Warum chinesische Grundschüler zur Sojamilch gezwungen wurden

Warum chinesische Grundschüler zur Sojamilch gezwungen wurden

Warme, leicht gezuckerte Sojamilch ist in China ein typisches Frühstücksgetränk. Als Kind musste Herr M. sie jeden Tag trinken. Warum? Das hat er mir über einem Becher warmer Sojamilch erzählt.

Warum chinesische Grundschüler zur Sojamilch gezwungen wurden

Neuerdings trinke ich ganz gerne warme Sojamilch. Als ich neulich wieder mal einen Becher gekauft habe, fand Herr M. das sehr amüsant. Denn Sojamilch ist fest mit seiner Kindheit verwoben – nicht nur, weil er sie gern mochte, sondern auch weil er sie trinken musste. Das hat damals die Regierung so beschlossen.

Irgendwann in den Achtzigern fragten sich die chinesischen Politiker, warum Japaner eigentlich größer werden als die meisten Chinesen. Nachforschungen ergaben: »Das muss an dem gesunden Frühstück liegen, das die Kinder dort jeden Tag bekommen!«

Also führte man an chinesischen Grundschulen eine Frühstückspause ein – das »Frühstücksernährungsprojekt« (营养早餐工程, yíngyǎng zǎocān gōngchéng). Nachdem die Kinder schon zu Hause von den Eltern mit Youtiao (sehr leckere, frittierte Teigstangen) und Baozi (oft mit Fleisch gefüllte »Brötchen«) vollgestopft worden waren, bekamen sie das gleiche noch einmal gratis in der Schulpause vorgesetzt. Immer dabei: ein Becher Sojamilch, denn die macht groß und stark.

Das Ernährungsprojekt läuft weiter

Das Ernährungsprojekt für Schüler existiert noch heute, nur setzt sich das kostenlose Frühstück in den chinesischen Schulen jetzt etwas anders zusammen. Auf dem täglichen Plan für Herrn M.s jüngste Cousins und Cousinen stehen zum Beispiel oft Milch und Eier. Auch ein Mittagessen wird an vielen Schulen angeboten.

Offensichtlich hat das Projekt gewirkt. O-Ton Herr M.: »Schau dir die Jungen mal an. Die werden jetzt alle voll groß.«

(das war eine von Herrn M.s Erinnerungen an seine chinesische Kindheit)

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11 Gedanken zu “Warum chinesische Grundschüler zur Sojamilch gezwungen wurden

  1. Du trinkst gerne warme Sojamilch zum Frühstück – eindeutig ein Zeichen, dass Du voll und ganz in China angekommen bist! Mich schüttelt es beim Gedanken an warme Sojamilch! An das chinesische Frühstück werde ich mich auch sonst nicht gewöhnen. Also werde ich nie zum echten Chinesen mutieren. 😉

    1. Am Anfang fand ich’s auch gewöhnungsbedürftig, aber inzwischen habe ich manchmal richtig Lust drauf. Mit dem chinesischen Frühstück an sich kämpfe ich größtenteils aber auch 😉

  2. Ich habe noch nie Sojamilch getrunken. Aber Deine Geschichte finde ich echt interessant. Vielleicht sollte ich meiner Tochter mal Sojamilch kaufen (die Maus ist recht klein für ihr Alter, wird immer für eine Grundschülerin gehalten – dabei ist sie schon fast 12 …) :0.

    Liebste Grüße,
    Sonja

  3. Ich frage mich gerade, wie warme Sojamilch wohl schmeckt und denke, ich würde den Geschmack angenehm finden. Schließlich koche ich auch Vanillepudding mit Sojamilch. Hoffentlich mache ich nicht in meinem fortgeschrittenen Alter noch einen Wachstumsschub 😉
    LG Christiane

  4. Chinesische Kinder sind RIESIG! Wo ich jetzt arbeite gibt es eine recht große chinesische Community und im Vergleich zu japanischen Kindern könnten die eigentlich durch die Bank ein oder zwei Jahre älter sein.

  5. Als ich klein war, habe ich auch oft mitbekommen, dass Japaner und Koreaner die hochgewachsensten in Asien sind. Aber das in China deswegen extra ein Frühstücksplan eingeführt wurde, wusste ich nicht und danke, dass du diesen Post geschrieben hast 😀 !

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