Taikang Lu und uigurisches Essen

Ruhig ist es in Shanghai. Die schlimmste Kältewelle ist überstanden, die drei westlichen Neujahrsfeiertage sind längst vorbei und die chinesische Neujahrswoche erst Anfang Februar fällig. Dann geht es wieder zum großen Familienfest in Nanjing – und hoffentlich noch woanders hin, weil ich dieses Jahr wirklich mal was anderes von China sehen will.

Aus Langeweile hat es uns nach langer Zeit wieder einmal in die Taikang Lu (auch bekannt als Tianzifang) getrieben. Das ist ein historisches kleines Viertel mit engen Gassen und somit ein Touristenmagnet. Deswegen sind die an sich so malerischen Gässchen leider nicht sonderlich fotogen. Und wenn man nicht zum Fotografieren herkommt, kann man eigentlich nur in den überteuerten Bars und Restaurants hip sein oder sich Souvenirs kaufen, die man andernorts für ein Drittel des Preises erstehen kann. Allerdings haben sich hier auch viele Künstler niedergelassen. Wer sich für Kunstdruck auf Leinwand und etwas andere Handwerkskunst interessiert, dürfte in der Taikang Lu an der richtigen Adresse sein.

In den roten Backsteinhäusern von Tianzifang wohnen tatsächlich noch Leute. So baumeln über den Gästen der Spaziergänger nicht selten T-Shirts und Unterhosen zum Trocknen.

Und wenn man ganz viel Glück hat, findet man doch mal eine ruhige Gasse – so wie dieser Koch in der Smartphone-Pause:

Nach unserem Spaziergang sind wir noch in das SML-Einkaufszentrum auf der anderen Straßenseite gegangen, das einen Preis für das fehlgeplanteste Gebäude der Welt erhalten sollte. Das Einkaufszentrum ist nämlich ein Labyrinth auf 4-5 Etagen, in dem sich nicht einmal die Leute am Infostand auskennen. Nachdem wir eine halbe Stunde herumgeirrt sind, um die Kinderabteilung in der vierten Etage zu finden (die sich, je nachdem, welche der großzügig verteilten Rolltreppen man benutzte, entweder als karges Treppenhaus oder ein riesiges Restaurant entpuppte), fuhren wir wieder in das Untergeschoss, um dort auch gleich abendzuessen. Wir blieben bei einem uigurischen Restaurant hängen, bei dem wir erst einmal vierzig Minuten auf einen Tisch warten durften (aber das ist bei gefragteren Sachen in Shanghai normal).

Die Uiguren sind eine in Nordchina lebende muslimische Minderheit, die sogar ihre eigenen Terroristen haben. Es kann schon mal vorkommen, dass sie in ihrem Gebiet einen chinesischen Reisebus in die Luft sprengen, was dann eventuell von ihrem Hauptterrorsitz in München geplant wird. Gemäß der Speisekarte des Tahar-Restaurants (übrigens eine Kette in Shanghai) scheinen die Uiguren eher scharf zu essen. Neben Kartoffeln, Lammfleisch, Grillspießen und Nieren gibt es auch viele Gerichte mit breiten Bandnudeln und Brot (»nang«).

Und das haben wir gegessen:


Uigurische Spezialität: Hühnchen mit Kartoffeln und Bandnudeln, die bestimmt 5 cm breit waren (scharf). Von der Portion konnten sich zwei Leute sattessen, auch wenn es auf dem Bild nicht so aussieht.


Kalter Salat aus Gurken, Tofu (der wie Brot aussieht) und Bandnudeln


Spieße vom Grill, hier Lammfleisch


Nang – evtl. mit dem Naanbrot verwandt oder sogar das gleiche?

Die Schärfe des ersten Gerichts war für mich hart an der Toleranzgrenze. Ansonsten hat es gut geschmeckt, wenn auch nicht so außergewöhnlich wie ich erwartet hatte. Die Preise lagen im Mittelfeld. Für unsere Bestellung haben wir knapp 100 RMB bezahlt, also ca. 10 Euro.

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