Warum eine Reise nach Hongkong mein großer Traum war

Unterwegs in Hongkong

Neulich habe ich angedeutet, dass eine lang ersehnte Reise nach Hongkong ansteht. Inzwischen sind wir schon wieder zurück. Berichte folgen. Zuerst möchte ich allerdings erklären, warum eine Reise nach Hongkong mein großer Traum war.

Unterwegs in Hongkong
Brücke zum Flughafen – Hier fand bestimmt schon die ein oder andere Verfolgungsjagd statt

Vom Banausen zum Hongkong-Suchti

Als Kind war Hongkong für mich nichts weiter als der Ort, an dem meine Spielzeuge hergestellt wurden. Außerdem fand ich das Wort unglaublich lustig. Hongkong, hihihi.

Erst Jahre später wurde ich wieder auf Hongkong aufmerksam – durch die Filme von Wong Kar-Wai. Dann Jet Li. Und Andy Lau. John Woo, Tsui Hark, Sammi Cheng, die Hui-Brüder … Jackie Chan fand ich eher doof. Seine Filme habe ich natürlich trotzdem fast alle gesehen. Mehrmals.

Egal ob Action, Komödie, Drama oder Fantasy-Eastern – ich verschlang Filme aus Hongkong regelrecht, arbeitete mich mühevoll durch die Filmographien von Tony Leung Chiu-Wai oder Chow Yun-Fat. Der Schund konnte gar nicht groß genug sein – ich habe mich auf alles gestürzt, was in Hongkong produziert wurde. Dabei habe ich so einige Perlen lieben gelernt.

Unterwegs in Hongkong
Verlassenes Dorf in der Nähe vom Flughafen

Musikalisch eher ein Fehltritt

Als sich herausstellte, dass die meisten Schauspieler in Hongkong auch singen, brach bei mir großes Cantopop-Fieber aus. Cantopop, das sind hauptsächlich Schnulzen mit karaokefreundlich wenig Inhalt. In mühevoller Kleinarbeit übersetzte ich den ein oder anderen Text, nur um dann frustriert festzustellen, dass die Lyrics ziemlich sinnfrei sind und inhaltlich selten über »Ich liebe dich«, »Liebst du mich?«, »Ich liebe dich immer noch« oder »Ich weiß nicht, ob ich dich liebe« hinausgehen. Immerhin lernte ich so viele chinesische Langzeichen kennen.

Kantonesisch klang bald so vertraut für mich, dass es mich nicht gewundert hätte, es über Nacht einfach so verstehen zu können (hat leider nie geklappt). Noch heute ist der Dialekt die einzige Sprache in Asien, die ich, mal abgesehen von Mandarin, so gut wie immer fehlerfrei zuordnen kann. Und wenn ich ihn höre, bekomme ich fast so etwas wie Heimatgefühle. Immerhin hat der Klang des Kantonesischen lange Zeit mein Leben begleitet. Doof, eigentlich.

Unterwegs in Hongkong
In wie vielen Containern wohl illegal Waffen transportiert werden? Und in wie viele sind wohl Menschen gesperrt, von denen nie wieder gehört wird? Auch ein Klassiker: Nach »Hamburg Süd«-Containern Ausschau halten

Faszination Hongkong

Hongkong übte immer eine unglaubliche Anziehungskraft auf mich aus. Wong Kar-Wais Großstadtballaden sind so trist wie verträumt – und wunderbar gefilmt. Hongkong ist auch düstere bis coole Kulisse in den Filmen von Johnnie To und maßlos dekadent in TVB-Seifenopern. In Büro-RomComs präsentiert sich Hongkong schillernd und modern, und Johnnie Tos Gaunerkomödie »Sparrow« versprüht durch die Kolonialbauten im Hintergrund sogar fast Pariser Flair.

Hongkong kann so vieles sein, war aber immer das: so fern, so interessant, so exotisch und durch meinen exzessiven Hongkong-Film-Konsum doch merkwürdig vertraut.

Das Hohe und Dichtgedrängte hatte es mir angetan, das Anonyme. Die Cage People, die Boat People, die Arbeiterklasse aus den Hui-Filmen, die Superreichen und natürlich die Triaden aus den Gangster- und Polizeifilmen. Dann der Mix aus alten hässlichen Wolkenkratzern und modernen Türmen aus Glas und Stahl, die Traditionen und die Internationalität, die Hochhäuser, die auf grün überwucherten Bergen kleben. Diesen Mikrokosmos in einer einzigen Stadt fand und finde ich immer noch faszinierend.

Unterwegs in Hongkong
Nach Sha Tin oder Tsim Sha Tsui? (Tsim Sha Tsui Susie, tralala …)

Durch die Filme habe ich Hongkongs jahrzehntelangen Wandel ein bisschen mitbekommen. Das Flair, das die Filme der Siebziger, Achtziger und frühen Neunziger vermitteln, sprach mich allerdings immer am meisten an. Schade, dass ich genau das nicht mehr besuchen kann.

Einmal nach Hongkong zu fahren, das alles live erleben, war trotzdem immer mein großer Traum. Aber eine Reise dorthin stand in weiter Ferne. Auch Bewerbungen um Jobs in Hongkong brachten mich meinem Traum nicht näher. Fast fünfzehn Jahre ist das nun her. Wow. Eine Liebe, die hält.

Unterwegs in Hongkong
Ein Hongkong-Taxi »muss rot sein und ein weiß‘ Häubchen haben«. Inzwischen sind die Dächer allerdings silbern.

Shanghai, nicht Hongkong

Dann der Umzug nach Shanghai. Kurz war ich enttäuscht. Warum nicht nach Hongkong? Das wäre doch viel cooler! Aber auch Shanghai fand ich spannend genug, um auszuwandern. Und überhaupt, dachte ich mir, wie groß kann der Unterschied zu Hongkong schon sein?

Shanghai war ein Schritt näher Richtung Hongkong. Trotzdem habe ich gerade wegen Shanghai eine Reise in meine Traumstadt immer weiter hinausgezögert. Schließlich gibt es auch hier eine Menge Wolkenkratzer und viele Produkte, die ich früher nur aus HK-Filmen kannte. Ich spielte jetzt in meinem eigenen asiatischen Blockbuster mit. Hongkong hatte ein bisschen seinen Reiz verloren. Dann war da noch die Angst, dass ich Hongkong nach meinem neuen Leben in Shanghai gar nicht mehr so spektakulär finden würde. So verging die Zeit.

Unterwegs in Hongkong
So.

Drei Tage Hongkong, fast

Als nun der Traum in greifbare Nähe rückte, sagte ich schließlich zu. Zwar sollten wir in Hongkong nur knappe drei Tage Zeit haben, doch solange wir in China leben und arbeiten, wird eine ausgedehntere Reise an mein Traumziel wohl kaum drin sein. Knappe drei Tage. Besser als nichts.

Wie ich Hongkong letztendlich fand, was wir gemacht haben und welche Unterschiede ich zwischen Shanghai und Hongkong feststellen konnte, werde ich in den nächsten Artikeln schreiben.

Die Fotos in diesem Post sind auf der Busfahrt vom Flughafen zum Hotel entstanden. Als ich so mit der Kamera an der Scheibe des Doppeldeckerbusses klebte, meinte Herr M., er hätte mich noch nie so fröhlich gesehen. Tja.

Unterwegs in Hongkong
Genau so.

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26 Gedanken zu “Warum eine Reise nach Hongkong mein großer Traum war

  1. Bin gespannt, was du über Hongkong berichtest! War dort mal für 3 Monate. War eine geniale Zeit. Weihnachtliche Grüße aus dem Schwarzwald! Elke

    1. Wow, drei Monate. Ich beneide dich!

      Ich war ja nur knappe drei Tage, viel haben wir nicht gemacht. Trotzdem habe ich schon einige Artikel in Vorbereitung 😀

      (Nicht ganz so weihnachtliche Grüße) aus Shanghai!

  2. Ich kann mich auch nur den anderen anschließen. Bin sehr gespannt auf deine Fortsetzung. Ich war auch einmal in Hong Kong, aber leider leider nur einen halben Tag, da ich damals mein Visum verlängern musste. Mehr Zeit hatte ich leider nicht gehabt 😦
    Als Kind bin ich auch mit den Hong-Kong Filmen aufgewachsen. Habe aber nicht ganz so eine Begeisterung zu Hong Kong entwickelt xD.
    Mein absoluter Llieblingsfilm ist Infernal Affairs ❤ Den habe ich echt schon zich male geschaut ^^
    Und leider leider kann ich immer noch deine Bilder nicht sehen T.T Ich hoffe mal, dass mein VPN irgendwann auch mal einen guten Tag haben wird 😀

    1. Ja, war eine ziemlich extreme Phase bei mir 😉 Infernal Affairs fand ich auch gut.

      Du musst unbedingt noch mal länger nach Hongkong – am besten auch länger als drei Tage. Wir haben in der Zeit kaum was geschafft …

  3. Wow, das ist echt spannend. Bin auch neugierig auf Deine weiteren Berichte. Obwohl ich so eine Stadt echt gruselig finde. Ich könnte dort nicht leben. Hochhäuser, riesige Straßen, Beton, Autos und kein bisschen Grün… Schlimme Luft und Hektik. Neeee ich bin wohl doch eher das Landei. 😀
    LG Susanne

    1. Hilfe für Miranda schreibt: „…und kein bisschen Grün“
      Stimmt nicht. Hong Kong ist eine der grünsten Städte Asiens.

      1. Hmm, von dem, was ich jetzt gesehen habe, fand ich Hongkong auch nicht sooo besonders grün. Das Grüne ist doch mehr außenrum oder an den Berghängen (der Weg zum Peak hoch war z.B. sehr grün, auch wenn ich wenig davon gesehen habe, da nachts).

        So direkt in den Häuserschluchten wachsen aber wirklich sehr wenige Bäume. Da finde ich Shanghai z.B. grüner. Allerdings ist man in Hongkong dann schon ruckzuck im unberührten Grünen, in Shanghai fährt man dafür stundenlang.

    1. Hoffentlich findest du hier ein paar interessante Punkte für Shanghai und Umgebung 🙂

      Eine interessante Seite mit schönen Hongkong-Bildern hast du. Allerdings muss ich Tai Fei Recht geben. Die Armut sieht man schon. Ich war z.B. schockiert, wie viele Leute tatsächlich unter den Brücken leben. Aber man kann es wirklich schnell übersehen. HK bietet einfach zu vielen Eindrücke, die davon ablenken …

      Andererseits ist mir auch der Reichtum aufgefallen. Die Art, wie viele Leute gekleidet waren, die oberprotzigen Autos … Und wer bei den Luxuslabels einkauft? Das müssten dann die Festlandchinesen sein, die das Zeug in HK billiger bekommen als zu Hause 😀

      LG
      Shaoshi

  4. @Johannes Krumm,
    leider kann man auf Ihrem Blog nicht kommentieren. Sie sollten sich für HK noch etwas mehr Zeit nehmen. Zwar ist HK auch meine Lieblingsmetropole aber zu behaupten, Armut würde dort nicht existieren oder wäre nicht sichtbar, ist schon ein starkes Stück. Vielleicht ist es Ihnen, in Anbetracht der vielen neuen Eindrücke nur nicht aufgefallen aber natürlich hat HK auch sehr große soziale Probleme und das seit jeher. Also immer mit wachem Verstand durch die Straßen laufen, sonst schaut man nur und sieht nicht.

      1. @Johannes Krumm
        Ja HK ist eine sehr sichere Metropole. Aber gerade auf der Kowloon-Side in Mongkok, Hung Hom sieht man auch viele alte, arme Menschen und auch häufig Bedinderte. Häufig verdienen die sich den Lebensunterhalt im Müllsammeln. Ich denke Hong Kongs Sauberkeit, die ja wirklich in vielen Bereiche gegeben ist (alledings kenne ich auch etliche „Dreckecken“ 😉 ) ist gerade auf dieses Prekariat zurück zuführen. Man sieht Etliche, die Kartons, Flaschen und Plastikmüll allabendlich zusammensuchen und durch die Gegend karren. Die Wohnverhältnisse in den alten Gebäuden auf der Kowloon-Side sind oft auch miserabel. Zwar wird inzwischen versucht die Cage-People andersweitig unterzubringen. Die Alternativen sind aber nicht viel besser. Ihr „Zimmer“ im Chungking Mansion war da noch Luxusklasse. Das mag als Kurzzeittourist noch angehen. Aber wohnen Sie mal in so einem Verschlag ohne eigenes WC und Küche.

    1. Ich habe es nicht gesehen. Ich war auch schon in London, New York und Miami, dort war die Armut zwischen dem Reichtum deutlich sichtbar. In New York habe ich sogar einige Ecken gar nict erst betreten. Das Problem hatte ich in HK nicht.
      Mir ist auch aufgefallen das nur junge Meschen unterwegs waren. Wo sind die 50, 60 jährigen und ältere, wo sind die gehbehinderten ?

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