8 Deko-Artikel für das chinesische Neujahr und ihre Bedeutung

8 chinesische Glückssymbole für das chinesische Neujahr

Zum Frühlingsfest dekorieren die Chinesen so fleißig wie wir zu Weihnachten. Dann versinkt das Land im Kitsch aus Rot und Gold; überall sieht man Münzen, Fische, Erdnüsse oder kunstvollen Knotenschmuck. Doch was bedeuten diese Symbole eigentlich?

Alte Traditionen

Auch in modernen Zeiten haben sich viele Chinesen ihren Aberglauben bewahrt und halten sich an alte Traditionen.

So ist kurz vor dem Frühlingsfest unser Treppenhaus klatschnass, weil plötzlich jeder die Stufen vor seiner Wohnungstür putzt (indem er literweise Wasser die Stufen hinunterkippt). Friseure schieben Extraschichten, damit die Leute vor Neujahr noch zu einer schicken Frisur kommen. Denn der Frühjahrsputz bzw. der Gang zum Friseur gilt im ersten Monat nach dem Frühlingsfest als unglücksbringend, wäscht man so doch das eben erst willkommen geheißene Glück wieder aus dem Haus bzw. schneidet es ab.

Auch auf Dekoration verzichten die Chinesen nur ungern, übertreiben es damit aber schon mal:

Weihnachtsbaum wird Neujahrsdeko
Weihnachtsbaum wird Neujahrsdeko (Jahr des Drachen) und Werbefläche in einem. Wer jetzt denkt, auf dem Banner stünde ein Neujahrsspruch, der irrt. Da steht in etwa: »Großverkauf im vierten Stock: Geschenkartikel für Neujahr und Hochzeitsbedarf«

8 Deko-Artikel für das chinesische Neujahr und ihre Bedeutung

Zum einen hängt natürlich überall das Tier, dessen Jahr gerade ansteht (für 2015 ist es zum Beispiel das Schaf oder die Ziege). Zum anderen gibt es viele typische Dekorationsartikel mit einer tieferen Symbolik.

Die Bedeutung von Rot und Gold

Auch die Farben kommen nicht von ungefähr: Gold bzw. dessen Ersatzfarbe Gelb steht natürlich für den Reichtum, Rot für Freude und Wahrheit. Für Rot gibt es allerdings noch eine andere Erklärung, die sich auf eine Legende stützt (siehe Punkt 7).

Schafe und Ziegen als chinesische Neujahrsdekoration
Schafe und Ziegen

1. Geld

Münzen, oft in ihrer alten Form mit Loch in der Mitte, sieht man zum Neujahrsfest überall. Mit ihnen will man den Wohlstand ins Haus locken. Auch goldene Schokoladentaler (die leider nicht so gut schmecken wie in Deutschland, da noch minderwertigere Schokolade) werden in den Supermärkten körbeweise angeboten. Passend dazu gibt es goldene Sparschweine.

Populärer als Münzen ist eine andere antike Währungsform (元宝, yuánbǎo). Die traditionelle Form chinesischer Goldbarren erinnert optisch ein bisschen an Hüte und findet sich in verschiedenen Dekorationsgegenständen wieder. Selbst die Verpackung für Süßigkeiten ist manchmal dieser Form nachempfunden.

Fürs Geld zuständig ist übrigens dieser Herr:

Gott des Geldes

财神到 (cáishén dào) – Der Gott des Geldes kommt!

Diese kitschige Deko ist typisch für China. Meine Schwiegereltern haben uns das Bild mitgebracht, das uns nun brav von einer Wohnung zur nächsten begleitet. Das Bild soll den Gott des Geldes dazu einladen, bei uns vorbeizuschauen und uns »großen Wohlstand« (大发财, dàfācái) mitzubringen. Dies tut er auf dem Bild in Form von Goldbarren, Edelsteinen und Jade.

Auch die Details sind nicht zufällig gewählt. Die Drachen, mit denen die Robe des Geldgotts bestickt ist, vertreiben böse Geister. Von seiner Kopfbedeckung baumeln glücksbringende Quasten (die langen Dinger neben seinen Ohren), in der Hand hält er ein Wunsch-erfüllendes Zepter (如意, rúyì). Die Fische zu seinen Füßen symbolisieren Überfluss. Auch die Blumen auf ihren Körpern verheißen Glück. Mit dem linken Spruch klopfen zur Sicherheit noch einmal Reichtum und Ruhm an unsere Tür, der rechte verheißt Glück für eine friedliche Familie.

Finanzielle Schwierigkeiten dürften wir in unserem Leben keine mehr bekommen, oder?

2. Fische

Warum Fische Überfluss bzw. Reichtum symbolisieren? Das chinesische Wort für Fisch (鱼, yú) klingt genauso wie das für Rest (余, yú). Man feiert also, dass man zum Ende des Jahres noch Geld übrig hat.

Als Paar zusammenhängende Fische sind auch eng mit dem Buddhismus verknüpft: Sie symbolisieren u.a. Fruchtbarkeit und eine glückliche Familie. (Mehr Infos zu tibetisch-buddhistischen Glückssymbolen gibt es hier: Die Acht Kostbarkeiten – Tibetische Glückssymbole

3. Erdnüsse

Viele Nüsse und Kerne symbolisieren Wohlstand und Überfluss. Deshalb werden sie zum Frühlingsfest in Massen geknabbert und verschenkt. Die Erdnuss ist eine davon. Egal ob im eigentlichen Zustand oder weiterverarbeitet zu Süßigkeiten, sie wird eigentlich in jeder Form gern gegessen. Auch in der Dekoration findet sich die Erdnuss wieder.

Neben Nüssen sieht man manchmal auch Maiskolben oder Orangen als Dekoration. Die vielen gelben Körner des Maiskolben stehen für Überfluss und Gold (gelb = Gold), Orangen stehen mit ihrer fast gelben Farbe ebenfalls dafür.

Chinesische Neujahrsdeko
Wer findet die Orangen und die Erdnüsse?

Erdnüsse, Süßigkeiten
Traditionelle Erdnussbonbons aus Peking und – von mir und meinem Schwiegervater geliebt – Erdnuss-Nougat aus Shanghai (im Prinzip das Gleiche wie griechischer/türkischer Honig)

4. Böller

Zum Frühlingsfest wird geböllert, was das Zeug hält, um böse Geister zu vertreiben. Nur in einer Nacht feiert man eine Ankunft, nämlich die des Geldgotts. Durch den Lärm der Böller erhofft man sich, dass der Gott auch bei einem selbst vorbeischaut und Wohlstand da lässt.

Künstliche Feuerwerkskörper sind deshalb auch ein beliebtes Dekorationsobjekt. Die schlimmsten Exemplare sind mit Batterien ausgestattet und machen pausenlos Lärm.

5. Auberginen

Seltener gesehen, aber ebenso symbolisch sind Auberginen. Ihr Name (茄, qié) erinnert an die Aussprache in »alles« (一切, yīqiè). Auberginen stehen daher ebenfalls für Reichtum und Wohlstand.

Auberginen als Glücksbringer
Als ich mir die Auberginen ein paar Minuten später genauer ansehen wollte, waren sie schon ausverkauft. Dieses schlechte Bild muss also reichen. Von links nach rechts: Geldsäckchen, Böller, Auberginen, kunterbunte Erdnüsse, Laternen, Chilischoten, Ziegen.

6. 福 (fú) – Segen

Nicht selten kleben Chinesen zum Frühlingsfest glücksverheißende Spruchbänder um ihre Tür. Das Bild mit dem Schriftzeichen fú wird gern an die Tür gehängt. In vielen Gegenden hängt man das Schriftzeichen auf dem Kopf stehend auf, um die Ankunft des Glücks zu verheißen. Das Wort für »auf den Kopf stellen« (倒, dào) klingt nämlich genauso wie das Wort für Ankunft (到, dào). Auch der Frühling (春, chūn) wird auf dem Kopf stehend begrüßt.

Auf Kantonesisch spricht man den Segen »fuk« aus, was so klingt wie die kantonesische Aussprache für »ausschütten«. Weil Glück natürlich niemand wegkippen möchte, hängt man in kantonesischsprachigen Regionen das Zeichen lieber nicht verkehrtherum auf.

Übrigens: Auf einem Burberry-Schal kommt das Fu-Zeichen bei den Chinesen offensichtlich nicht so gut an.

Fu, der Segen, Glückssymbol in China
Im Kalender unserer Telefongesellschaft steht »fú« nicht auf dem Kopf

7. Laternen

Einer Legende nach kam zum Jahresende das Monster Nian (eine Mischung aus Löwe, Ochse und Einhorn) aus den Bergen, um Chinas Bevölkerung zu töten. Die Menschen fanden bald heraus, wovor es Angst hatte: Lärm, Licht und Rot.

Neben der omnipräsenten Farbe und der ohrenbetäubenden Böllerei haben auch die roten Laternen überdauert, die man zum Frühlingsfest besonders oft aufhängt. Auch über dem Eingang unseres Viertels hängt dann ein riesiger Lampion.

Laternen im Konfuzius-Tempel in Nanjing, China
Laternen im Konfuzius-Tempeln in Nanjing

8. Knoten

Das Binden von Glücksknoten (盤長, pán cháng) stellt in China einen Teil einer uralten Handwerkskunst dar. Weil sie in der Regel mit einem einzigen durchgehenden Faden geknotet werden, stehen sie für ein langes Leben und Ewigkeit. Sie können böse Geister abwehren und für noch mehr Glück mit anderen Symbolen kombiniert werden, z.B. mit Goldbarren, Fischen, Bagua-Spiegeln oder drei Lochmünzen.

Übrigens bringen auch die langen Quasten, die an den Knoten aber auch an vielen anderen Deko-Artikeln hängen, Glück.

Knoten und Fische
Knoten (und Fische, teilweise in Paaren)

Bonus: 红包 (hóngbāo) – Roter Umschlag

Zwar kein Dekorationsartikel, aber am Frühlingsfest mindestens ebenso wichtig: rote Umschläge. Wer in China Geld verschenkt, tut dies mit Hilfe eines roten Umschlags, der gern mit glücksverheißenden Symbolen und viel Gold bedruckt ist. Traditionell schenken am Frühlingsfest die Älteren den Jüngeren so einen mit Geld gefüllten Umschlag.

Der rote Umschlag soll vor allem Kinder über die Neujahrstage beschützen und hält generell böse Geister fern. Wie viel Geld man schenkt, ist eigentlich egal (nur nicht geizig sein!), es sollte aber immer ein runder Betrag sein.

Auch zu Hochzeiten oder Geburtstagsfeiern werden rote Umschläge verschenkt, eben immer, wenn es um Geld geht. Nur bei einer Beerdigung müssen es weiße Umschläge (und andere Geldbeträge) sein.

Nur eine kleine Auswahl

Das war nur eine kleine Auswahl an glücksverheißender Deko zum Frühlingsfest. Die meisten dieser Gegenstände kann man in China natürlich das ganze Jahr über finden und viele Touristen nehmen die Glücksbringer als Souvenirs mit nach Hause.

Ich finde die Deko aus dem Carrefour übrigens nicht einmal besonders billig, wenn man bedenkt, wie wenig die Leute hier teilweise verdienen. So ein schöner mittelgroßer Fisch kostet schon um die acht Euro und auch bei kleineren Geldsäckchen-Anhängern ist man schon mit guten vier Euro dabei. Billiger sind da auf jeden Fall die roten Glücksunterhosen, über die ich erst kürzlich geschrieben habe.

PS: Die Zahl 8 im Titel habe ich nicht zufällig gewählt. Auch sie bringt in China Glück.

EDIT (20.02.2015): Das Geheimnis hinter den Chilischoten ist gelüftet! Siehe: Was bedeuten Chilischoten als Neujahrsschmuck?

Weiß jemand, welcher Sinn hinter den Chilischoten als Dekoration steckt? (Vermutlich Glück oder Wohlstand, aber warum?)


Dieser Artikel ist Teil der Reihe „Frühlingsfest – Das chinesische Neujahrsfest“.
chinesisches Frühlingsfest, Neujahrsfest, China

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21 Gedanken zu “8 Deko-Artikel für das chinesische Neujahr und ihre Bedeutung

    1. Hahaha, der kommunistische Stern sollte eigentlich nur ein Überbleibsel von der Weihnachtsdeko sein, aber so kann man es natürlich auch interpretieren 😀

    1. Ach, wenn ich mir so anschaue, wie üppig so manche Weihnachtsdeko in Deutschland ausfällt, bin ich mir nicht so sicher, wer aufwändiger schmückt 😉

    1. Die Chilischoten, das letzte große Rätsel der Chinesen 😉

      Nicht mal meine Schwiegereltern konnten mir sagen, warum man die aufhängt. Sie meinen, wahrscheinlich haben die gar keine Bedeutung. Aber das glaube ich nicht. Im Internet habe ich auch nichts Sinnvolles dazu gefunden, echt komisch …

      1. Nee, ich lese Blogs meist erst am Folgetag in der Zusammenfassung von Bloglovin. Da muss ich direkt mal gucken, ich bin gespannt!

    1. Im Einkaufszentrum hängt gerade so ein zehn Meter langer als Deko, aber ob das mit Neujahr zu tun hat oder Zufall ist, weiß ich leider nicht. Bis jetzt sind sie mir hier noch an keinem Neujahrsfest aufgefallen …

  1. Hallo Shaoshi, ein Logbuch ist ein auf einer Website geführtes und damit meist öffentlich einsehbares Tagebuch oder Journal. So steht es in Wikipedia. Du hast es zusätzlich mit vielen tollen Bildern versehen. Du solltest wissen, dass ich dich über episoden.film gefunden habe. Ich würde mich sehr freuen, wenn du auch mal auf meinem Blog vorbei surfst und einen Kommentar abgibst. Zum Beispiel gibt es ein Announcement hinsichtlich eines neuen Fotoprojekts von https://paleica.wordpress.com und mir. Am kommenden Montag startet es. Vielleicht hast du ja Zeit und Lust, mit zu machen?! Bei den hier gezeigten guten Bildern von dir wärst du eine Bereicherung für das Projekt. Näheres unter: http://dschungelpinguin.com/montag-der-2-februar-2015/
    Ich freue mich schon heute, wieder von dir zu lesen. Immer gut Licht und ganz viel Ideen für weitere schöne Bilder! Beste Grüße, Andreas
    http://dschungelpinguin.com

  2. Zu den Fischen im Buddhismus: „Im tibetischen Buddhismus sind sie ein Sinnbild für die Befreiung des Geistes aus dem Ozean des Samsara, dem Kreislauf der Wiedergeburten.“ Ich hab mal für feel China einen Blogartikel über die Tibetischen Glückssymbole geschrieben. Vielleicht magst Du mal gucken: http://blog.feelchina.de/?p=110251 Ich schreibe dort übrigens unter dem Pseudonym „Marthe“ LG Ulrike

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