Die Streuner vom Zhongshan-Park

Die Streuner vom Zhongshan-Park

Alles für die Katz in Shanghai #5

Der Zhongshan-Park im Stadtteil Changning erfreut sich bei den Shanghaier Bewohnern großer Beliebtheit. Doch nicht nur die Menschen wissen den Park zu schätzen, auch ein ganzes Rudel Katzen hat sich hier niedergelassen. Einige stammen vermutlich aus den umliegenden Compounds, aber nicht wenige dürften ausgesetzt worden sein. Viele Katzen sind scheu und huschen sofort ins Gebüsch, wenn ihnen Menschen zu nahe kommen. Andere scheint das weniger zu beeindrucken und sie lassen sich von ihrem Sonnenbad nicht stören. Die Mutigsten genießen sogar die ein oder andere Streicheleinheit.

Mittags kommt oft eine alte Frau mit einem kleinen Nachziehwagen vorbei und verteilt großzügig Katzenfutter und Essensreste an die Tiere. Da können sogar die scheueren Gesellen nicht widerstehen. Vor der alten Frau mit dem Kopftuch haben sie scheinbar keine Angst und so streichen ihr mindestens zehn dankbare Katzen um die Beine, während Leute stehen bleiben und bei dem Spektakel zusehen.

Die Streuner vom Zhongshan-Park (Auswahl)

Katze im Zhongshan-Park
Diese schöne Glückskatze teilt sich ihren Platz auf der Mauer mit zwei weiteren zerrupften Gesellen und bewacht mit kritischem Blick die Kirschbaumecke des Parks. Möglicherweise stammen diese drei Katzen aus dem angrenzenden Compound.

rot-weiße Katze im Zhongshan-Park
Dieser Geselle hat sich unter einem Baum vor dem Regen in Sicherheit gebracht. Er war schon als Baby im Park. Was wohl aus seinem schwarz-weißen Geschwisterchen geworden ist?

Katzen im Zhongshan-Park
Regen findet man nicht ganz so gut. Die Gefleckte hat sich ziemlich lange mit mir unterhalten, bis Passanten stehen blieben und sie mit ihrer Anwesenheit verscheuchten (Ausländer spricht mit Katze, das ist natürlich ein Highlight). Die Rot-Weiße blieb lieber auf Abstand, ist aber viel unterwegs, da ich sie fast jedes Mal sehe. Neuerdings hat sie einen halbwüchsigen Begleiter.

Katze im Zhongshan-Park
Dieses Kätzchen könnte fast mein Pao-Pao sein. Es miaut immer herzzerreißend, wenn man an ihm vorbei geht.

Katze im Zhongshan-Park
Ein bisschen Posen für die Kamera war drin, aber dann wollte sich diese Katze lieber wieder dem Gräser-Zerbeißen widmen.

Katze im Zhongshan-Park
Die hier begleitete uns beim Nachtspaziergang und …

Katze im Zhongshan-Park
… hat offensichtlich halbwüchsigen Nachwuchs.

Hitler?
Diese Katze wäre glatt ein Kandidat für catsthatlooklikehitler. Sie war aber lieb und posierte gerne für mich. Ihr roter, langhaariger Begleiter flüchtete lieber ins Gebüsch.

Katze im Zhongshan-Park
»Nehmt mich doch mit!« Hätte ich ja gern, aber Herr M. hätte da was dagegen gehabt. (Ich glaube, das ist dieselbe wie zwei Bilder weiter oben.)

Katze im Zhongshan-Park
Misstrauisch äugt sie aus dem Bambusdickicht.

Katze im Zhongshan-Park
Dieses scheue Geschöpf hat mir richtig leid getan. Sie ist eine der wenigen Katzen im Park, die nicht sonderlich gesund aussehen.

Katze im Zhongshan-Park
Diese schönen grünen Augen!

Katze im Zhongshan-Park
Ihre Geschwister sind direkt ins Gebüsch geflüchtet, die Mutter nach kurzem Überlegen ebenfalls. Nur diese hier war mutig genug, mich zu beobachten, aber immer auf dem Sprung.

Katze im Zhongshan-Park
Die hier war so anhänglich, dass man kein vernünftiges Foto von ihr machen konnte. Sobald sie Aufmerksamkeit bekam, kam sie miauend angelaufen und wollte gekrault werden. Ihren Zitzen zu urteilen hat sie irgendwo Junge.

Katze im Zhongshan-Park
Dieses Exemplar war richtig schlecht gelaunt, hat mich sogar angeknurrt. Dann eben nicht …

Katze im Zhongshan-Park
Das Kätzchen genoss die Sonne ohne Furcht – es schlief direkt am vielfrequentierten Weg.

Katze im Zhongshan-Park
Diese Katze genoss den lauen Sommerabend, während im Pavillion direkt neben ihr alte Männer Mahjongg spielten.

Katze und Hund im Zhongshan-Park
Wer ist hier der Boss? Die Katze natürlich. Sie hat den Hund allein durch finstere Blicke vertrieben. Der herrenlose Hund wohnt mit einigen Gefährten übrigens auch im Zhongshan-Park. Unter einem künstlichen Felsen haben sie sich eine Höhle gegraben, vor der alte Männer jeden Abend Essensreste für die Tiere abstellen.

Es werden immer mehr!

Die obigen Bilder sind wirklich nur eine kleine Auswahl. Im Park wohnen sicherlich weit über vierzig Katzen – und es werden immer mehr! Katzen werden hier ziemlich selten kastriert und vermehren sich rasend schnell. Allerdings werden Shanghaier Straßenkatzen im Schnitt nur zwei Jahre alt: Straßenverkehr, Taifune und Krankheiten raffen die armen Tierchen genauso wieder dahin.

Auch die Situation in den Parks ist sicherlich alles andere als ideal, aber immerhin geht es den Katzen hier noch besser als draußen auf der Straße. Sie sind sicher vor dem Verkehr, werden in Ruhe gelassen, bekommen aber Aufmerksamkeit, falls sie diese wünschen. Selbst die ruppigen Parkarbeiter verwöhnen die Katzen manchmal mit Streicheleinheiten. Außerdem bringen viele freundliche Parkspaziergänger Futter vorbei – und zwar nicht nur Essensreste, sondern auch richtiges Katzenfutter, das sie extra für die Park-Katzen kaufen. Obwohl ein Tierleben in China nicht viel zählt, bin ich doch immer wieder erstaunt, wie viele Leute es hier gibt, denen das Wohl der tierischen Einwohner eben doch am Herzen liegt. Es bleibt also noch ein Funken Hoffnung.

PS: Pao-Pao posiert zwar fürs Titelbild, wurde aber nicht im Zhongshan-Park, sondern auf der Straße gefunden.

Mehr zum Zhongshan-Park

Das ist mein Beitrag zum Projekt von Kalle bloggt.

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18 Gedanken zu “Die Streuner vom Zhongshan-Park

  1. Hallo Shaoshi,
    was für eine herrliche Katzenserie!
    Auch wenn es vielleicht Probleme birgt finde ich es viel besser, die Menschen kümmern sich ein wenig um die Katzen, anstatt sie zu verjagen oder schlimmeres!
    Liebe Grüße
    moni

  2. Oh je, dann gibt es dieses Katzenelend wohl auf der ganzen Welt. Mir tut mein Herz weh, wenn ich die Bilder sehe und Deinen Bericht lese. Wenn die Katzen nicht kastiert werden, wird es immer schlimmer. Gibt es keinen Tierschutzverein, der eine Kastrationsaktion organisieren kann? Hier in Deutschland fangen wir die Katzen mit Fallen ein, lassen sie kastrieren und bringen sie dorthin zurück, wo sie gefangen wurden. Das ist die einzige Möglichkeit das Dilemma in den Griff zu bekommen. Gefüttert werden die Tiere ja in dem Park. Das ist schön, reicht aber nicht.
    Sind die Straßenhunde wenigstens kastriert?
    LG Susanne

    1. Es gibt hier sogar mehrere Tierschutzvereine, die aber alle ziemlich überfordert sind (kein Wunder, bei der Menge). Sie müssen sich halt auch mit vielen akuteren Problemen beschäftigen: verletzte, schwerkranke Kätzchen, Huskys, die man ausgesetzt hat, weil sie zu groß/krank geworden sind usw. Ob es hier Kastrationsaktionen gibt, weiß ich nicht, aber wenn, finden sie wohl eher im kleinen Rahmen statt.

      Meine Kollegen und ich haben inzwischen fast alle mindestens eine Katze von der Straße geholt und ihnen ein neues Zuhause gegeben, die Katzencafés holen sich Straßenkatzen, die alten Leute bringen Futter vorbei und ich kenne eine alte Frau, die sich auch darum bemüht, so viele wie möglich weiterzuvermitteln. Aber letztendlich bleibt das alles nur ein Tropfen auf den heißen Stein …

      (Die Hunde sind übrigens unter Garantie nicht kastriert. Letztes Jahr waren nur so 3-4 im Park, jetzt sind es schon ca. 10!)

  3. Sehr interessante Geschichte, tolle Katzenbilder 🙂 Für mich besonder, da mein Vater lange Zeit beruflich ebenfalls in China tätig war ….

    Herzliche Grüßle von Heidrun
    …. mit Fanny und Luzie, unseren Miezen

    1. Ja, die sind schon arm (auch wenn es ihnen noch besser geht als vielen anderen Katzen). Sogar mein Mann, der sich weder mit Katzen auskennt, noch die Tiere besonders mag, meint, dass man an ihren Augen sieht, dass sie nicht so glücklich wie mein Pao-Pao sind …

  4. Liebe Shaosi,

    deine Parkkatzen sind wunderschön und vielfältig, da ist für jeden geschmack etwas dabei. Allerdings keine ganz schwarze Katze, dafür viele Rote. Mir gefallen sie alle, denn jede Katze hat eine Persönlichkeit und Ausstrahlung – kein Wunder, dass sie gefüttert werden. Schade, dass sie nicht kastriert werden, so vergrößert sich ihre Zahl ständig, und irgendwann gibt es dann ein großes Problem.
    Aber ich freue mich, dass du dir so viel Mühe gemacht hast, uns deine Schönheiten und Lieblinge vorzustellen – sogar eine Adolfkatze gehört dazu, obwohl dies nicht mein erster Eindruck war. Zuerst dachte ich natürlich an unseren Tamai, der zur zeit wieder von Catsitters versorgt wird.

    Ganz herzlichen Dank für deine Bilder und deine Erlebnisse im Park, liebe Grüssle kalle

    1. Stimmt, eine ganz schwarze Katze habe ich da noch keine gesehen. Aber einige ganz weiße. Die sind aber alle sehr scheu und ich konnte sie nie fotografieren.

      Die Fotos sind in den letzten zwei Jahren entstanden, obwohl die meisten erst in den letzten Monaten hinzugekommen sind.

      Stimmt, euer Tamai hat ja fast die gleiche Frisur wie die Adolfkatze! (Tamai ist aber eindeutig der Schönere)

      LG
      Shaoshi

  5. Eine vielfältige Auswahl an Farben und Mustern. Ich mag die gefleckte mit dem halben Schnurrbart. Nett sind sie ja anzuschauen aber wie überall auf der Welt haben diese wilden Streuner kein leichtes und auch kein langes Leben. Wenigsten scheinen sie mit dem Park ein Rückzugsrefugium zu haben in dem der ein oder andere ihnen etwas Futter zusteckt.
    LG Christiane

    1. In Shanghai werden Straßenkatzen nur rund zwei Jahre alt, habe ich mir sagen lassen. Das ist echt heftig, wenn man bedenkt, wie alt sie ja als Haustiere werden können!

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