Stadt im Wandel – Wie fühlt sich das an?

Anhua Lu, Shanghai

Gemeindeversammlung auf einem kleinen Shanghaier Fernsehsender. Ein Häuserzug in Changning soll abgerissen werden, unsere Straße wird genannt. Schock! Sind das wir? Wird unser Xiaoqu abgerissen? Nein, es ist das Viertel eine Straße weiter. Als ich endlich Zeit habe, um vor dem Abriss noch Fotos zu machen, ist es schon zu spät.

Die Häuser sind längst geräumt, die lebhafte Gasse mit dem Straßenmarkt ist tot, vereinzelte Häuser nur noch Ruinen. Die anderen sind verbarrikadiert, hinter provisorisch hochgezogenen Mauern verschwunden. Ein Ort, wie man ihn in Shanghai oft findet. Denn immer noch gibt es genügend alte Häuschen, deren Existenz auf dem Weg in die Moderne nicht vorgesehen ist.

Stadt im Wandel

Shanghais Gesicht verändert sich rasend schnell. Herr M., der zuletzt Mitte der Neunziger in Shanghai war, erkannte die Stadt 2011 kaum wieder. Selbst in den drei Jahren, in denen ich jetzt hier lebe, hat sich mehr getan als während meines ganzen Lebens in München.

Shanghai, das ganze Land gar, macht ernst. Man will zeigen, dass man im 21. Jahrhundert angekommen ist, dass es allen gut geht. Da bleibt kein Platz für Sentimentalitäten. Zhōngguómèng heißt die Kampagne, der chinesische Traum.

Es ist spannend, eine Megastadt im Umbruch zu erleben. Die (noch vorhandene) Mischung aus Tradition und Moderne ist faszinierend. Doch genauso aufwühlend ist es, die rasenden Veränderungen mitzuerleben, zuzusehen, wie sich Riesenbaustellen durch das Stadtbild fressen.

Mag sein, dass Shanghai zu schnell für mich ist. Vielleicht setze ich doch mehr auf Beständigkeit als ich immer gedacht habe. Vielleicht ist es auch nur die Art und Weise, wie sich die Stadt verändert – dieses Rigorose, Rücksichtslose. Dieses Auslöschen. Als würden die Verantwortlichen »Sim City« spielen.

Hilflos und auch ein bisschen wütend sehe ich dabei zu, wie die alten Häuschen, die wenigstens Charakter hatten, abgerissen werden. Wie ganze Straßenzüge durch gesichtslose Plattenbausiedlungen mit Mauern drumrum ersetzt werden. Das Flair geht flöten, die Lebendigkeit, das Bunte – eben genau das, was mir an Shanghai immer so gefallen hat. Ob ich in zehn Jahren noch hier leben möchte? Ich weiß es nicht.

Verbesserte Wohnsituation

Natürlich ist das extrem egoistisch gedacht. Denn wenn man ehrlich ist, kann so eine Umsiedlung für die betroffenen Menschen durchaus eine wohnliche Verbesserung bedeuten.

Die uralten Häuschen der Slums, in denen sie früher gewohnt haben, waren baufällig, zum Teil einsturzgefährdet. Selbst in unseren alten Wohnblöcken werden die Risse in der Decke immer größer. Wer will schon so leben? Wer will sich in Zeiten von IKEA und Co. wirklich noch mit uralten Möbeln aus der Mao-Zeit zufrieden geben? Wer will schon eine enge Behausung ohne jeglichen Komfort, vielleicht sogar ohne fließendes Wasser?

Als Entschädigung für den Abriss gibt es mittlerweile Neubauwohnungen, meist in schlechter Lage, draußen am Stadtrand. Vielleicht lässt sich sogar noch ein bisschen zusätzliches Geld herausschlagen, wenn man sich lange genug sträubt.

Eine Verbesserung der Wohnsituation? Ja, schon. Große, neue Wohnungen, das klingt nicht schlecht. Eine Wahl hat man sowieso selten.

Wie fühlt sich das an?

Wenn ich an so einem sterbenden Viertel vorbeikomme, muss ich immer auch an die Menschen denken, die den Ort bis vor kurzem noch bevölkert haben. Wie fühlen sich die Leute, die weggehen müssen? Wie fühlen sich gerade die Alten, die plötzlich aus ihrer vertrauten Umgebung herausgerissen werden? Die von nun an im 20. Stock eines Plattenbaus hocken dürfen? Wie fühlt es sich an, wenn das jahrzehntelange Zuhause vollständig vernichtet wird?

Das Dorf ist leer, die Habseligkeiten gepackt. Buntes Treiben ist nicht mehr. Schweigend fährt die letzte Familie mit ihrem Auto davon, einer neuen, vielleicht ein bisschen besseren Zukunft entgegen. Der Großmutter rinnt stumm eine Träne übers Gesicht.

Das ist eine Szene aus dem Film »Hello Mr. Tree!« von Han Jie, die sich in China so oder so ähnlich wahrscheinlich sehr oft abspielt. Wie fühlt es sich also an, der Moderne den Weg freimachen zu müssen? Ich glaube, genau so.

Abriss in Shanghai, Anhua Lu

拆 = chāi = zum Abriss freigegeben

PS: Die Bilder sind auf einem zufälligen Spaziergang durch die Anhua Lu entstanden (deshalb auch die schlechte Handy-Foto-Qualität).

PPS: Einen zum Abriss freigegebenen Vorort in Nanjing habe ich hier vorgestellt: Jiulong – Das Ende eines Dorfs (inzwischen komplett abgerissen)

PPPS: Um zum Abriss freigegebene Geisterdörfer zu sehen, muss man Deutschland gar nicht verlassen. Anne stellt das Geisterdorf Immerath vor, das wie viele andere Dörfer auch demnächst plattgemacht werden soll. Für Braunkohle …

Advertisements

25 Gedanken zu “Stadt im Wandel – Wie fühlt sich das an?

  1. Man fühlt sich irgendwie hin- und hergerissen. Klar, man wird was tun müssen, um die Wohnsituation der Bevölkerung zu verbessern. Erinnert mich ein bisschen an die Situation in der früheren DDR, da wurden auch solche Neubaublöcke stadtviertelweise aus dem Boden gestampft. Damals verbesserte sich für viele tatsächlich der Wohnkomfort. Ich war damals fast mal versucht, in einen Neubau einzuziehen, persönliche Umstände haben das dann (soll ich sagen. zum Gück?) verhindert. Heute fühle ich mich besonders in kleineren Städten wohl, in denen der mittelalterliche Stadtkern noch weitgehend erhalten ist, gibt es in der Umgebung, Tschechien eingeschlossen, ja eine Menge.
    Heute stehen viele der Neubaublöcke leer und müssen abgerissen werden. Was wohl der demografischen Entwicklung geschuldet ist. Wie die China verläuft, lässt sich wohl noch nicht so recht abschätzen.
    Dass es heute hier aber genauso rücksichtslos zugeht, zeigen die Räumungen ganzer Dörfer, die der Braunkohle weichen müssen. Eine Tatsache, die hier gen verschwiegen wird. Und Sachsen gehört ja zu den Ländern, die weiterhin voll auf die Braunkohle setzen.
    LG, Eberhard

    1. Sehr interessant, deine Erfahrungen in der DDR!

      Wie die Entwicklung in China verlaufen wird, ist echt schwer zu sagen. Einerseits könnte ich mir vorstellen, dass leerstehende Wohnblöcke auch irgendwann wieder abgerissen werden müssen (die Bauqualität scheint sich nicht groß verbessert zu haben, ich habe einige besichtigt). Andererseits gibt es da diese Pläne, dass bald 80% (?) der gesamten Bevölkerung in Städten leben müssen, d.h. die Bauern werden dann alle in die Städte umgesiedelt – und spätestens dann sollten sich die Wohnungen ja einigermaßen füllen.

      Dass es in Deutschland auch so viele Zwangsumsiedelungen gibt, war mir tatsächlich nicht bewusst. Ich habe halt gelegentlich davon gehört, dass das ein oder andere Haus einem Bauprojekt weichen musste – aber ganze Dörfer? Und so viele? Und dann auch noch für Braunkohle? Da hat mich Annes Artikel echt ein bisschen überrumpelt …

  2. Ich bin immer ein wenig hin und her gerissen. Altes verschwindet, Neues entsteht. Immer geht natürlich auch ein wenig Geschichte, Heimat verloren. Aber das hat es immer gegeben. Habe vor nicht allzu langer Zeit im Museum für Hamburger Geschichte erfahren, dass man Ende des 19. Jh. in Hamburg die Häuser zwischen Bahnhof und Rathaus abgerissen hat, tausende Mensche deshalb umgesiedelt hat. Alles nur, weil man die engen dunklen Gassen und alten Häuser nicht mehr wollte, sondern ein repräsentatives Stadtviertel. Dort sind dann all die großen Kontorhäuser entstanden, die man entlang der Mönckebergstraße sehen kann. Und die Umsiedelungsaktion von vor 130 Jahren ist vergessen…
    LG
    Ulrike

    1. Hin- und hergerissen trifft es gut. Natürlich ist eine Stadt immer im Wandel und das Stadtgesicht ändert sich laufend. Wahrscheinlich gehören Umsiedelungen einfach dazu, auch wenn es für die Betroffenen nicht gerade schön ist.
      In München sind wir auch einmal umgesiedelt worden, fällt mir gerade ein. Allerdings mussten wir nur eine Straße weiter ziehen in eine genau gleiche Wohnung. (Der alte Wohnblock wurde allerdings nicht abgerissen, sondern renoviert.)

      Mal schauen, wie sich das alles noch entwickeln wird. Das Haus, in dem wir jetzt wohnen, ist z.B. in den 80ern entstanden, wer weiß, wer dafür alles weichen musste?

      Ich glaube, es ist vor allem die Art, wie so eine Umsiedelung passiert, die mich hier stört. Dass ich es so oft erleben muss, macht es auch nicht besser …

  3. Interessante Fotos, die wirklich nachdenklich stimmen. Ich bin da auch immer so im Zwiespalt: Irgendwie verändert sich ja immer alles und ist im Wandel und ohne sich von alten Dingen zu lösen, kann es auch nichts Neues geben, nur die Art und Weise finde ich grausam. Sowas könnte meiner Ansicht nach auch zum Teil frewillig geschehen, gerade wenn es nur darum geht, dass ein Straßenzug schicker aussehen soll. Man kann den Menschen doch eine Wahl lassen, ob sie in ihrem alten Haus bleiben wollen oder was schickes Neues möchten. Klar, im Fall von Immerath ist das natürlich nicht so möglich. Ich finde den Gedanken aber schrecklich, wenn ich zum Beispiel meiner Oma erklären müsste, dass sie aus dem Haus raus muss, in dem sie seit 50 Jahren lebt und nun nicht mehr auf ihrer Terrasse sitzen kann…

    1. Den Gedanken mit der Oma finde ich auch schrecklich. Das ist ja ein Haus mit Lebensgeschichte, in das man vielleicht auch viel Liebe und Geld gesteckt hat, damit man sich dort wohlfühlt. Das kann eine Neubauwohnung nicht ersetzen, schon gar nicht, wenn das alte Haus einen Hof/Garten dabei hatte … (Meine Schwiegermutter hat so auch ein Haus mit Garten verloren. 20 Jahre später fehlt ihr der Garten immer noch …)

      In Shanghai ist es halt noch mal anders. Die Leute, die in diesen alten Häuschen wohnen, sind in der Regel extrem arm. Die haben sich ihre Behausungen also auch nicht schön gemacht, weil sie ja ganz andere Probleme haben. Wenn sie bis jetzt zu sechst in einem einsturzgefährdeten 20m²-Häuschen gewohnt haben, ist so eine Neubauwohnung tatsächlich Luxus …

      Freiwillig wird es so eine Umsiedelung auf der Welt wohl niemals geben. Wenn reiche Unternehmen beschließen, dass sie an dieser Stelle etwas Schickes Modernes bauen wollen, ist die Stadt natürlich dafür. Letztendlich geht’s halt wieder nur ums Geld. Menschen sind da egal …

  4. Schau dir deine Bilder noch einmal an, da ist nichts von schlechter Handy-Foto-Qualität zu sehen, ganz im Gegenteil wie ich finde. Du hast die Hässlichkeit der Welt kurz vor dem Abriss hervorragend eingefangen. Was zugegeben fehlt, ist die vielleicht auch vorhanden gewesene Schönheit, bevor die Bewohner wussten oder ahnten, dass sie weichen müssen.

    1. Ach, wenn man die Bilder größer ansieht, sieht man das Bildrauschen und das Pixelige bei feinen Linien schon sehr deutlich – deshalb habe ich manche Bilder auch so klein eingefügt 😉

      Du hast Recht, das Vorher fehlt. Leider bin ich nur selten durch diese Seitenstraße gegangen und habe wohl nie Fotos gemacht. Als wir neulich in die Straße bogen, dachte ich noch, ich muss hier dringend mal Fotos machen, bevor alles weg ist. Tja, da war ich schon zu spät 😉

  5. Ich finde das echt gruselig. Auch wie dort mit den Menschen umgegangen wird. Ich habe mal einen Bericht über einen alten Mann in China gesehen, der mitten auf einer Autobahn wohnte. Die Behörden hatten alle anderen Bewohner des Dorfes zwangsumgesiedelt. Nur der Mann und seine Frau wollten ihr Haus nicht verlassen. Da wurde die Autobahn einfach links und rechts um das Haus herum gebaut. Eine unglaubliche Geschichte…
    Mir tun die Leute wirklich leid, deren Häuser abgerissen wurden. Ich könnte nicht in China leben.
    LG Susanne

    1. Der Mann ist leider kein Einzelfall (googel mal nach „Nagelhaus“, so nennt man diese Häuser). Letztendlich ist das aber auch ein Kampf auf verlorenem Posten. Wer will schon mitten auf einer Autobahn leben? Da wird dann noch eine Weile verhandelt und irgendwann ziehen sie doch aus. Was bleibt ihnen auch anderes übrig … Mir tun diese Leute auch leid …

  6. Das sind auf jeden Fall sehr interessante Fotos und es regt sehr zum Nachdenken an. Auf der einen Seite muss man sich ja von alten Dingen trennen, um Platz für neue Dinge zu machen, nur die Art und Weise ist zu überdenken. Wenn man nur Platz machen will für schickere Wohnungen (auch wenn diese von außen betrachtet, für die Menschen „besser“ sind), so sollte man den Menschen doch trotzdem irgendwie eine Wahl lassen. Wenn ich mir vorstelle, dass meine Oma aus ihrem Haus raus müsste, wo sie seit 50 Jahren lebt und täglich auf der Terasse sitzt, ist das einfach nur grausam.

    Aber wie Du geschrieben hast, eine Wahl gibt es eigentlich nicht und ist ja auch manchmal nicht möglich. Ich mag nur alles nicht, was mit „Zwang“ zu tun hat.

    Viele Grüße
    Sarah

    1. „Ich mag nur alles nicht, was mit “Zwang” zu tun hat.“

      Genau.

      (Ich sehe schon, das ist ein sehr emotionales Thema. Du hast ja sogar zweimal kommentiert! :-D)

      1. Oh, nicht mit Absicht 😉 Ich saß in der Straßenbahn und irgendwie hat mein Handy mir dann eine Fehlermeldung ausgespuckt. Sorry 🙂

  7. Ich weiß nicht so recht was ich schreiben soll. Ich kenne diese Veränderung nur mit weniger zerstörten Häusern. Seit wir hier her gezogen sind, wird der Ausblick zum Wald immer spärlicher und es werden immer mehr Häuser gebaut. Das sind zwar keine Plattenbauten, aber trotzdem ist es seltsam, wenn man eines Morgens aufwacht und feststellt, dass es doch „ganz anders“ aussieht.

    Deine Fotos finde ich sehr beeindruckend. Solche Bilder gibt es hier in Deutschland schon seltener, also zumindest in den Großstädten sind das mal einzelne Häuser, aber keine ganzen Stadtteile..

    1. So rum ist es bestimmt auch nicht schön. Ihr seid ja bestimmt wegen der Nähe zum Wald dort hingezogen. Wenn dann die einstmals schöne Aussicht verschwindet, ist das sicherlich auch frustrierend …

      Wenn nur ein paar einzelne Häuser abgerissen werden, kann ich das noch verschmerzen. Wenn ganze Stadtteile verschwinden, ist das wirklich noch mal ein anderes Kaliber …

  8. In Beijing konnte ich sowas bei mehreren Aufenthalten auch schon mitverfolgen …
    Beim ersten Besuch war ich noch glücklich die Straße aus meinem Chinesisch
    Lehrbuch (Langenscheidt, Lektion 6) in der Nähe des Hotels zu finden … (wobei da
    auch schon Teile fehlten) … beim letzten Besuch lag der letzte Rest in Schutt, und
    der neuaufgebaute war kaum wiederzuerkennen. – Ist irgendwie schon verstörend… 😐

    1. Da müsste man jetzt praktisch das Lehrbuch korrigieren und neu auflegen …

      An diese radikalen Umgestaltungsmaßnahmen habe ich mich auch nach drei Jahren noch nicht gewöhnt. Verstörend trifft es da ganz gut …

  9. Das ist wirklich gruslig. Einerseits ist das sehr effektiv – die Chinesen reißen binnen Tagen einen Straßenzug ab, während man bei uns 10 Jahre warten muss, bis überhaupt ein Gebäude eines Straßenzuges gebaut wird. Andererseists ist Veränderung immer traurig und…rücksichctslos. Aber die Chinesen sind es vermutlich gewöhnt. Bei uns würde man vermutlich ne Petition starten 🙂

  10. Danke für diesen spannenden Einblick! Gab es nicht mal irgendwo dieses Bild aus China von einem einzelnen Haus, um das letztendlich die Autobahn in einer Kurve herum gebaut wurde, weil jemand nicht ausziehen wollte?

    Ich frage mich bei solchen Umsiedlungs-Geschichten immer, ob hier nicht auch manchmal zwei Weltbilder aufeinandertreffen. Klar, aus unserem Blickwinkel heraus ist die Umsiedlung immer eine Verbesserung der Lebenssituation. Andererseits ist nicht jeder Mensch immer auf die materielle Verbesserung seiner Situation aus. Was, wenn die Leute sich dort eine starke Nachbarschaftshilfe aufgebaut haben, die jetzt, wenn sie in Plattenbauten wohnen, womöglich nicht mehr greift? Was, wenn Menschen das nachbarschaftliche Miteinander, die Möglichkeit, dass Kinder auf der Straße spielen können und immer ein Nachbar ein Auge auf sie hat, wichtig ist und sie Angst haben, dies in der Anonymität eines Plattenbaus zu verlieren? Was, wenn die Innenstadtnähe wichtiger ist als fließendes Wasser? Ich glaube, manchmal wird da einfach von der Stadtplanung her zu sehr vorweggenommen, was Menschen eigentlich mögen und wollen sollen.

    1. Hier gibt es sogar ganz viele Bilder von solchen Nagelhäusern. Ist ja leider kein Einzelfall … http://www.spiegel.de/fotostrecke/china-haus-steht-mitten-auf-der-strasse-fotostrecke-125590.html

      Ja, die Umsiedlungen sind eine zwiespältige Sache. Mehr Komfort ist natürlich verlockend – obwohl den lange nicht alle nutzen – um Geld zu sparen, frieren z.B. viele im Winter lieber, anstatt mit der Klimaanlage zu heizen. Und wenn man neue Wohnungen bekommt, sind die oft weder eingerichtet noch renoviert. Da kann man dann entweder viel Geld reinstecken, um sich den Komfort in die Wohnung zu holen, oder man lässt den Rohbetonboden im Wohnzimmer und pfeift auf Gemütlichkeit. Und wenn man noch ein schönes Sümmchen finanzielle Entschädigung zusätzlich rausschlagen kann, ist das für sehr viele auch was Tolles. Geld regiert nun mal die Welt.

      Aber wie du sagst: Das Leben besteht eben nicht nur aus Materiellem. Meine Schwiegereltern z.B. wurden auch aus einem Einfamilienhaus mit Garten in einen Wohnblock in schlechter Lage umgesiedelt. Sie vermissen es nach über 20 Jahren immer noch, dass sie keinen Platz mehr haben, um Gemüse anzubauen. Und wenn man dann mitbekommt, wie Familien oder gute Nachbarschaften auseinandergerissen werden und dann sieht, dass für all das nur das hundertste Einkaufszentrum in die Innenstadt gebaut wird …

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s