Wie man ein chinesisches Wörterbuch benutzt

Wie man ein chinesisches Wörterbuch benutzt

Wie man ein chinesisches Wörterbuch benutzt

Möchten wir heutzutage ein chinesisches Zeichen nachschlagen, haben wir es verhältnismäßig leicht: Das gewünschte Zeichen einfach in ein Online-Wörterbuch wie leo.org kopieren oder in eine Handy-App malen. Dann sind Bedeutung und Aussprache nur noch einen Klick entfernt.

Als ich meine ersten zaghaften Annäherungen mit Chinesisch gemacht habe, gab es das alles noch nicht (ich werde alt!). Der Griff zum oldschooligen Wörterbuch aus Papier war also angesagt. Und das konnte einen manchmal zur Verzweiflung treiben.

Radikale Grundlagen

Ein chinesisches Schriftzeichen besteht normalerweise aus mehreren Einzelteilen, die für verschiedene Zeichen neu zusammengesetzt werden können. Ein Teil davon ist der Radikal. Den braucht man unbedingt, um das Zeichen im Wörterbuch zu finden. Oft steht der Radikal auf der linken Seite eines Schriftzeichens, manchmal auch im unteren Bereich, er besteht manchmal auch nur aus einem waagrechten Strich oder rahmt das Zeichen ein – kurz: muss man lernen.

Als Beispiel schauen wir uns ein simples Zeichen an und nehmen an, dass wir weder Aussprache noch Bedeutung wissen (was ja leider der Normalfall ist). Das Roteingefärbte ist der Radikal, also das 门:


Bildersprache – »Mund« und »Tür« bedeutet was?

Von Zahlen und Strichen, die Erste

Um diesen Radikal jetzt im Wörterbuch zu finden, müssen wir wissen, aus wie vielen Strichen das Ding besteht. In diesem Fall sind es drei Striche. Ganz vorn im Wörterbuch finden wir vor dem chinesisch-deutschen Teil zwei Listen. Die erste Liste (Radikalliste) sieht so aus:

cidian1

Wir suchen uns die Sektion mit »三画« (»3 Striche«) heraus. Dort finden wir das:
37 门 (門)

Das Ding in Klammern ist ein Langzeichen. So sehen die chinesischen Zeichen aus, die früher in China und heute z.B. in Hongkong, Taiwan oder auch Japan verwendet werden. In China kann man das normalerweise ignorieren. Die »37« bedeutet, dass unsere Schnitzeljagd in der Sektion »37« in einer anderen Liste weitergeht.

Von Zahlen und Strichen, die Zweite

Wir blättern ein paar Seiten weiter zur zweiten Liste (Schriftzeichenindex). Dann zählen wir die Striche unseres Zeichens, die nach Wegnahme des Radikals übrigbleiben. In unserem Fall ist das 口. Dieses Kästchen besteht wieder aus drei Strichen (Warum? Muss man lernen). Wir suchen uns in Liste Nr. 2 also die Sektion »37« heraus und dort den Abschnitt mit drei Strichen. In diesem Fall ist das »一至五画« (»1-5 Striche«). Schon komplett verwirrt?

cidian2

Tada! Da steht ja unser gesuchtes Zeichen. Wer bis hierher durchgehalten hat, wird mit der Aussprache des Zeichens belohnt: »wèn«. Nun blättern wir im alphabetisch geordneten Wörterbuchteil bis zu Sektion »wèn« und suchen das passende Zeichen heraus (meist gibt es nämlich mehrere Zeichen, die genau gleich ausgesprochen werden). Heureka! Unser Zeichen bedeutet »fragen«:

cidian3

Es bleibt mühsam

Wenn man das öfter macht, wird man im Blättern etwas geübter, mühselig bleibt der Prozess trotzdem. Vor allem, wenn man nicht weiß, welcher Bestandteil der Radikal ist, ist munteres Rätselraten angesagt. Ich mag gedruckte Bücher ja lieber als E-Books, aber im Fall von chinesischen Wörterbüchern ist ein elektronisches Gold wert. Es spart Zeit und Tobsuchtsanfälle.

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16 Gedanken zu “Wie man ein chinesisches Wörterbuch benutzt

    1. Und vor allem wissen, wie man zählen muss! Wie oft habe ich ein Zeichen nicht gefunden, weil ich mich verzählt hatte …

      Heute tippt man mal eben was in eine App ein. Früher musste man sich jedes unbekannte Zeichen hart erarbeiten.

      1. Es soll wohl auch Apps geben, da muss man nur die Handy-Kamera auf das gesuchte Schriftzeichen halten, und schwupps, weiß man, was es bedeutet. Ich ziehe mein Wörterbuch vor. Und ja, die Schwierigkeit kenne ich auch: Welcher Teil ist das Radikal? Wieviele Striche sind das eigentlich? Ist der Punkt jetzt auch ein Strich oder doch nur ein Fliegenschiss…

      2. In meinen elektronischen Wörterbüchern kann ich die Zeichen mit dem Finger schreiben. Da kann ich wenigstens noch ein bisschen Schreiben üben. Einfach die Kamera draufhalten ist ja schon fast schummeln 😉

        Punkt oder Fliegenschiss. Zu gut! Am Anfang hatte ich auch Probleme mit Schriftarten, die Serifen hatten. Gehört der Haken jetzt zum Zeichen oder zur Schriftart?

  1. Oh ja, zählen. Bei den elektronischen Wörterbüchern habe ich das Problem, dass die oft die richtige Strichreihenfolge haben wollen und da bin ich dann doch nicht ganz so gut drin (Japaner übrigens auch nicht, zumal mein Mann und ich nun auch noch Linkshänder sind…). Da muss ich dann ewig rumprobieren, bis es das Zeichen erkennt und da ist es dann oft schneller einfach in ein Wörterbuch zu schauen.
    In Japan wird übrigens zumindest für dieses Radikal auch gern das „Kurzzeichen“, also wie bei euch in China, verwendet, wenn man mit Hand schreibt.

    1. In der Strichreihenfolge bin ich auch nicht so gut. Ich bin auch Linkshänder, habe aber noch nie drüber nachgedacht, dass wir beim Schreiben einen Nachteil hätten. Was genau meinst du da? (Ich werde sogar eher gefragt, ob ich damit nicht einen Vorteil hätte.)

      Die Eingabe bei meinem Wörterbuch geht zum Glück auch bei falscher Strichreihenfolge. Da reicht es sogar oft, das Zeichen aus dem Gedächtnis so halbwegs hinzustümpern und mir wird vorgeschlagen, welche Zeichen ich meinen könnte.

      1. Wenn du die Zeichen schreibst, schreibst du ja trotzdem meist von rechts nach links (erst das Radikal, dann der Rest), und inzwischen schreiben wir zumindest in Japan das meiste nicht mehr von rechts oben nach links unten, sondern genau wie in Deutschland.
        Ich glaube man ist immer versucht den Stift zu sich hinzuziehen, als Linkshänder also nach links. Bei A und H z.B. ziehe ich den Mittelstrich nach links, wo ich immer aufpassen muss, dass ich es den Kindern nicht so beibringe.

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