6 Spukorte in Shanghai

6 Spukorte in Shanghai

Shanghai hat zwar eine kurze, dafür umso bewegtere Vergangenheit. Kein Wunder, dass die Stadt auch nicht mit Geistergeschichten geizt. Hier findet ihr sechs Orte, an denen es in Shanghai spuken soll.

Spukgeschichten aus Shanghai

Geistergeschichten sind fest in der Kultur der Chinesen verwurzelt. Dieser Aberglaube war während der Kulturrevolution in China zwar verpönt, offensichtlich hat er sich trotzdem gehalten. Ich habe schon Chinesen jeder Altersklasse getroffen, die an Geister geglaubt haben. Eine Bekannte versicherte uns voller Überzeugung, dass einmal ihre längst verstorbene Mutter vor der Tür gestanden hatte. Meine Schwiegermutter hat (wie ich) Angst davor, allein in unserem Schlafzimmer zu schlafen. Und das Fotografieren auf Friedhöfen oder in den heiligen Hallen eines Tempels bringt ganz mieses Karma. Darin sind sich fast alle einig.

Wen wundert es da, dass man sich auch heute noch Geschichten über Spukorte in Shanghai erzählt?

1. Jing’an-Park

Weil niemand auf einem ehemaligen Ausländerfriedhof wohnen wollte, verzichtete man darauf, an dieser Stelle Wohnhäuser zu bauen, und legte 1954 den Jing’an-Park an.

Heute soll es in dem Park gegenüber vom Jing’an-Tempel von Geistern nur so wimmeln. Während es Wassergeister darauf auslegen, Besucher in die Teiche zu ziehen, sollen die Baumgeister immerhin Lottozahlen voraussagen können.

Jing'an-Park
Im Jing’an-Park – Relikte des ehemaligen Friedhofs?

2. Drachensäule

Beim Bau der doppelstöckigen Stadtautobahn kam es an der Kreuzung Yan’an Lu/Chengdu Lu zu Problemen. Die Bauarbeiter konnten eine Betonsäule unmöglich fest im Boden verankern. Man holte sich schließlich Rat bei einem Mönch. Der bestätigte, was man bereits ahnte: die Säule stand direkt auf dem Auge eines Drachen, der in der Erde geschlafen hatte.

Mit Gebeten und Opfergaben konnte der Mönch den Drachen schließlich besänftigen. Heute steht an dieser Stelle eine mit goldenen Drachenornamenten geschmückte Säule – und diesmal ist sie stabil.

Hier ist ein Bild: Dragon Column.

3. Paramount Theatre

Das Paramount Theatre gegenüber vom Jing’an-Tempel wurde 1933 von chinesischen Bankern in der Nähe der heutigen Nanjing Lu gebaut. Nur wenige Jahre später wurde das Gebäude zu einer Tanzhalle umfunktioniert, in der die Herren der Stadt gegen Bezahlung mit jungen Frauen tanzen konnten. Eine dieser Tänzerinnen wurde während der japanischen Invasion von einem japanischen Offizier erschossen, nachdem sie sich geweigert hatte, mit ihm zu tanzen.

Bis heute soll ihr ruheloser Geist nachts durch das Gebäude tanzen. Damit teilt sie sich das Haus mit einem Poltergeist, der nicht selten Gegenstände aus den Fenstern wirft – und dabei schon mal einen Passanten erschlagen hat.

Paramount Theatre

4. Plaza 66

Beim Bau des Plaza 66-Einkaufszentrums kam es immer wieder zu Verzögerungen. Grund: Im Boden schlief eine Göttin, die sich gestört fühlte. Erst als man die Form des Gebäudes ihr zu Ehren veränderte, kehrte Ruhe ein. An manchen Tagen treibt die Göttin immer noch ihr Unwesen. Sie soll zum Beispiel schuld daran sein, wenn sich Besucher scheinbar grundlos auf den Gängen verlaufen.

Ob auch das SMT-Einkaufszentrum von Geistern heimgesucht wird? Immerhin fand ich dort auch kaum wieder raus.

5. Pacific Department Store

Im Einkaufsviertel Xujiahui steht das Pacific-Kaufhaus an einer Stelle, an der es früher ein Krankenhaus mit Babyklappe gab. Noch heute kann man nachts die einstmals ausgesetzten Babys weinen hören. Kritiker halten die Töne zwar für das Geschrei von Katzen. Trotzdem spielt man jeden Abend ein bestimmtes Lied, um die Geisterbabys zu besänftigen. Sicher ist sicher.

Pacific Department Store

6. Caobao Lu

Caobao Lu, eine U-Bahnstation der Linie 1, ist auch als »Ghost Station« bekannt. Ihre Nähe zu einer Leichenhalle sorgt für viele Geistergeschichten. Weinende Frauen, Geistererscheinungen von Selbstmördern und verrückt spielende U-Bahnen sind nur einige Vorkommnisse. Insgesamt sollen hier schon neun Menschen gestorben sein, weil sie wie von unsichtbarer Hand auf die Gleise geschubst wurden.

Inzwischen ist der Bahnsteig verglast. Jetzt kann keiner mehr auf die Schienen fallen.

Übrigens …

In Shanghai kann man an einer Geister-Tour teilnehmen und noch mehr Spukorte kennen lernen. Ich würde glatt einmal mitmachen, wenn sie nicht so teuer wäre. Falls schon mal jemand die Geister-Tour gemacht hat: Lohnt sie sich?

Auch in der Provinz Guangxi spukte es jahrelang in einem Gebäude. Inzwischen ist man der Sache auf den Grund gegangen und hat eine interessante Entdeckung gemacht. (Englisch)

Noch mehr Geistergeschichten gefällig? In vielen asiatischen Ländern, u.a. in China, gibt es jedes Jahr den Geistermonat (August-September). In meinem Artikel erfahrt ihr, wie man das Geisterfest feiert und wie man einen chinesischen Geist beschwören kann. Traut ihr euch?

Kennt ihr noch andere Spukgeschichten aus Shanghai?

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8 Gedanken zu “6 Spukorte in Shanghai

  1. Hallo Shaoshi,
    wenn du die letzten Tage deine wordpress- Statistik angeguckt hast und dich gefragt hast, wer so verrückt war die ganzen alten Beiträge zu lesen: das war ich! Wirklich tollen Blog hast du. Ich freue mich schon auf deine zukünftigen Post.

    Auch diesen finde ich sehr gelungen. Auch wenn ich die Geschichten nicht gruselig finde (Ok das mit den babies vllt ein wenig xD).

    Liebe grüße, chrissi

  2. Ich denke an jeder Geschichte ist etwas wahres dran.
    Was man glauben kann, weiß ich selbst nicht. Aber ich weiß, dass es weitaus mehr auf dieser Welt gibt als dass, was wir mit dem bloßen Auge sehen können. Manches lässt sich oft erklären, aber vieles bleibt offen 🙂

  3. Hier muss ich teilweise mschmunzeln und gruseln, vieles erinnert mich so sehr an die guten 90er Zombie- und Geister-Serien von TVB 😀

    Mich würde nur zu sehr interessieren ob an diesen Spukorten auch schon mal ein Priester gerufen wurde. So einer „Austreibungs-Zeremonie“ würde ich gerne mal live sehen ^-^

    1. Also an der Drachensäule war auf jeden Fall ein Priester, der auch erfolgreich ausgetrieben hat. Über die anderen Orte weiß ich das leider nicht. Bestimmt wüsste das der Leiter der Ghost-Tour. Ich glaube, ich muss da echt mal teilnehmen.

      Ich habe mal gelesen, wie so eine Austreibungszeremonie im Detail in Taiwan funktioniert. War ganz schön gruselig …

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