Jinshan City Beach – Baden gehen in Shanghai

Jinshan City Beach, Strand in Shanghai

Shanghai – der Name der Küstenstadt bedeutet »aufs Meer hinaus«. Nur, wo ist dieses ominöse Meer eigentlich? Nach knapp drei Jahren haben wir es endlich gefunden, und zwar am Badestrand im Shanghaier Süden: Jinshan City Beach.

Der Badestrand von Shanghai

Die Lärmkulisse zeugt von Spaß – schreiende, lachende Kinder überall. Besucher waten knietief durchs Wasser oder fahren in gemieteten Schlauch- oder Tretbooten herum. In gesonderten Strandabschnitten gibt’s Volleyballspiel und Strandbuggys. Ein paar Jungs jagen sich kreischend mit Wasserspritzpistolen, während sich andere über ihren Proviant in prallen Carrefour-Plastiktüten hermachen – Picknick auf Chinesisch. Über uns wölbt sich der graue Himmel. Ein surrealer Ort, irgendwie.

Jinshan City Beach, Strand in Shanghai
Strand-Feeling pur – Jinshan City Beach

Der künstlich angelegte Sandstrand erstreckt sich vielleicht zwei Kilometer die völlig verbaute Küste entlang. Er ist großzügig von einem Betondeich eingefasst, der gleichzeitig als Wellenbrecher und Filtersystem agiert. Das Wasser vom Jinshan City Beach ist jetzt keine braune Dreckbrühe mehr, sondern wirkt wie ein trüber See. Dass man das Wasser auch gleich entsalzt hat, tut sein Übriges. Meer erleben? Na ja.

Jinshan City Beach, Strand in Shanghai
Am Badestrand – Schwimmen verboten!

Nur wenige Leute tragen Badebekleidung, obwohl sich auf dem Weg zum Strand Stände mit kunterbunten Badeanzügen und Schwimmreifen in allen Größen aneinanderreihen. Badebekleidung ist auch gar nicht nötig, denn trotz großzügiger Umdeichung darf nur ein kümmerlicher Bruchteil des Wassers bespielt werden. Die Badebereiche sind noch einmal extra umzäunt und werden von Männern in Booten argwöhnisch bewacht. Tiefste Stelle des Badebereichs: 1,60 Meter.

Jinshan City Beach, Strand in Shanghai
Spaziergang im Wasser. Der Mann mit Boot und Schirm stellt sicher, dass niemand über den Zaun klettert und zu schwimmen beginnt.

Am Ufer graben Kinder Löcher und fördern nach fünf Zentimetern Tiefe pechschwarzen Sand zutage. Viel Platz bleibt ihnen dafür nicht, denn Tische und Stühle, die man sich ausleihen kann, sind von den Verleihern penetrant nah ans Wasser gestellt worden. Immerhin gibt es keinen Wellengang, da geht das. Um eigene Handtücher auf dem Boden auszubreiten, bleibt so gut wie kein Platz. Alles ist vollgestellt mit Hütten, Zelten, Souvenirständen.

Jinshan City Beach, Strand in Shanghai
Am Boden Lümmeln unerwünscht. Der Strand ist mit kostenpflichtigen Sitzgelegenheiten zugepflastert.

Die besten Tage sind vorbei

Jinshan City Beach wirkt so, als hätte er seine besten Tage hinter sich. Der rostige Eingangsbereich sieht wenig einladend aus (früher zahlte man hier 50 RMB Eintritt, jetzt gar nichts mehr). Der Steg, auf dem man fettiges Grillzeug kaufen kann, wirkt morsch. Selbst der Sand scheint lieblos abgeladen, steinhart gestampft von unzähligen Füßen in Plastiklatschen. Dabei wurde der Strand doch erst pünktlich zur Expo 2010 eröffnet.

Trotz Wochenende und Augusthitze sind ungewöhnlich wenig Besucher da. Viele sprechen den unverständlichen Dialekt der Einheimischen. Aus Shanghai bequemen sich offensichtlich nur wenige hier raus. Die zahlen wohl lieber Geld und stellen sich in eines der zahlreichen Erlebnisbäder in der Stadt.

Jinshan City Beach, Strand in Shanghai
Sicherheit vor Spaß – »Eltern, passt auf eure Bratzen auf!«

Radfahren muss keinen Spaß machen

Wer vom Strandleben genug hat, kann sich Fahrräder mieten (20 RMB/Stunde) und im eingezäunten Bereich herumfahren. Wo man da hinfahren kann? Immer die schnurgerade Straße entlang, ungefähr fünf Kilometer. Aber nur in eine Richtung, in der anderen sind die Ölraffinerien von Shanghai Petrochemical im Weg, die sich in der Ferne in den grauen Himmel bohren.

Ein Fischerdorf muss nicht idyllisch sein

Nicht weit vom Strand entfernt liegt ein Fischerdorf, das auf großen Schildern als Sehenswürdigkeit ausgewiesen wird. Was man dort machen kann? Essen, sagt man uns. Der kurze Straßenzug besteht tatsächlich nur aus Fischrestaurants. Sehenswert ist dort nichts, ein kulinarisches Erlebnis schon. Mit dem Gestank von gammeligem Fisch in der Nase lehnen wir uns gegen eine Mauer und sehen es endlich: das echte, offene Meer von Shanghai!

Jinshan City Beach, Strand in Shanghai
Idylle am Fischerdorf

Ein Deich führt runter zu ein paar Fischerbooten, die sachte auf den cappuccinofarbenen Wellen schaukeln – das Highlights des Tages. Von dort hat man eine herrliche Aussicht auf mehr Schwerindustrie, uns zu Füßen schwappt die Brühe gegen den Beton. Am Rande des Horizonts fließen Braun und Grau ineinander – wie ein Aquarell aus dem schmuddeligen Wasserfarbkasten eines Grundschülers. Das ist nicht das Meer, das wir gesucht haben. Aber es ist das Meer, das wir insgeheim erwartet haben. Sind wir enttäuscht? Ja, trotzdem.

Da, ganz weit hinten im Dunst zeichnen sich einige Inseln ab. Wilde, unberührte Natur soll es darauf geben, ganz viele Affen und zwei menschliche Wärter, die ohne Strom oder fließendes Wasser den lieben langen Tag auf die Affen aufpassen sollen. Da wäre ich jetzt auch lieber. Doch bis die Inseln für Menschen zugänglich gemacht werden, werden noch ein paar Jahre ins Land gehen. Pläne dafür gibt es bereits.

Fazit

Shanghai ist zu Recht nicht für seine Badestrände bekannt. Die Stadt hat andere Qualitäten und dabei sollte man es belassen. Vielleicht probieren wir ja demnächst eines der zahlreichen Schwimmbäder aus. Badebekleidung haben wir ja jetzt.

Anfahrt

Falls wider Erwarten jemand hinfahren möchte, geht das am besten mit dem Bus. Der fährt an der Metro-Station »Jinjiang Park« ab und kostet 10 RMB pro Person. Die Fahrt dauert rund eine Stunde, gefolgt von ca. 20 Minuten Fußmarsch zum Strand. Der Zugang zum Strand ist kostenlos.

Jinshan City Beach, Strand in Shanghai


Das war ein Beitrag zur Aktion »Zeig uns deine Stadt«. Jeden Monat rufen die Shootingqueens zu einem neuen Thema auf. Für August lautete es Urlaub in deiner Stadt.

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11 Gedanken zu “Jinshan City Beach – Baden gehen in Shanghai

    1. Gern geschehen 🙂

      Tagelang am Strand rumliegen könnte ich auch nicht, aber einen Nachmittag schwimmen gehen ist manchmal schon ganz nett.

      Bestimmt ist die Küste von Fujian schöner. Die Gegend hier ist ja schon extrem verbaut …

    1. So was in der Art hatten wir uns schon gedacht. Wir sind nur trotzdem hin, weil es wohl der beste Strand der Gegend sein soll und die Fotos im Internet gar nicht so schlecht aussehen (tja, sind halt alle stark bearbeitet). Manchmal muss man ein Risiko eingehen 🙂

    1. Manches ist schon sehr … anders 🙂 Aber wer dort aufgewachsen ist, findet es wahrscheinlich ganz normal und wundert sich, warum die Europäer lieber schwimmen als nur im Wasser zu stehen …

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