HK | Causeway Bay und Wanchai – Erste Schritte

Causeway Bay bis Wanchai, Hong Kong Island

Hongkong im Winter, billiger Flug. Ein Angebot, das wir nicht ausschlagen können. Herr M. und ich packen meine Schwiegereltern ein und fliegen für ein verlängertes Wochenende runter in die Stadt meiner Träume. Nach gut fünfzehn Jahren Warten bin ich endlich da: Hongkong.

Viel zu wenig Zeit!

Drei Tage. Viel zu wenig Zeit, das ist mir schon im Vorfeld klar. Mehr als die Hälfte meiner geplanten Aktivitäten schafft es nicht einmal in die Vorauswahl, ein großer Teil muss bei den weiteren Planungen gestrichen werden. Nicht gerade die besten Voraussetzungen für die Reise meines Lebens. Aber ich versuche das Beste daraus zu machen, weil HONGKONG!

(Warum eine Reise nach Hongkong mein großer Traum war, könnt ihr hier nachlesen.)

Hong Kong Island

Unser Hotel in Causeway Bay liegt direkt an der U-Bahn-Station Tin Hau auf Hong Kong Island und so sind die Wolkenkratzerviertel, die Hongkongs berühmte Skyline bilden, unser erster Anlaufpunkt.

Weil wir nicht wie geplant mit der U-Bahn zum Hotel gefahren sind, sondern einen Bus genommen haben, der um einiges länger unterwegs ist, gerät unser Zeitplan völlig durcheinander. Nach einem späten Mittagessen ist es schon lange Nachmittag. Wie sollen wir nur alles schaffen, was wir uns vorgenommen haben? Schweren Herzens streiche ich weitere Punkte von der Liste. Zum Glück kann mich unser Spaziergang wieder aufmuntern.

Blick aus dem Hotelfenster, Tin Hau, Hongkong
Blick aus dem Hotelfenster – Da draußen ist wirklich HONGKONG!

Causeway Bay bis Wanchai

Wir wollen nach Central, ins berühmte Finanzviertel Hongkongs. Zu Fuß machen wir uns auf den Weg, erste Eindrücke sammeln. Erste Etappe: Von der Metrostation Tin Hau (die ihren Namen von einem Tempel hat) bis Wanchai. Die Causeway Road markierte früher die Küstenlinie der Insel, ehe die Bucht in den 50ern zur Landgewinnung aufgeschüttet und nach der Straße benannt wurde. Nach dem Victoria-Park, auf dessen Gelände gerade eine große Messe für Markenprodukte stattfindet, verwandelt sich »unsere« Straße in ein belebtes Geschäftsviertel. Rund 2 Kilometer Hongkong wie ich es mir vorgestellt habe. Nur moderner. Durch meine Lieblingsfilme hänge ich nämlich immer noch in den 80ern und frühen 90ern fest.

Ein Hochhaus klebt am nächsten. Sie scheinen schon älter zu sein, sind angenehm hässlich, jedes sieht anders aus. Nur der gelegentliche neue Wolkenkratzer bohrt sich in den weißen Himmel. Würgefeigen haben die wenigen Bäume fest im Griff und sorgen für uriges Ambiente. Kolonnen an Doppeldeckerbussen und zweistöckigen Straßenbahnen schieben sich durch die engen Straßen. Ah, Hongkong!

Hongkong, Hong Kong Island
Großes Kino

Nicht Shanghai

Man merkt sofort: Hier ist nicht Shanghai. Hongkong ist höher, kompakter, enger. Die Wege sind kürzer. Man muss auch nicht stundenlang an langweiligen Mauern von umfriedeten Compounds entlang gehen.

Auf der Insel gibt es auch viel weniger Menschen (hier sollen nur 1,3 Millionen Menschen wohnen, das ist gerade einmal München, wow!). Niemand rempelt mich im Vorbeigehen an und keiner versucht, heimlich Fotos von mir zu knipsen. Es gibt überraschend wenig Verkehr, kaum Roller oder Fahrräder. Hauptsächlich Taxis und Öffis sind unterwegs, die brav an jeder roten Ampel halten. Irgendwie seltsam, dass man nicht an jeder Ecke halb überfahren wird – und das, obwohl man durch den ungewohnten Linksverkehr immer erst in die falsche Richtung schaut.

Hongkong, Hong Kong Island
Die wenigen Bäume sind dafür umso dekorativer

Nur eins stellt sich ziemlich schnell als schlechter heraus: Hongkong ist viel lauter als Shanghai, gelegentlich gar ohrenbetäubend. Dabei wird hier praktisch nicht gehupt und die Menschen sprechen in normaler Lautstärke miteinander. Die alten Busse fahren allerdings nicht wie in Shanghai mit Strom oder Gas und verursachen so einen Riesenlärm. Und Gestank. Mein Rotz ist abends pechschwarz. Dabei soll die Luft hier doch so viel besser sein als in China. Na ja.

Hongkong, Hong Kong Island
Ah, Hongkong!

In den Erdgeschossen reihen sich Geschäfte aneinander. Reklametafeln ragen weit in die Häuserschluchten. Alles sehr gefällig, geordnetes Chaos. So sehen also die Straßen aus, in denen es die höchsten Ladenmieten der Welt geben soll. Hongkong schafft es tatsächlich, meine hohen Erwartungen zu erfüllen!

Die Hauptstraße ist größtenteils von den Überresten der Regenschirm-Demonstranten blockiert: ein Haufen Müll, jede Menge Protestsprüche und die letzten einsamen Seelen, die die Stellung halten.

Hongkong, Hong Kong Island
Protest

Wir weichen in eine Parallelstraße aus. Hier ist es plötzlich wieder primitiver, chinesischer. In der Straße hat man sich auf Wohnungsrenovierung spezialisiert. Ein Geschäft verkauft nur Türklinken, eines nur Lichtschalter, eines nur Badezimmerbedarf oder Fußbodenbeläge. Auf den Gehwegen stapeln sich neue Lieferungen oder die Überreste dieser in Form zertretener Kartons, ganz wie in China.

Nächster Halt: Central

Als wir eine U-Bahn-Station passieren, beschließen meine Schwiegereltern spontan, dass sie zu müde für einen weiteren Spaziergang sind. Den Rest nach Central wollen wir also mit der U-Bahn fahren. Wir begeben uns in den Untergrund, der mit seiner Enge und den poppigen Fliesen an die hässlichen Stationen der Münchner U-Bahn erinnert. Das Bahnfahren unterscheidet sich allerdings kaum von Shanghai – nur dass es auch hier kaum Gedrängel gibt.

Hongkong ist erstaunlich chinesisch, aber nicht China. Meine ersten Eindrücke sind hauptsächlich positiv. Wenn das so weitergeht, könnte Hongkong bald meine Wahlheimat übertrumpfen. Sorry, Shanghai.

to be continued …

Advertisements

10 Gedanken zu “HK | Causeway Bay und Wanchai – Erste Schritte

  1. Beeindruckend die Fotos, schöne Motive. Und dazu Deine persönlichen Eindrücke. Wie feiert ihr Weihnachten?
    Auf jeden Fall wünsche ich euch ein frohes Weihnachtsfest und alles Gute,
    Eberhard

  2. hahaha, das mit dem geschubse ist uns auch aufgefalen – wir waren es, die sich schon schön diese rücksichtslosigkeiten angewöhnt hatten und benehmen nicht mehr gewöhnt waren. männer waren sofort da uns die koffer die treppe hochzutragen. der mensch den ICH angerempelt habe, entschudligte sich. die leute bleiben stehen um dir nicht ins foto zu rennen. und die einzigen die sich an der ampel vorgedrängelt haben und bei rot gegangen sind waren wir. 😀

    ich glaube, jetzt weißt du, warum hongkong auch meine lieblingsstadt geworden ist. bin gespannt auf die anderen berichte 😀
    und ich wünsche dir ein ganz tolles (wenn auch nicht) weihnachtsfest 😛

    1. Haha, deine Erfahrungen kommen mir nur zu bekannt vor. Wir sind auch einige Male negativ aufgefallen, vor allem in der U-Bahn, glaube ich…

      Ich wünsche dir auch frohe Weihnachten!

  3. Wenn man müde ist, benutzt man auf HK-Island aber besser die Tram. Da kann man sitzen (sofern man Platz findet) und trotzdem die Stadt bewundern. In der Metro sieht man ja nicht viel.

    1. Stimmt, wenn man was von einer Stadt sehen will, ist die U-Bahn nicht die beste Wahl. Aber wir sind da ja nur eine Station gefahren und davor schon fast eine Stunde mit dem Bus gefahren. Das konnten wir verschmerzen 😀

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s