Qingdao – Ein Ausflug nach Deutschland?

Qingdao

In China gibt es zwei Wochen im Jahr, in denen man AUF KEINEN FALL im Inland reisen sollte — zum Frühlingsfest und zur Goldenen Woche im Oktober. Grund: Da reisen alle anderen auch und das ist bei 1,3 Milliarden anderen nicht ganz so schön. Klar, dass auch wir dann mittendrin sind. Immerhin bleiben uns auch nur diese beiden Wochen zum Reisen. Kurz: Letzten Oktober fuhren wir (und viele andere) für ein paar Tage nach Qingdao.

Da gibt’s doch so ’n Bier

Qingdao, die »grüne Insel«, die eigentlich nur eine Halbinsel ist, liegt in der »freundlichsten Provinz Chinas« Shandong direkt am Meer. Bei den Chinesen ist sie vor allem für ihre Spezialitäten aus dem Meer, das Tsingtao-Bier, Segelwettbewerbe und ihre Badestrände bekannt. Außerdem war Qingdao von 1898-1914 eine deutsche Kolonie, wovon heute noch etliche Bauwerke zeugen.

Qingdao

Ein Stückchen Deutschland in Fernost

Die Chinesen sind auf die Kolonialzeit freilich nicht sonderlich stolz, weshalb es nicht verwunderlich ist, dass ein Großteil der deutschen Hinterlassenschaften längst abgerissen ist. Die bedeutendsten Bauwerke sind jedoch erhalten geblieben und sollen jetzt Touristen in die Küstenstadt locken.

Die ehemalige Residenz des deutschen Gouverneurs ist vermutlich das Highlight. Die Villa auf dem idyllischen Hügel besticht durch ausschließlich chinesisch beschriftete Infotafeln und einst aus Stuttgart eingeschifftes Originalmobiliar. Besonders interessant ist auch, dass die Deutschen schon vor hundert Jahren dem chinesischen Trinkwasser nicht trauten und bereits damals Wasserfilter installiert hatten. Ältere chinesische Touristen sind vor allem von den vielen großen Fenstern fasziniert: »Warum haben die Deutschen in ALLEN Zimmern Fenster? Und so viele? Und so groß?«

Gouverneursvilla
Hat viele große Fenster – ehemalige deutsche Gouverneursvilla. Heute weht eine chinesische Statement-Flagge über dem Dach.

Qingdao
Schön – Auf dem Weg zur Gouverneursvilla

Die Kathedrale St. Michael muss vor allem als Kulisse für Hochzeitsfotografie herhalten. Außerdem gibt es ein paar andere Kirchen, für die ich keinen Eintritt zahlen möchte. Weil dann auch noch der Pier Zhan Qiao leider gerade zur Renovierung geschlossen ist, bleibt die Zahl der Sehenswürdigkeiten überschaubar. Das Gute: Die Altstadt ist deswegen gar nicht so überlaufen wie erwartet. Die Menschenmassen tummeln sich nämlich woanders (und zwar hier: Laoshan).

Kathedrale St. Michael
Hochzeitsfotokulisse – Kathedrale St. Michael

Die deutsche Straße

Unser Stadtplan weist übrigens auch die Guantao-Straße als Sehenswürdigkeit aus. Die »deutsche Straße« besticht mit nahezu komplett historischen Häuschen zu beiden Seiten (u.a. viele ehemalige Konsulatsgebäude) und ein paar deutschen Geschäften, in denen man überteuerte, importierte Mignonschnitten kaufen kann. Man merkt aber deutlich, dass Qingdao längst wieder fest in chinesischer Hand ist. Deutsches Flair ist nämlich keines vorhanden, da helfen auch keine deutschen Straßenschilder oder willkürliche Wikipedia-Zitate in Frakturschrift an Häuserwänden. Kein Wunder, dass wir so ziemlich die einzigen Fußgänger in der Straße sind. Hat aber auch etwas Entspanntes, ein Stückchen Stadt wider Erwarten für sich allein zu haben.

Guantao Lu
In der deutschen Straße

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2 Gedanken zu “Qingdao – Ein Ausflug nach Deutschland?

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