dass Du keine Fotos zeigen durftest. Mich erschrecken chinesische Klos eigentlich nur noch selten. Ich wundere mich meistens darüber, dass sie so sauber sind. Aber die Blicke von Pauschaltouristen, wenn sie zum ersten Mal so ein Klo sehen, ist einfach göttlich!

    LG
    Ulrike

  2. Ein echt herrlicher Artikel, der mich ziemlich zum Schmunzeln gebracht hat und nur zu bekannt vorkommt 😉 Ich habe ihn jetzt in einem meiner Blogposts verlinkt. Hoffe das ist ok so?
    Liebe Grüsse nach Shanghai!
    Aber eines würde mich schon interessieren: Wie hast du Zugriff auf deinen Blog?
    Liebe Grüsse Selina

    1. Klar ist das okay, freut mich ja, dass dir der Artikel gefällt 🙂

      Mit einem VPN-Programm kommt man hier einigermaßen auf die geblockten Seiten, wenn auch nicht immer zuverlässig …

    1. Danke! Das Lachen vergeht einem hier manchmal wirklich. Man gewöhnt sich aber wirklich dran. Ich gehen inzwischen echt lieber auf so eine Hocktoilette, wenn ich in einem versifften Klo beides zur Wahl habe. Da ist die Gefahr der Berührung geringer 😀

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