Nanjing | Residenz von Wang Dao und Xie An

Residenz von Wang Dao und Xie An, Fuzimiao, Nanjing

Als wir neulich in Nanjing über das uns wohlbekannte Fuzimiao-Gelände spazierten, fiel uns ein kleines Museum auf, dem wir bis jetzt keine Beachtung geschenkt hatten: die Residenz von Wang Dao und Xie An, zwei bekannten Ministern, die hier mit ihren Familien während der östlichen Jin-Dynastie (317-420 n.Chr.) residiert haben.

Viele kleine Museen

Auf dem Gelände rund um den Konfuzius-Tempel gibt es viele kleine Museen, die man schnell übersieht. Hier wohnten im Laufe der Geschichte viele berühmte Schriftsteller oder Politiker, deren Residenzen neu aufgebaut wurden.

Gelegentlich besuchen wir solche unbeachteten Mini-Sehenswürdigkeiten aus folgenden Gründen: es ist nie viel los, man bekommt durch die Häuschen einen kleinen Eindruck wie die Menschen damals gelebt haben und im Idealfall antike Möbel und ein paar historische Artefakte zu sehen. Außerdem sind die Eintrittspreise human. Um die Residenz von Wang Dao und Xie An zu besuchen, legt man pro Person gerade einmal 8 RMB hin. Da kann man nichts falsch machen.

Fuzimiao
Das Gelände um den Konfuzius-Tempel im Sommer

Wang Dao und Xie An

Die Gasse, in der sich die Residenz der berühmten Minister befindet (siehe Titelbild), nennt sich »Wu Yi Xiang« (wörtlich: »Gasse der schwarzen Kleidung«). Sie ist nach den Wu-Soldaten benannt, die während der Zeit der drei Reiche (220-280 n.Chr.; Stichwort: Red Cliff) hier stationiert waren, um die Stadt an ihrer alten Mauer zu beschützen, und die ausschließlich schwarze Uniformen trugen (denkt hier noch jemand an G.R.R. Martin?).

Während der Tang-Dynastie (618-907 n.Chr.) widmete der Dichter Liu Yuxi der Gasse sogar ein bis heute berühmtes Gedicht.

Tang-Gedicht
Eine Übersetzung gibt’s bei Wikipedia

Wang Dao und Xie An, beides Gründungsväter der östlichen Jin-Dynastie, haben hier natürlich nicht gemeinsam gelebt. Zuerst wohnte Minister Wang, der mit seiner Politik der Ruhe berühmt wurde, während der östlichen Jin-Dynastie (317-420 n.Chr.) in dem Gebäude. Später lebte dann Minister Xie in dem Anwesen, der durch seinen Sohn, General Xie Xuan, maßgeblich an diversen Kriegsspielchen beteiligt war. In der Tang-Dynastie (618-907 n.Chr.) wurde das Anwesen vollständig zerstört.

Die Residenz und ihr Inhalt

Erst über tausend Jahre später, d.h. 1997, wurde das Gebäude neu errichtet. Wenigstens vereinzelte Artefakte, die im Innern ausgestellt sind, sind noch Originale. Das umfasst hauptsächlich ein paar Steinfiguren und Tongefäße. Sämtliche Gemälde, Kalligrafien und Dokumente sind Nachbildungen. Die Originale hängen an wichtigeren Orten.

Ignoriert man die obligatorische Fotowand mit Bildern von sämtlichen Politikern, die in den letzten Jahren das Anwesen besichtigt haben, bekommt man z.B. eine Statue des Qilin-Fabelwesens (ein Wahrzeichen von Nanjing), Xuanwu-Steintafeln und ein Modell der Nanjinger Innenstadt zu sehen, außerdem Gemälde, leere Glaskästen, in denen irgendwann einmal Kalligrafien hingen, und viele merkwürdige Tonfiguren. Was sollen all diese in Schalen geklebten Hundefiguren? Warum sieht das Schaf, auf dem ein Mann reitet, so seltsam aus? Welche Funktion haben diese Dinge? Ist das Spielzeug?

Klick auf die Bilder für weitere Informationen

Schlecht gepflegt

Leider ist die Residenz schlecht in Schuss gehalten. Kein Wunder, dass kaum einer herkommt. In den Ausstellungskästen flockt der Staub, die Gegenstände selbst sind ebenfalls mit dichtem Staub bedeckt. Da nutzt es auch nichts, wenn der Elektriker, der hier an Kabeln gewerkelt hat (und die Reste im Schaukasten liegen gelassen hat), aus Rücksicht auf die Ausstellungsgegenstände barfuß durch den Glaskasten gestapft ist – der Fußabdruck auf dem Dokument ist ziemlich deutlich sichtbar (siehe oben). Zum Glück nicht weiter tragisch: Das Heft stammt aus dem Jahr 2000, na ja.

Fazit

Das kleine, unscheinbare Museum würde ich unter »Special Interest« einstufen. Wer sich für Nanjings Geschichte interessiert, ist bei Wang Daos und Xie Ans Residenz an der richtigen Adresse. Man darf nur nicht zu viel erwarten, dann findet man ein paar nette Innenhöfe, interessante bis merkwürdige Ausstellungsgegenstände und Ruhe mitten im Trubel vom Fuzimiao-Gelände.

Ach ja: Das Infoschild neben dem Eingang hängt zwar auf Chinesisch und Englisch an der Wand, die Ausstellung im Gebäude ist ausschließlich auf Chinesisch. Eintritt: 8 RMB (ca. 1 Euro) pro Person. Das Museum befindet sich auf dem Fuzimiao-Gelände, also auf der Confucius Temple Street.

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4 Gedanken zu “Nanjing | Residenz von Wang Dao und Xie An

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