Pflaumenblütenfestival in Nanjing – Wo der Frühling zuerst ankommt

Pflaumenblütenfestival in Nanjing, plum blossom festival

Sakura, die Kirschblütenzeit in Japan, ist längst kein Geheimtipp mehr. Weniger bekannt ist da ein ganz ähnliches Festival in Nanjing. Denn ab Februar versinkt die Stadt in Pastell. Es ist Pflaumenblütenzeit.

Blütenmeer am Purpurberg

Der Hügel hat sich seine Frühlingsgarderobe in Pastell übergestreift. Das Grün ist noch spärlich, schließlich ist erst Mitte Februar. Dafür großzügig verteiltes Pastellrosa; dazwischen immer wieder Flecken von blendendem Weiß, hier und da ein Tupfer Gelb oder dunkles Pink, so dunkel manchmal, dass die Farbe fast schwarz wirkt. Méihuāshān (梅花山), Pflaumenblütenhügel, nennen die Chinesen diesen Teil des Purpurbergs.

Pflaumenblüten-Festival in Nanjing
Im Pflaumenblütenmeer, © Herr M.

Der Berg liegt im Osten Nanjings und ist eigentlich für seine UNESCO-geschützten Kulturstätten bekannt. Hier stehen das gewaltige Sun-Yat-Sen-Mausoleum, die Ming-Gräber oder auch der Linggu-Tempel.

Im Februar, wenn der Winter in den letzten Zügen liegt, springen hier die ersten trotzigen Knospen an den kahlen Bäumen auf. Das sind die mutigen, die Pflaumenblüten.

Wofür die Pflaumenblüten stehen

Die Pflaumenblüten, Nanjings Stadtblumen, sind die ersten Vorboten des Frühlings, die für Wiedergeburt, Stärke und Wachstum stehen. Sie werden von den Chinesen so geliebt, dass das Blütenmeer am Purpurberg heute aus mehr als 35.000 Pflaumenbäumen in über 100 Varianten besteht.

»Einzigartig auf der Welt«, sagen die Bewohner der Millionenmetropole mit stolzgeschwellter Brust. »Das gibt es nur in Nanjing.«

»Das habt ihr in Deutschland nicht!«, betont meine Schwiegermutter frech.

Auf Pflaumenblütenschau – nicht erst seit den 90ern

Das jährliche Pflaumenblütenfestival findet zwar erst seit 1996 statt, die Bäume stehen teilweise natürlich schon viel länger. Kein Wunder, dass sich hier auch der älteste Pflaumenbaum Chinas findet.

Für Herrn M. ist die Pflaumenblütenzeit fester Bestandteil seiner Kindheitserinnerungen. Schließlich ist er ganz in der Nähe des Purpurbergs aufgewachsen. Früher pilgerte (nicht nur) die Familie M. jeden Winter auf den Berg, um sich an den Blüten zu erfreuen. Damals war das natürlich noch gratis. Heute darf man 60 RMB für einen Spaziergang über das Gelände blechen.

Pflaumenblüten und die Dichter

Bei so vielen Blüten sind natürlich die chinesischen Dichter nicht weit. Der Dichter Lin Bu (林逋) etwa war zu Zeiten der Song-Dynastie (960–1279) so vernarrt in die Pflaumenblüte, dass er einen Pflaumenbaum in Hangzhou als seine Ehefrau ansah. So viel Liebe wird belohnt. Sein Gedicht »Kleine Pflaumenblüte vom Hügelgarten« (山園小梅) zählt bis heute zu den berühmtesten Gedichten über die Blüte.

Pflaumenblüte, Gedicht von Lin Bu
Eine schöne, aber englische, Übersetzung gibt’s bei Wikipedia

Faszination Pflaumenblüte

»Riech mal«, macht mich Herr M. aufmerksam, wann immer wir in die Nähe eines Pflaumenbaums kommen. Auf dem Purpurberg kann er sich diesen Kommentar sparen. Hier ziehen sich die Bäume wie ein pastellfarbenes Netz durch die Landschaft und verteilen ihren Duft.

Wir lassen uns von der Menschenmenge durch ein Meer aus zarten Farben treiben; Weiß, Gelb, Rosa. So manche Knospe klebt noch hart an den Ästen, aber genug Blüten sind schon offen, damit man sich daran erfreuen kann. Liebespaare schlendern mit verklärtem Blick durch das Blütenmeer. An jedem zweiten Baum stehen junge Menschen mit Smartphones und knipsen eifrig Blumen. Die alten Männer sind besser ausgestattet mit ihren Spiegelreflexkameras und den riesigen Objektiven, mit denen sie sich tief in die bunten Äste graben. Später wird vermutlich Weixin mit den Bildern geflutet. Das Pflaumenblütenfestival fürs Online-Leben.

Auch heute, wo die Menschen eigentlich kaum mehr einen Blick für die Natur haben, bleibt die Faszination für die Pflaumenblüten erhalten. So ein Spaziergang durch ein Blütenmeer ist ja auch wirklich schön!

Schade, dass das nur bis Ende März hält. Dann kommt der Pflaumenblütenregen. Und was so poetisch klingt, ist nichts anderes als wochenlanges Sauwetter. Denn mit den Blüten fällt der Regen. Also hingehen, solange es noch blüht. Es lohnt sich!

Pflaumenblüten-Festival in Nanjing

Adresse

中国南京国际梅花节 | International Plum Blossom Festival of Nanjing, China
(in der Nähe der U-Bahnstation Musuyuan, Linie 1)
Eintritt: 60 RMB (Stand: 2015)

Das Festival läuft von 16. Februar 2016 bis 26. März 2016.

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20 Gedanken zu “Pflaumenblütenfestival in Nanjing – Wo der Frühling zuerst ankommt

  1. „Sauwetter“ 😀
    Das haben wir hier auch, seit heute früh konstanten Schneeregen. Aber ganz ohne Blüten, schöne Bilder hast Du gemacht. So bekomme ich wenigstens ein klein wenig Frühling mit. Grüße aus Frankfurt. 🙂

  2. Großartige Fotos. Da macht der Frühling wirklich ernst. So etwas wünscht man sich hier auch. 🙂 Heute früh waren die Autoscheiben wieder gefroren, am Nachmittag fielen auch noch ein paar Flocken. Vielleicht, so hofft man ja, die letzten.
    Herzliche Grüße, Eberhard

    1. Danke.

      Vielleicht hatte mein Mann doch Recht und es war fies, euch die Bilder jetzt schon zu zeigen. Aber sie waren halt gerade so schön aktuell 😀

      Ich drücke die Daumen, dass der Schnee bei euch bald ausbleibt!

      1. nee.. oder vielleicht umgedeutet. Romy bedeutet wiederspenstige oder geliebte Rose ABER mein chinesische Name ist Lè Méi (乐梅)

    1. Im Wikipedia-Artikel steht, dass man in Japan zur Nara-Periode auch die Pflaumenblüten lieber mochte. Die Chinesen hier sagen ja immer, dass Nara wie eine chinesische Stadt in Japan ist. Vielleicht hat man in Japan später versucht, sich abzuheben und hat sich deshalb auf die Kirschblüten spezialisiert? 😉

    1. Die Kälte wirkt abschreckend. Freiwillig würde ich wohl auch kaum im Februar herkommen – auch wenn China im Winter ganz interessant sein kann, wie ich aus deinen Texten und Bildern gelernt habe 🙂

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