Lijiang | Mit dem Pferd die alte Tee-Straße entlang – Lohnt sich das?

Alte Tee-Pferde-Straße, Yunnan zu Pferd

Mit Pferden eine alte Tee-Straße entlang reiten – das klingt romantisch. Doch lohnt sich das wirklich? Wir haben es in der Nähe von Lijiang ausprobiert.

Die alte Tee-Pferde-Straße in der Nähe von Lijiang gilt als Touristenattraktion in der Region. Zu Pferd auf den Spuren der Teebauern wandeln – das klingt ja auch ganz nett. Überall in der Lijianger Altstadt wird so ein Tagesausflug angepriesen, zu unterschiedlichen Preisen. Um nicht beschissen zu werden, melden wir uns lieber bei einem offiziellen Tourismusbüro an (150 RMB/Person).

Am nächsten Morgen werden wir und zwei, drei weitere Pärchen von einem Fahrer abgeholt.

茶马古道 (chámǎgǔdào) – Die alte Tee-Pferde-Straße

Im Vierer-Trupp zockeln die geduldigen Pferde dem jungen Typen mit Pailetten-Glitzerhut hinterher. Vom Reiterhof ganz in der Nähe vom Lashi-See überqueren wir eine Straße und folgen einem ausgetretenen Pfad einen Hügel hinauf. Der wirkt wie ein überwucherter Schuttberg, wenig ansehnlich also. Das soll wirklich die alte Tee-Pferde-Straße sein, die sich durch die Berge von Sichuan, Yunnan und Guizhou zieht, durch Tibet und bis nach Indien führt?

Früher wurde auf der Handelsroute, die man manchmal auch südliche Seidenstraße nennt, Tee mit Hilfe von kleinen, aber kräftigen Pferden transportiert. Die drehen heute nur noch für Touristen ihre kleine Runde um den Hügel. Enttäuschend.

»Es geht ja um die Pferde«, tröste ich mich. Außerdem ist es lustig, Herrn M. so auf Tuchfühlung mit einem Tier zu sehen. Ich konzentriere mich auf das Pferd unter mir, das Haare ohne Ende verliert. Bald hängt mehr Fell in meiner Kleidung als wenn ich fünf Minuten mit Pao-Pao kuschle. Da wird mein Kater aber eifersüchtig sein, wenn er die fremden Haare an meiner Kleidung findet.

Wir reiten durch wenig sehenswerte Natur; viel Unkraut, Gebüsch, Kiefern. Außer den beiden Reitern und dem Führer vor uns hören und sehen wir keine anderen Menschen, keine Autos. Ein riesiges Eichhörnchen balanciert auf einer Stromleitung vorbei, mein Pferd erschrickt bei jeder bunten Plastiktüte, die im Gebüsch liegt. Ich stelle mir vor, Tee in ein entferntes Dorf zu transportieren, damals, als ein Ritt entlang der Route noch ein echtes Abenteuer war. Aber es fällt schwer. Zu beliebig, zu gewollt und nicht gekonnt wirkt der Ausritt. In Deutschland würden hier wohl nur Kinder ihre Freude haben – in China sind alle Teilnehmer über zwanzig.

Auf einer Lichtung machen wir eine kurze Pause. Für die Pferde gibt es Futter (3 RMB pro Schale). Die Aussicht von hier oben ist bescheiden – unspektakuläres Hinterland, ein paar hässliche Gebäude in der Landschaft und dahinter der Lashi-See. Dann streifen wir auch schon wieder unsere aufgezwängten Reiterhandschuhe (5 RMB das Paar) über und schwingen uns auf die Pferde. Der Rückweg führt auf der anderen Seite des Hügels entlang. Alte Tee-Pferde-Straße, ja klar!

拉市海 (lāshìhǎi) – Der Lashi-See

»Kannst du denn paddeln?«, fragte der alte Mann vom Bootsverleih. Wir stehen in Schwimmwesten vor ihm; um unsere Hälse baumeln Touristenpässe, die besagen, dass wir ein Kanu ausgehändigt bekommen. Dabei komme ich mir vor wie ein Volldepp. Ich bejahe seine Frage. Immerhin habe ich meine halbe Kindheit auf dem Wasser verbracht. Der Mann fragt noch zweimal nach, dann drückt er uns endlich die Paddel in die Hand. »Dann ist ja gut, Ausländer können das normalerweise eh immer viel besser als Chinesen.«

Er führt uns einen Steg entlang, der auf einer Sandbank endet. Hier liegen die bunten Plastikkanus. Wir sind die einzigen in unserer Gruppe, die ein Kanu bestellt haben. Die anderen lassen sich lieber auf einem elektrischen Floß das Ufer hoch- und runterschippern. Das ist uns zu lasch, wir wollen Abenteuer.

Das werden wir am Lashi-See aber nicht bekommen. Denn die Stelle am Ufer, an die wir in einem klapprigen Van gekarrt wurden, ist absolut unspektakulär. Der Lashi-See ist berühmt dafür, dass hier Zugvögel überwintern. Allerdings ist es schon zu spät, die sind längst wieder auf dem Weg nach Hause. Geblieben sind ein Haufen Enten und willkürlich am Ufer verstreute tote Vögel.

Lashi-See
Die faszinierenden Sandbänke vom Lashi-See

Wir können paddeln? Von wegen. Der Wind und die Wellen sind ganz schön stark. Ständig werden wir zurück ans Ufer oder in die kahlen Äste unter Wasser stehender Büsche getrieben. Außerdem laufen wir ständig auf Sandbänke auf. Schuld sind natürlich die billigen Paddel. Die sind viel zu kurz und haben keinen Tropfschutz. Nach zehn Minuten sind wir klatschnass. Um meine Kamera, die mit im Boot liegt, habe ich auch Angst.

Wir manövrieren unser Kanu zurück ans Ufer und warten auf die anderen. Dabei fällt uns auf: der Himmel in Lijiang kann Wolken. Richtige Wattewolken. Wolken, wie man sie auch aus Deutschland kennt. Wie Zuckerwatte kleben sie am strahlend blauen Himmel. In Shanghai bekommt man so ein Schauspiel ja nur äußerst selten zu sehen. Da hängt ja meistens eine grau-weiße Suppe davor oder er hat eine von vielen einfarbigen Schattierungen.

Lashi-See
Am Lashi-See gibt’s Enten – und Wolken!

Fazit

Was wir insgeheim schon geahnt haben, ist nun Gewissheit: So ein Ausflug zu Pferd ist »Leute verarscht« (放马屁; fàng mǎ pì; freilassen + Pferd + Furz). Das Reiten an sich wäre ja in Ordnung, doch die Landschaft ist absolut unspektakulär. Rückblickend wirkt die ganze Aktion auch eher lächerlich. Dass mit dem Ausritt noch viel unnötiges Programm kommt (Yunnan-Feuertopf als gemeinschaftliches Mittagessen, Tee-Zeremonie mit überteuertem Tee, Bootsfahrt auf dem Lashi-See), ist ebenfalls nervig.

Insgesamt verliert man mit dem Ausflug inklusive Anfahrt rund 4-5 Stunden, Zeit, die man auch sinnvoller hätte verbringen können. Wir sind uns sicher: So ein Ausritt auf der alten Tee-Pferde-Straße lohnt sich nicht. Schade um die Zeit und das Geld.

Ob unser Tag mit dem Fahrrad besser wird? Dranbleiben!

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17 Gedanken zu “Lijiang | Mit dem Pferd die alte Tee-Straße entlang – Lohnt sich das?

    1. Lascher See – das ist auch gut! Ich dachte immer an 拉屎 (lāshǐ, scheißen). Hätte zwar auch einigermaßen zur Gemütslage gepasst, aber ist dann doch ein bisschen zu derb, so schlimm ist der See ja auch wieder nicht 😉

    1. Auf das Kanu hätte ich auch verzichten können, aber das gehörte leider ins Programm. Man hatte auch keine Wahl. Der Reiterhof ist ja mitten in der Pampa, da kommt man dann allein auch nicht mehr zurück in die Stadt …

  1. Das klingt ja wirklich nicht berauschend. Einige der Pferde sehen auch reichlich zierlich aus für die erwachsenen Reiter… Schade 😦 . Aber jetzt braucht ihr euch wenigstens nicht ärgern, dass ich es nicht ausprobiert habt 😉

    1. Ja, hinterher ist man immer schlauer 😉

      Einen 100-Kilo-Mann kann ich mir auf den Pferden auch schlecht vorstellen. Mir haben die Pferde schon ein bisschen leid getan. Man durfte sie auch nicht begrüßen oder so, sondern musste sofort aufsteigen. Mein Pferd hat am Anfang immer so irritiert hinter geschaut, um zu sehen, was da für ein fremder Mensch sitzt. Alles in allem nicht soo toll …

  2. Immerhin, ihr habt es versucht.
    Nun seid ihr schlauer.
    Dein Pferd sah ja ganz gut aus.
    Aber dass die Paddel nicht in Ordnung waren, ist echt der Hammer.
    Also fahr ihr lieber mit dem Rad los, lach.
    Liebe Grüße aus Deutschland
    Bärbel

    1. Ich habe da jetzt keine High-Tech-Ausrüstung erwartet, aber so macht es halt keinen Spaß. Im Hochsommer geht es ja noch, aber im Frühling wer weiß wie lange in klatschnasser Kleidung rumlaufen zu müssen, ist nicht so prickelnd …

  3. Nachdem „Wolf Totem“ (siehe letzter Beitrag ..) ja im Kino kam, gibt es vielleicht jetzt auch eine ähnliche Abenteuer-Tour zu Pferde in den nördlichen/mongolischen Provinzen: „Reiten auf den Spuren von Chen Zhan“ !?! 😉

      1. Hmmm … ich denke, wenn Du das Buch gelesen hast, glaubst Du da nicht mehr wirklich dran … vermutlich war das ja auch eher ironisch gemeint !? 😉

  4. Oh je, Dein Pferdchen sieht auch nicht wirklich glücklich aus! Ich finde solche Veranstaltungen sowieso ziemlich ätzend. Jeder der nicht reiten kann, darf auf so einem armen Ding rumhoppeln. Unser Bachus war einige Zeit seines bewegten Lebens ein Schulpferd. Das merkt man ihm heute noch an. Wenn man neben ihm steht und ein Kind hoch nimmt, wird er sofort steif und bekommt einen ganz genervten Gesichtsausdruck. Er zeigt deutlich, dass er nie wieder so einen kleinen Zwerg auf seinem Rücken haben möchte.
    LG Susanne

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