Schlaflos in Shanghai

Die Überschrift hört sich dank Alliteration ja weit poetischer an als der Zustand tatsächlich ist. Vor allem, wenn es drei Uhr nachts ist, man um sieben wieder raus muss und, so weh es tut, man nicht mehr in dem Alter ist, in dem einem solche Umstände noch nichts ausmachen. Die jaulenden Katzen im Hof sind irgendwann verstummt und der dauerkläffende Köter hat so gegen zwei Uhr die Segel gestrichen. Jetzt summt nur noch eine Klimaanlage der Nachbarn (obwohl es weder heiß noch kalt genug für eine Benutzung ist), lediglich übertönt vom Dauerschnarchen neben mir.

Leider ist es momentan etwas ruhig auf dem Blog geworden. Ausnahmsweise liegt das mal nicht an der hiesigen Zensur, sondern einfach an der traurigen Tatsache, dass es zur Zeit einfach nichts zu berichten gibt. Weil das Thermometer letzte Woche tatsächlich schon auf 29°C geklettert ist, wollte ich eigentlich in den nahegelegenen Park, um meine neue Kamera mal ausführlich zu testen (und dann ein paar Frühlingseindrücke posten) und die ein oder andere Katze zu streicheln. Nur wurde der Park gerade frühlingstauglich gemacht, was hinter zwei Meter hohen Mauern geschehen musste. Auf den Parkspaziergang mussten die Chinesen allerdings nicht verzichten: die Mauern verliefen nämlich entlang der begehbaren Hauptwege. Etwas vergleichbar Tristes habe ich noch nie gesehen – war allerdings visuell so (negativ) beeindruckt, dass ich vor der Kehrtwende nach Hause prompt kein Foto gemacht habe.

Zum Schluss noch ein kleines Update was das Chinesischlernen anbelangt:

Ich habe erfolgreich eine neue Taktik zum Chinesischlernen entwickelt: Lügen. Bis jetzt habe ich die Frage, wie lange ich denn schon Chinesisch lerne, immer ehrlich beantwortet. Dann bekam ich allerdings ein wenig dankbares »Und nach sieben (!) Jahren kriegst du immer noch keinen fehlerfreien Satz raus?!« zu spüren. Jetzt sage ich immer, dass ich seit einem Jahr Chinesisch lerne. Das beeindruckt das Gegenüber. »Nach einem Jahr sprichst du schon so gut?!« Bald bin ich soweit, dass ich mir das selber glaube…

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6 Gedanken zu “Schlaflos in Shanghai

    1. Danke für die lieben Worte!

      Am Verzweifeln bin ich leider gerade ein bisschen, weil ich einfach das Gefühl habe, in dieser Sprache nichts Neues mehr aufnehmen zu können, was Vokabeln oder Grammatik anbelangt. Dabei wäre das unerlässlich, um richtige Gespräche führen zu können (und nicht nur die üblichen Mini-Dialoge im Taxi oder auf dem Markt…). Zum Glück sind das normalerweise nur so Phasen, die wieder vergehen. Nervig ist es trotzdem…

      Ich hoffe, Dir geht es so weit gut, und schicke Dir ganz viel Kraft für deinen Kampf nach Deutschland 🙂

      lg
      Shaoshi

      1. So geht es mir mit meinen SchulEnglischkenntnissen 🙂 aber irgendwie komme ich ganz gut durch. Es wird dir ähnlich gehen. Mir geht es ganz gut. Vielen Dank für dein Kraftpaket ♥
        Liebe Grüße
        magdalena

  1. Hi,
    ich bin heute auf der Blogsuche auf den deinen gestossen.
    Ich selber habe chinesisch an der Uni studiert und war im Zuge dessen auch schon 6 Monate in Peking und kann dir in allen Punkten nur zustimmen. Das gab einen schönen, nostalgischen Flashback! 🙂 Ich werde auf jeden Fall jetzt öfter mal vorbeischauen.

    Achja, Punkt 2 ist so zutreffend, und auch wenn es gemein ist, schadenfroh bin ich da sehr gerne.

    1. Hallo,

      freut mich sehr, dass dir mein Blog gefällt!

      Im Normalfall hätt‘ ich mit der einen ja auch Mitleid gehabt (uns geht’s ja im Grunde fast allen so), aber nach ihrem Geblöke die Tage vorher … 😉

      lg
      Shaoshi

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