HK | Central und Western District – Top oder Flop?

Central und Western District

Der Hongkonger Finanzdistrikt Central bzw. Western District zählt bei vielen Touristen als Muss. Doch können die modernen Wolkenkratzer auch dann noch begeistern, wenn man drei Jahre in Shanghai gelebt hat? Wir wollen es herausfinden.

Central und Western District
Central von Kowloon aus gesehen

Central und Western District

Es ist noch hell, als wir Central erreichen. Der Himmel ist immer noch schneeweiß, der Dunst hängt in den Häuserschluchten.

Wenig überraschend: Das Finanzviertel in Hongkong scheint erst einmal genauso langweilig wie Lujiazui in Shanghai. Moderne Wolkenkratzer, viel Glas, viel Stahl. Männer in Anzügen, seriös gekleidete Frauen, ein paar Nobelboutiquen. Und ganz viele Ausländer, ebenfalls in Anzügen, die sich mit Handschlag begrüßen. Auch ungewohnt: Von allen Seiten hört man plötzlich perfektes Englisch.

Nein, das ist mir zu viel Business, zu viel Sterilität und Seriosität auf einmal, zu sehr in your face. Finanzzentren haben mich noch nie beeindruckt. Die sind wie hohle Filme, die mir ihre sündteuren Spezialeffekte ins Gesicht reiben, als wollten sie ständig betteln: »Find‘ mich gut. Find‘ mich gut!« Erst zurück in Shanghai fällt mir auf, dass ich in Central kaum Bilder gemacht habe.

Central und Western District
Lippo-Towers

Im Hochhausdschungel

Dicht gedrängt bohren sich Centrals Gebäude in den Dunst. Auf Hong Kong Island ist nicht viel Platz. Anders als in Shanghai (siehe: Der Bund – Shanghais historische Skyline) hat man die historischen Bankgebäude in Hongkong deshalb nicht stehen lassen, sondern regelmäßig durch größere, höhere, protzigere Türme ersetzt. Das ursprüngliche Jardine House etwa, das in den 1840er Jahren gebaut wurde, hatte gerade einmal zwei Stockwerke. Das aktuelle Jardine House reckt sich hingegen mit stolzen 52 Stockwerken in die Höhe.

Klar, es ist spannend, dass so hohe Häuser gebaut werden können. Natürlich glänzen die Bürotürme mit beeindruckender Architektur. Und doch mag ich Hongkongs ältere Hochhäuser, die schon ein bisschen schäbig sind, lieber. Sie strahlen einfach mehr Leben aus. Deshalb fand ich auch Causeway Bay oder Mongkok (Bericht wird folgen) interessanter.

Jardine House, Central, Hongkong
Jardine House – Hier spielte die Verfilmung von James Clavells Noble House. (Der Roman spielt zwar in den 60ern, die Verfilmung wurde allerdings in die 80er verlegt (Dank an Tai Fei). Kein Wunder, das Gebäude wurde erst 1973 eröffnet.)

Viele Gebäude in Central sind mir natürlich aus Filmen bekannt und werden dadurch ein bisschen aufgewertet. Selbstverständlich wollen wir den Bank of China Tower sehen, dann, daneben, die Lippo-Türme. So oft habe ich sie schon gesehen und kommentiert. Nicht weit das Gerichtsgebäude, vor dem Law Kar-Ying in der ATV-Serie Relentless Justice als vermeintlicher Messerstecher gefasst wurde. Da fühlt man sich wie in einer lebensgroßen Filmkulisse!

Central, Hongkong
In Centrals Häuserschluchten

Am Meer

Weil uns das Finanzviertel schnell zu langweilig wird, gehen wir runter an die Uferpromenade. Hier fahren die Fähren ab. Wir lehnen uns ans Geländer, bewundern die andere Seite der Bucht. Da drüben ist Kowloon, da müssen wir auch noch hin.

Und das Wasser! So sauber, so klar! Es schwimmt kaum Müll darin und verliert sich in der Ferne im dunkelblauen Glitzern. Es riecht auch ein bisschen nach Meer. Uns fällt auf, dass wir schon lange kein sauberes Wasser mehr gesehen haben. Selbst das Meer um Shanghai herum wartet mit einer braunen Brühe auf.

Central und Western District
Central Ferry Piers Clock Tower

Nächtliches Lichtermeer

Als die Nacht hereingebrochen ist und Central seinen bunten Schlafanzug übergestreift hat, kommt endlich Stimmung auf. Wie erwartet zeigt sich Central nämlich erst im Dunkeln in seiner ganzen Pracht (auch Lujiazui wird ja erst im Dunkeln schön). Die hässlichen Baustellen verschwinden in der Nacht. Die Wolkenkratzer sind beleuchtet, das Riesenrad an der Promenade ebenfalls. Ah, Hongkong!

Brautpaare posieren für Fotos, Fotografen stellen den Platz mit schweren Geschützen auf Stativen voll, Angler setzen sich an die Stufen zum Wasser. Immer im Hintergrund: das geordnete Chaos aus Licht und Farben. Season’s Greeting’s wünschen uns riesige Neonweihnachtsmänner an einer Häuserfassade. Central, so bei Nacht bin ich doch ein bisschen verliebt.

Central und Western District
Leuchtendes Central

Central, Hongkong
Bank of China Tower

Victoria Peak – Hongkong von oben

Zu den Wolkenkratzern von Hong Kong Island gehört auch der Blick von oben. Den hat man zum Beispiel vom Victoria Peak aus, dem höchsten Berg auf der Insel.

Eigentlich will ich rechtzeitig auf dem Peak sein, um die Hochhäuser zur goldenen Stunde zu erleben und dann auf den Nachteinbruch zu warten (Sonnenuntergang im Dezember ist ca. um 17:30 Uhr). Doch die Busfahrt zur Aussichtsplattform dauert länger als erwartet. Im Feierabendstau rumpelt der Doppeldecker die engen Serpentinen hinauf. Wir klammern uns an die Stangen und haben Mühe, nicht durch den halben Wagen geschleudert zu werden. Das erinnert schon sehr an die ruppige Fahrweise in Shanghai. Als wir endlich oben ankommen, ist es bereits stockdunkel.

[Anm.: Lieber die gemütlichere und stilechte Peak-Tram nehmen, mit der wir leider nur nach unten gefahren sind.]

Auf der Aussichtsplattform ist es scheißkalt und windig. Da muss man durch, wenn man das beliebte Postkartenmotiv selbst knipsen möchte. Jeder, der die Plattform betritt, stößt erst einmal ein »waaah« oder »uuuhh« oder »wooow« aus. Die schier unendliche Menge an dicht gedrängt stehenden Wolkenkratzern ist schon beeindruckend, geht der Hochhausverhau doch auf der anderen Seite der Bucht noch weiter.

Hochhäuser so weit das Auge reicht! Dazu die Berge, die bunten Lichter! Ja, doch, das ist schon beeindruckend. Auch wenn man asiatische Metropolen längst gewohnt ist.

to be continued …

Central und Western District
»waaah«

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6 Gedanken zu “HK | Central und Western District – Top oder Flop?

  1. Der Roman „Noble House“ spielt zwar in den 60ern, für die Verfilmung wurde die Handlung jedoch in die 80er verlegt. Daher passt das mit dem Jardine House schon.

  2. Ach die Aussicht vom Peak hatten wir nie – Nebel sei dank aber, wie kannst du nur sagen die Bahn wäre besser? Wir fanden diese Achterbahnbusfahrt so genial!! 😀 Jederzeit wieder 😀

  3. Mein Abstecher nach HK ist ne Weile her … muss vielleicht auch mal in alten Fotos kramen …
    Iwie fehlt mir die Erinnerung daran ein wenig … vielleicht war’s der Jetlag oder „toomuchinput“ weil auch nur 3-4 Tage …

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