Shanghai Film Park – Das ist ja wie im Film!

In China kopiert man nicht nur den Eiffelturm, Manhattan oder ein österreichisches Dorf, sondern manchmal auch sich selbst. So ist es nicht verwunderlich, dass sich vor den Toren Shanghais ein zweites Shanghai befindet: Im Shanghai Chedun Film Park gibt es Teile der Metropole zu Zeiten der 30er Jahre als Filmkulissen zu sehen.

Berühmte Kulissen

Auf dem Gelände sind u.a. Szenen für Filme wie Ang Lees »Gefahr und Begierde« oder Stephen Chows »Kung Fu Hustle« entstanden. Um die Shanghai-Kulissen authentisch wirken zu lassen, dürfen natürlich auch Nachbildungen der Nanjing Lu, der Waibaidu-Brücke oder der Hengshan-Moller-Villa nicht fehlen.


Original in Shanghai (oben) und Kopie im Shanghai Film Park (unten): Moller-Villa

Von der Traumfabrik zur Geisterstadt

Der ruhige Filmpark wirkt wie überstürzt verlassen und verströmt ein ganz besonderes Flair. In dieser Geisterstadt darf ausnahmsweise mal alles künstlich sein und vielleicht gerade deshalb ziehen die heruntergekommenen Kulissen in ihren Bann. Die schäbigen Wände! Die halb von den Gebäuden fallenden Werbeplakate! Überhaupt die Werbeplakate! Alles hängt und steht voll mit großen chinesischen Werbetafeln der 30er Jahre. Ich hätte ja gern eine mitgenommen, aber so eine große Leinwand lässt sich nur schwer unterm Jäckchen raustragen.

Der Museumsanteil des Filmparks nimmt sich eher bescheiden aus. So verstauben in einer großen Garage alte Autos, Militärfahrzeuge und öffentliche Verkehrsmittel von damals, während draußen die Kulisse eines Passagierschiffs vor sich hin rostet. Im Inneren des nachgebauten St. Mary’s Hospital werden die wichtigsten Stationen des chinesischen Films veranschaulicht. Umfangreich ist das allerdings nicht: Da gibt es ein Miniaturmodell eines Glashauses, in dem man früher Stummfilme gedreht hat, und die wichtigsten Filme von den Anfängen bis heute in einer Collage an der Wand. Darunter ist natürlich ganz viel Propaganda – immerhin hat man in China jahrelang nichts anderes drehen dürfen. Außerdem gibt es eine Kostüm-Ausstellung, die z.B. das Kleid zeigt, welches Ruan Lingyu 1934 in dem Film »Shen Nü – Die Göttliche« trug.

Ein Erlebnis? Geht so

Eine Stuntshow hätte es auch geben sollen, haben wir aber nicht gefunden. Stattdessen durften wir uns in einer Original-Straßenbahn von damals übers Gelände fahren lassen, im unerschlossenen Hinterland über einen Graben springen und uns in entsprechenden Kulissen als Schuhputzer oder Stinketofuverkäufer fotografieren. An einen Erlebnisbesuch im Bavaria Filmpark in München kommt der Shanghai Film Park natürlich nicht ran (war eh klar). Er lebt halt hauptsächlich von seinen authentisch nachgebauten Kulissen und das ist höchstens für Shanghai-Fans oder Filmfreaks interessant. Für Hochzeitsfotos kann man sich für rund 800 RMB ein Fotografenteam mieten und sich dann in Massensessions vor schönen Kulissen ablichten lassen.

Immer noch aktiv

Im Filmpark wird übrigens immer noch gedreht. Heute entstehen hier hauptsächlich Fernsehserien – also diese primitiven Kostümseifenopern, die hierzulande als unverhohlene Anti-Japan-Propaganda auf jedem zweiten Sender laufen. Man muss also damit rechnen, nicht alles besichtigen zu können, weil einige Kulissen für einen Dreh abgesperrt sind. In unserem Fall betraf dies das Innere der Moller-Villa sowie die europäischen Gebäude daneben, die Waibaidu-Brücke und einen Teil vom alten Stadtkern, der vermutlich die Gassen aus »Gefahr und Begierde« beherbergt hätte. Die interessantesten Dinge haben wir also gar nicht gesehen! Dafür durfte ich lernen, dass Leute vom Film in China genauso gestresst und unsympathisch sind wie in Deutschland.


Nicht ganz so motiviert wirkende Schauspieler

Fazit

Ob sich der happige Eintrittspreis von 80 RMB lohnt, muss natürlich jeder selbst entscheiden. Der Museumsteil war eher mau (da fahre ich lieber mal ins Shanghaier Filmmuseum), ist aber zumindest nicht ganz lieblos gestaltet. Dafür war der unaufgeregte Spaziergang durch die verlassenen Kulissen ganz nett.

In Zukunft soll der Filmpark weiter Richtung Freizeitpark ausgebaut werden. Er bleibt Shanghai also noch eine Weile erhalten.

Impressionen

Anfahrt

Wir sind mit der Metro-Linie 1 zur Station Xinzhuang gefahren. Von dort sollte ein Bus (»Hu-Jin«) weiterfahren. Allerdings haben wir auch nach wiederholtem Nachfragen die Haltestelle nicht gefunden und haben uns dann für rund 50 RMB von einem Taxi zum Filmpark fahren lassen. Die Rückfahrt klappt problemlos mit dem Bus, da dieser direkt an der Hauptstraße vor dem Filmpark abfährt.

Adresse:
上海车墩影视乐园 | Shanghai Chedun Film Park
北松公路4915号 | 4915 Beisong Rd

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3 Gedanken zu “Shanghai Film Park – Das ist ja wie im Film!

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