Sheshan – Ein Wochenendnotfallplan

Sheshan

Endlich wieder einmal Zeit für einen Tagesausflug! Nur wohin? In unserer Not entschieden wir uns für Sheshan. Was es da gibt? Einen künstlich aufgeschütteten Berg mit einer Kirche drauf und einen zweiten Berg mit einem Park. Immerhin ist eine U-Bahnstation in der Nähe, was heißt, dass das Ziel einfach zu erreichen ist. Bonuspunkt: Die Sehenswürdigkeiten sind kostenlos!

Die Station »Sheshan« der Linie 9 hält ziemlich in der Pampa (die mit einem gefälschten Family Mart aufwarten kann). Weil wir nicht in der knallenden Sonne auf einen Bus warten wollten, bei dessen Haltestelle noch nicht einmal die Taktfrequenz der Buslinie angegeben war, nahmen wir ein Taxi, das uns für 20 RMB ans Ziel brachte. Unser Weg führte vorbei am »Happy Valley«-Vergnügungspark und einem Wasserpark, wo man sich zusammen mit 1000 anderen Leuten in ein Schwimmbecken stellen kann. Fünf Minuten später hatten wir dann unser Ziel erreicht: Sheshan.


Die Kirche

Am Sheshan (so heißt der Berg mit der Kirche) war weniger los. Der Eingang ist zwar mit Ticketschaltern und –schranken abgesichert, aber die Tickets bekommt man in der Tat kostenlos. Früher kostete die Attraktion Geld, weshalb die Touristen ausblieben. Grund: So spektakulär ist der Sheshan nun mal nicht. Man geht ganz viele Stufen hoch und erreicht dann die rote »Our Lady Of China«-Kirche (siehe Titelbild), die in den 1920ern erbaut wurde und als einzige offiziell anerkannte römisch-katholische Kirche Chinas? des Fernen Ostens? gilt. Innen ist sie wie erwartet schmucklos und unspektakulär. Immerhin kann man auf den Gebetsbänken eine iPad-Pause einlegen (muss man das Ding denn wirklich überall hin mitschleppen?) und/oder Füße entspannen. Wie immer ziehen sich viele chinesische Frauen nämlich auch für so einen Ausflug wie Prinzessinnen an und jammern dann schon nach zehn Minuten Aufstieg, dass die 10-Zentimeter-Bleistiftabsatzsandalen wohl doch nicht das passende Schuhwerk waren.

Draußen kann man noch ein bisschen die Aussicht genießen – Parkplatz und uniforme Villen, über die sich ein Smog-verhangener weißer Himmel neigt. Nach allerspätestens zehn Minuten kann man sich wieder an den Abstieg machen.


Pagode am Fuß des Berges, 1997 erbaut, nicht begehbar

Wenn man langsam läuft und Pausen macht, dauert der Spaß alles in allem vielleicht eine Stunde. Deshalb lohnt es sich, den (ebenfalls) kostenlosen Park gegenüber zu besuchen. Dort sind genauso wenig Leute und obwohl es den ein oder anderen kleinen Kiosk gibt, wirkt der Park so, als hätte man ihn innerlich schon aufgegeben. Die absolut hässliche Aussichtsplattform aus Metall war geschlossen, ebenso andere kleinere Attraktionen. Man hat hier also eine ruhige Oase mit viel herrlich wuchernder Natur (was leider auch Moskitos einschließt – ich bin mit nicht weniger als 30 Stichen nach Hause gekommen, obwohl ich mich eingesprüht hatte!).


Im Park


Dummerweise habe ich (vermutlich im Kampf gegen die Stechmücken) unbemerkt mit schweißnasser Hand ans Kameraobjektiv gepanscht. Deshalb hat die Hälfte meiner Fotos einen ungewünschten Weichzeichnerfilter, grr!


Bambusgarten


Fast anderthalb Jahre musste ich warten, um ein »passables« Foto von diesem Gesellen schießen zu können. Diese Bülbül-Art singt ganz nett – klingt jedenfalls schöner als das Gekeife von Amseln, die es hier scheinbar nicht gibt

Lohnt sich der Weg raus zum Sheshan? Vielleicht. Wenn man einen ruhigen Nachmittag ohne viele Mitmenschen und mit ein bisschen (künstlich geschaffener) Natur genießen will, ist das Ausflugsziel in Ordnung. Noch dazu sind Berg und Park kostenlos. Bei dieser Hitze eignet sich Sheshan ganz gut, um mal aus der Stadt rauszukommen, ohne sich allzu sehr dafür anstrengen zu müssen. Als Notfallplan olé, als ernsthaftes Ausflugsziel oh je!

Anfahrt

Mit Metro-Linie 9 bis zur Station »Sheshan«, dann weiter mit Bus oder Taxi. Eintritt frei.

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4 Gedanken zu “Sheshan – Ein Wochenendnotfallplan

  1. Dein Schreibstil ist genial, ich bin bei jeder deiner neuen Posts richtig mitgegangen!
    Habe gestern Abend noch die Geschichte mit deiner Waschmachine gelesen, falls du
    wirklich mal ein Buch schreibst würde ich es mir auch zulegen :D.

    Liebe Grüße
    Sabrina

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