Awards | Von Traumvillen, Eis und einem doofen Song aus China

Liebster Award in Shanghai

Kürzlich flatterten wieder einmal zwei Nominierungen für den Liebster Award ins Haus. Paleica von Kalorienaffin und Mareike von Von 0211 nach 021 haben mir 22 Fragen gestellt. Lest, in welchem Haus ich in Shanghai gern wohnen würde, was an meiner Schwiegermutter so erstaunlich ist und von welchem chinesischen Song ihr garantiert einen Ohrwurm haben werdet.

11 Fragen von Paleica

Paleica kennt man wohl eher von ihrem wunderschönen Fotoblog episoden.film oder ihrer aktuellen Foto-Aktion Magic Letters. Sie hat aber auch einen Foodblog – und über den hat sie mich für den Liebster Award nominiert. Hier sind ihre Fragen und meine Antworten:

1. Was war die ursprüngliche Idee, als ihr euren Blog gegründet habt und wie hat er sich seitdem entwickelt?

Ursprünglich war der Blog – wie wohl fast alle Auslandsblogs – für Familie und Freunde in Deutschland gedacht. Daran erinnert inzwischen nur noch wenig. Der Blog entwickelt sich prächtig und viel besser als ich mir je erträumt hätte!

2. Wenn ihr euch ohne Rücksicht auf wenn und aber einen Wunsch erfüllen könntet, welcher wäre das?

Ich würde mir eine ganz bestimmte Villa krallen, an der ich jeden Tag vorbei komme: das Elternhaus der berühmten chinesischen Schriftstellerin Eileen Chang (von der z.B. eine Kurzgeschichte von Ang Lee als »Gefahr und Begierde« verfilmt wurde).

Das wäre doch toll: Ein altes Häuschen mitten in Shanghai, mit Garten für Pao-Pao und historischem bzw. literarischem Bezug und dann steht es auch noch genau in der Gegend, in der ich gerne lebe.

Elternhaus von Eileen Chang
Wenn ich groß bin, wohne ich hier

3. Eure schönste Reise war…?

Eine sehr schöne Reise war unser Ausflug zum Huangshan. Das viele Bergsteigen Treppensteigen war zwar anstrengend, aber der Weg hat sich gelohnt – und der Sonnenaufgang über den urigen Bergen war unglaublich schön.

Sonnenaufgang auf dem Huangshan
Sonnenaufgang über dem Gelben Gebirge

4. Wenn morgen das Internet abgedreht werden würde: was würde euch daran am meisten fehlen?

Das Bloggen natürlich. Alles andere ließe sich irgendwie ersetzen.

5. Was überrascht euch am meisten an euch selbst?

Obwohl meine Chinesischkenntnisse nicht so gut sind und ich oft selbst nicht so genau weiß, was ich tue, habe ich hier doch immer bekommen, was ich wollte. Es geht schon, irgendwie.

6. Was überrascht euch am meisten an jemand anderem?

Konkretes Beispiel: meine Schwiegermutter. Wie oft tut oder sagt sie Dinge, die für mich völlig unverständlich sind – und am Ende kommt immer ein schlaues, beinahe perfektes Ergebnis raus.

Sei es nun das Schärfen von Messern, das Beziehen von Betten, ihre Art zu stricken oder etwas zu verknoten oder das Aufpäppeln von Küchenabfällen – meine Schwiegermutter hat für alles eine Lösung. Und sie ist das beste Beispiel dafür, dass es für jeden Weg eine chinesische Variante gibt. Und nur weil die anders ist als unsere deutsche, muss sie nicht schlechter sein.

7. Was wollt ihr niemals wieder essen?

Niemals wieder ist vielleicht ein zu harter Ausdruck, aber es gibt doch ein paar Dinge, auf die ich gut verzichten könnte: chinesische bzw. mongolische Milchprodukte zum Beispiel. Oder Schwammkürbis (schmeckt wie verfaulte Gurke). Was ich auch nicht unbedingt haben muss, ist das:

Verfaulter Tofu
Verfaulter Tofu – Das erste Gericht, das ich in China essen musste. Schmeckt nicht so schlimm wie es aussieht, ist aber auch kein kulinarischer Gewinn.

8. Wo ist der beste Platz zu leben?

In der Stadt, zentral gelegen. Definitiv. Es muss vielleicht nicht Shanghai sein, es muss wahrscheinlich noch nicht einmal China sein. Aber eine Großstadt ist Pflicht.

Solange ich in Shanghai lebe und mein Viertel nicht abgerissen wird, ist die Gegend, in der ich momentan wohne, für mich die beste. Es ist nicht besonders schön und unsere derzeitige Wohnung ist ein heruntergekommenes Loch. Aber ich habe zwei U-Bahnlinien und ganz viele Buslinien in der Nähe, bin in zehn Gehminuten in Shanghais wahrscheinlich schönstem Park, kann vier Einkaufszentren zu Fuß erreichen und habe jedes Geschäft, das man im Alltag braucht, im Umkreis von wenigen Metern. Und tatsächlich hege ich für diese Gegend schon so etwas wie Heimatgefühle.


Meine »Heimat«

9. Wenn ihr eine Entscheidung in der Vergangenheit ändern könntet, welche wäre das?

Ich würde viel früher nach China gehen.

10. Was macht einen Tag zu einem lebenswerten Tag?

Spaß, schöne Erlebnisse, ein gutes Gefühl und keine unangenehmen Verpflichtungen.

11. Worüber würdet ihr nie auf eurem Blog schreiben?

Themen, von denen ich nichts verstehe, die mich nicht interessieren oder allzu privat sind.

Liebster Award in Shanghai

11 Fragen von Mareike

Mareike ist vor Kurzem auch nach Shanghai gezogen, wartet noch auf den Container mit ihren Sachen und bloggt darüber auf Von 0211 nach 021. Ihre 11 Fragen an mich und meine Antworten lauten wie folgt:

1. Warum bist du ins Ausland gegangen?

Herr M. hat in seiner Heimat einen Job gefunden. Perfekt! Da musste ich nicht lange nachdenken und bin mitgegangen. Deutschland war mir schon immer zu langweilig.

2. Warum bloggst du?

In erster Linie ist es wohl ein Mitteilungsbedürfnis. Und ein innerer Schreibzwang. Ich blogge aber auch, weil es unglaublich Spaß macht und man sogar Feedback dafür bekommt. Das gibt einem ein viel besseres Gefühl als all die Texte, die jahrelang in diversen Schubladen verschwunden sind.

3. Bist du Social-Media-affin? Wenn nein – warum nicht? Wenn ja – auf welchen Kanälen?

Besonders affin würde ich mich nun nicht bezeichnen. Ich nutze Twitter ganz gern und neuerdings auch Google+. Allerdings verstehe ich Pinterest nicht, finde Facebook blöd und kann Instagram nicht benutzen.

Ansonsten poste ich manchmal ein chinesisches Sätzchen bei Weixin (Chinas Klowand) oder mache seltener etwas für Pao-Paos Account bei Gutou (dem chinesischen Haustier-Facebook).

Pao-Paos Profil bei Gutou
Pao-Paos Profil bei Gutou

4. Was ist deine liebste Eissorte?

Das Eis, mit dem ich mich letztes Jahr durch den Shanghaier Sommer gearbeitet habe, war ein koreanisches Netzmeloneneis am Stiel. Es ist weder Milchspeise- noch Wasser- noch Softeis und schmeckt sehr melonig. Leider ist es mit rund 7 RMB beim Family Mart ganz schön teuer (im Vergleich zu anderen Eis-am-Stiel-Sorten).

koreanisches MeloneneisMeloneneis

5. Welche Jahreszeit magst du am liebsten und warum?

Sommer. Der ist in Shanghai zwar ganz schön schwül und heiß, aber erstens verlässlich und zweitens lang. Eigentlich hasse ich es zu schwitzen und ich habe grundsätzlich nichts Passendes anzuziehen. Trotzdem ist Sommer immer noch besser als der Frühling, der zwar so tut als wäre er mild, aber immer noch zu kalt ist. Sommer ist selbstredend besser als der ekelhafte Winter. Und Herbst? Der geht in Shanghai zwar, weil es bis Anfang Dezember einigermaßen warm bleibt – aber er mündet direkt in den Winter, der Verräter!

48°C kann sich Shanghai im kommenden Sommer trotzdem sparen. Man schwitzt hier ja auch bei 30°C schon ordentlich …

6. Was ist deine Lieblings-Fernsehserie?

Chinesisch? Das wäre wohl »Chinese Paladin«, die Realverfilmung eines chinesischen Kult-Computerspiels. Kurz gesagt geht es um eine versprengte Prinzessin, die herausfindet, dass sie eine Reinkarnation der Schöpfergöttin Nüwa ist, und einen Dorftrottel, der sie sicher nach Hause bringen soll.

Die Serie ist eine Mischung aus Eastern-Action, Fantasy, Romantik und Komödie. Zwar sind die Spezialeffekte grottenschlecht und vor allem die Kostüme von Dämonen und Zombies wirken ziemlich billig, aber die Handlung ist spannend, die Charaktere sind interessant und witzig ist es auch noch! Da wächst Frauen zur Strafe ein Bart und Tse Kwa Ho als der ständig besoffene Martial-Arts-Künstler Drunken Sword Immortal ist zum Schießen.

Ich habe die Serie inzwischen schon zweimal komplett gesehen und bereits 2009 eine Rezension dazu verfasst. Hier ist ein Trailer:

 

7. OK, und was ist deine heimliche Lieblings-Fernsehsendung?

Das ist ja geheim 😉

8. Welches Wort magst du besonders gern?

Das wechselt oft.

Immer: Grattler.

Momentan: Credibility (Glaubwürdigkeit), 赞 (zàn, liken), Tuhao und Jean-Luc.

9. Welches Wort kannst du gar nicht leiden?

Das wechselt auch. Momentan nerven mich Wörter wie Hamsterrad, homogen, Haptik, Handlettering und natürlich ganz viele chinesische Wörter, die ich seit Jahren lerne und mir nie merken kann.

10. Was ist dein größter Traum?

Mein letzter großer Traum war es, einmal nach Hongkong zu fahren. Das hat sich jetzt ja erledigt … Von daher … Hmm …

11. Von welchem Lied möchtest du uns einen Ohrwurm bescheren?

Super, noch eine Gelegenheit etwas längst Überfälliges im Blog zu integrieren! Vor einigen Monaten konnte man im (internationalen) Internet überall von Chinas skurriler Antwort auf Koreas »Gangnam Style« lesen. Der »Chick Chick«-Song soll wohl DER Hit in China sein. Komischerweise habe ich im Real Life davon kaum etwas mitbekommen.

Den »Chick Chick«-Song habe ich nur drei-, viermal gehört und jedes Mal lief die Musik für Kinder. Kann es sein, dass der Song eher bei Übersee-Chinesen oder in chinesischen Kindergärten ein Hit war? Oder läuft das unter chinesische Disco-Kultur (von der ich ja eher weniger Ahnung habe)?

Ach ja, warum der Song so skurril ist? Weil er hauptsächlich aus (chinesischen) Tierlauten besteht und das Video bescheuert ist. Dummerweise geht einem das Gekrächze wirklich nicht mehr aus dem Kopf. Da müsst ihr jetzt durch:

王蓉 – 小雞小雞 / Chick Chick

Das war’s

Nominieren möchte ich heute keinen (nach diesem Video kann ich keine Fragen mehr formulieren).

Vielen Dank an Paleica und Mareike für den Award!

Und jetzt ihr: Wer kennt einen schlimmeren Song?

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20 Gedanken zu “Awards | Von Traumvillen, Eis und einem doofen Song aus China

  1. Die Beantwortung der Fragen hat wieder einmal gezeigt, warum ich nicht nur am Montag Morgen diesen Blog immer wieder gern lese. Eileen Chang – von ihr habe ich vor langer Zeit „Das Reispflanzerlied“ gelesen und schon damals verstanden, warum sie sich in China nicht beliebt gemacht hat mit ihrer Literatur. Allerdings hatte ich vergessen, dass sie in Shanghai gelebt hat. Danke fürs Erinnern.

    Was chinesische Serien angeht, werde ich auf Youtube einen Blick in „Chinese Paladin“ werfen.
    Ich habe gestern Abend 真愛遇到他 beendet und bin verzückt. Auch wenn die Serie in jeglichem Aspekt überzogen hat und ich dem Tempo nur mit Hilfe der englischen Untertitel folgen konnte.

    Liebe Grüße
    Midori

    1. Das Haus oben ist aber nur das Haus ihrer Eltern. Sie selbst hat aber auch um die Ecke gewohnt. Da müsste ich eigentlich auch schon oft vorbeigelaufen sein ohne es zu wissen. Vielleicht schau ich mir das mal genauer an.

      Ich glaube chinesische (asiatische?) Serien überziehen generell in jedem Aspekt 😉 Aber sie entwickeln schon einen ganz schönen Sog … Chinese Paladin ist halt gerade am Anfang ein bisschen gewöhnungsbedürftig, weil man da stark merkt, dass es auf einem Computerspiel basiert. Aber es wird schnell besser. Ich habe jetzt noch mal die ersten paar Folgen gesehen und fand es immer noch ganz unterhaltsam – auch wenn die Effekte echt, echt schlecht sind. Probier’s einfach mal aus!

  2. Dieses Video und dieses Lied! Ich hab so gelacht! Wobei ich sagen muss, dass der Song ohne das sehr witzig gemachte Video ganz schön schnell nervig werden kann. Ich kannte es jedenfalls noch nicht.

    Dieses Meloneneis klingt total lecker, da muss ich das nächste Mal im Family Markt mal nach Ausschau halten. Aber für so ein Wassereis (?) ist es tatsächlich relativ teuer.

    Auch über Social Networks habe ich noch einiges dazu gelernt.

    Vielen Dank, dass du die Fragen so ausführlich und gewohnt unterhaltsam beantwortet hast! 🙂

    1. Ich finde ja, der Song wird auch mit dem Video nervig … Aber das Video ist schon lustig. Ist wie der berühmte Unfall, bei dem man nicht wegsehen kann 😉

  3. Pop Kultur made in China! Köstlich! :-))) Wenn ich das jetzt nicht mehr aus dem Kopf bekomme … Ich überlege schon mal, wen ich damit nerven kann. Macht man sich bestimmt sehr beliebt. :-))) Da ich auch bei google+ bin, werde ich es dort auch mal versuchen.
    Schade, dass sich der Trailer nicht starten ließ. Wegen der bekannten Probleme mit der GEMA. Was ich nicht recht verstehe. Läuft denn die Serie auch hier oder warum hat die GEMA da ihre Finger drin?
    Na egal, war jedenfalls wieder sehr interessant. Herzliche Grüße, Eberhard

    1. @eleucht : Vermutlich willigt die GEMA da nicht ein, weil sie nix dran verdient !?!
      Ich konnte den Trailer leider auch nicht sehen … 😐

      @shaoshi : Ist einmal Hongkong schon genug ?!? 😉 😀

      1. Das mit dem Trailer ist echt doof. Mal schauen, vielleicht finde ich einen Ersatz …

        Einmal HK ist nicht genug, schon gar nicht, wenn man nur drei Tage da war. Ich will auch unbedingt noch mal (länger) hin. Aber der große Traum ist es jetzt irgendwie trotzdem nicht mehr …

    2. Das verstehe ich auch nicht und hab auch ehrlich gesagt gar nicht an so eine Möglichkeit gedacht. Der Trailer war mit einem chinesischen Popsong unterlegt und die Serie läuft garantiert nicht in Deutschland. Echt merkwürdig …

  4. Immer diese Musik *hüstel* Videos hier… ich muss um 4 Ihr austehen und liege jetzt im Bett und habe gackernde Hühner im Kopf, mit Hundemaken auf… menno!

    😉

    LG Thomas

  5. Stinktofu wird wohl etwas vom ersten sein, das ich esse, sobald ich wieder in China bin. 🙂

    Ich bin kein Experte für biologische Prozesse und weiss daher nicht so genau, wo der Unterschied liegt. Aber ich glaube, der Tofu ist nicht verfault, sondern vergärrt. Das sind ja unser Käse oder Wein (und das geile japanisch Natto) auch und niemand würde sich vor diesem Prozess ekeln.

    1. So unterschiedlich sind die Geschmäcker. Natto finde ich nämlich auch nicht so prickelnd, schmeckt wie Kleber 😉

      Vergären, kann schon sein, da kenne ich mich auch nicht so aus. Für mich sieht der Tofu manchmal jedenfalls wie verfault aus 😉

      Ach, wenn man zusieht, wie Käse gemacht wird, finden das schon viele eklig (ich erinnere mich da an Lehrfilmchen aus meiner Schulzeit …)

  6. Dickes like für das Wort des Tages: grottenschlecht!
    Das kenn ich nur aus meiner Kindheit in Pforzheim!! 😀 Na, wo hast Du das denn her?? Fun-word! Soul-word!
    Hoffentlich gibts davon nicht zuviel, lol, in der Stadt über dem Wasser! Was macht der Parc Yu zur Zeit? Ich fand ihn herrlich! Und das Barbarossa mit dem Lotusfeld!
    Ciao ciao Claus

    1. Grottenschlecht – Keine Ahnung, woher ich das habe. Als ich noch viele Rezensionen geschrieben habe, habe ich das oft verwendet 😀 Sag bloß, das ist kein standarddeutsches Wort!

      Im Yu-Garten war ich ja schon ewig nicht mehr, aber ich bin sicher, der steht noch 😉

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