6 chinesische Filme, die mich beeindruckt haben

Sechs chinesische Filme die mich beeindruckt haben

Ich mag Filme aus Asien, egal ob sie nun aus Hongkong, Japan, Korea oder Thailand kommen (auch wenn mein Herz an den alten Hongkong-Filmen am meisten hängt). Einen schlechteren Stand haben bei mir Filme vom chinesischen Festland. Sie gehören für mich zu den blutleersten Vertretern aus Asien, sind mit am wenigsten originell, am wenigsten gelungen. Zum Glück gibt es auch viele Ausnahmen. Sechs Filme der neueren Zeit, die ich für gut befunden habe, möchte ich hier kurz vorstellen.

Sechs chinesische Filme, die mich beeindruckt haben

Freilich gibt es in China mehr gute Filme als die folgenden sechs Exemplare. Ich möchte auch nicht behaupten, dass es sich bei diesen Filmen um die besten Filme aller Zeiten handelt und man sie unbedingt gesehen haben muss. Um ein solches Urteil abgeben zu können, müsste ich viel mehr Filme kennen. Da China sich inzwischen zur zweitgrößten Filmnation der Welt gemausert hat, ist es natürlich unmöglich, zur fähigen Urteilsbildung alle Werke zu sichten. Die folgenden Werke haben mich allerdings so positiv überrascht, dass ich sie kurz vorstellen möchte.

Ein Klick auf die Cover bringt euch übrigens zu meinen ausführlicheren Rezensionen, die ich auf LittleBigAsia veröffentlicht habe.

LOST ON JOURNEY (2010)

Lost On Journey Ein persönliches Highlight stellt das Remake der US-Komödie »Ein Ticket für zwei« dar. Der Roadmovie vom Geschäftsmann, der wider Willen mit unliebsamem Bauerntölpel gemeinsam durch China reisen muss, funktioniert auch im chinesischen Kontext wunderbar und fängt perfekt den hiesigen Zeitgeist ein. Noch dazu ist der Humor pointiert, teilweise sogar richtig intelligent (auch wenn man nicht auf Furzwitze verzichten konnte). Der Nachfolger (Lost In Thailand) gilt sogar als erfolgreichster chinesischer Kinofilm aller Zeiten, konnte mich allerdings nicht mehr überzeugen.

WELCOME TO SHAMATOWN (2010)

Welcome to Shamatown Die Bewohner von Shamatown denken gar nicht daran, in ihrem Wüstendorf Tomaten anzupflanzen und wollen stattdessen eine Legende vom in der Gegend vergrabenen Banditenschatz touristisch ausschlachten. Doch auch ein paar gierige Gestalten sind hinter dem Schatz her. Li Weiran setzt in der witzigen bis bissigen Satire gezielt einige Klischees über das moderne China ein und kritisiert und unterhält damit gleichermaßen. Mag sein, dass der ein oder andere Punkt dem Westen eher verschlossen bleibt, aber wer sich vielfältig mit China beschäftigt, dürfte sich hier königlich amüsieren.

FULL CIRCLE (2012)

Full CircleAls eine Handvoll Rentner für das Casting einer Variété-Show nach Tianjin reisen will, genießen die Alten in den schier unendlichen Steppen der Inneren Mongolei noch einmal die Freiheit. Wer bei der Geschichte rund um ins Altersheim abgeschobene Senioren keine feuchten Augen bekommt, kann kein Mensch sein. Niedliche Darsteller, die alle schon über siebzig sind, und liebenswerter Humor machen den Streifen zu einer runden Sache. Der Film macht sich nicht über die Probleme der Alten lustig, sondern thematisiert sie mit Feingefühl und leiser Kritik an der heutigen Gesellschaft in China.

CHONGQING BLUES (2010)

Chongqing Blues Ein alternder Vater kehrt nach dem tragischen Tod seines Sohnes aus erster Ehe nach Chongqing zurück, um nach Antworten zu suchen, und dringt dabei immer tiefer in das ihm unbekannte Leben seines Sohnes.
Regisseur Wang Xiaoshuai schafft es mal wieder, mit einem ruhigen Drama zu punkten. Er erzählt so herrlich nüchtern von den tristen Gefühlswelten seiner Figuren, dass die Geschichte echt berührt. Chongqing als triste Kulisse tut das Übrige. Das Drama könnte dem einen oder anderen allerdings etwas zu leise sein.

LETHAL HOSTAGE (2012)

Lethal Hostage Auch hirnloses, chinesisches Popcorn-Kino kann sich gelegentlich sehen lassen. Der verschachtelt erzählte Thriller um Drogendealer und Killer an der burmesischen Grenze sowie eine Entführer-Geisel-Beziehung inklusive Stockholm-Syndrom ist atmosphärisch dicht, durchgestylt und für chinesische Verhältnisse relativ brutal und düster (wie kam das eigentlich durch die Zensurbehörde?). Da nimmt man gerne hin, dass Cheng Ers Werk kaum Neues erzählt. Der wandlungsfähige Sun Honglei ist eh eine coole Sau.

TRACKING KONG LINGXUE (2011)

Tracking Kong Lingxue Kong Lingxue ist ein gutmütiger und friedliebender Lehrer, der durch einen Stalker in den Wahnsinn getrieben wird, weil er eine seiner Schülerinnen bestraft hat.
Zhang Raos schwarze Komödie mit Thriller-Anleihen ist ein überraschend erwachsener Film. Er thematisiert ein ernstes Problem und unterhält mit leisem Witz, bleibt aber bis zum Schluss spannend. Die triste Kulisse einer winterlichen Kleinstadt könnte atmosphärischer nicht sein und das Lächeln von Kong Lingxues Stalker ist einfach schaurig.

Fazit

Ich finde »Lost On Journey« am unterhaltsamsten (und gleichzeitig am zugänglichsten), »Welcome To Shamatown« am treffendsten, »Full Circle« am einfühlsamsten und »Lethal Hostage« am coolsten. Am längsten hängt mir aber »Chongqing Blues« nach: ausgerechnet Wang Xiaoshuais extrem ruhiges und simples Drama berührt am nachhaltigsten.

Also: Auch in China gibt es viele filmische Perlen. Man muss nur lange suchen. Aber das muss man in Hollywood ja auch, wenn man nicht gerade auf teuer produziertes, auf Hochglanz poliertes, aber hohles Popcorn-Kino steht, das leider auch in China immer mehr überhandnimmt.

Welcher der sechs Filme ist euer Favorit? Und welche chinesischen Filme haben euch gefallen?

Cover-Quelle: movie.douban.com

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4 Gedanken zu “6 chinesische Filme, die mich beeindruckt haben

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