Zhaofeng Plaza – Japanisches Essen im Shanghaier Untergrund

Zhaofeng Plaza, Shanghai

Seit mehr als einem Jahr steigen wir für billiges und schnelles (japanisches) Essen regelmäßig mit einer Horde Japaner in den Changninger Untergrund. Shanghai ist nämlich auch von unten interessant – und lecker.

Zhaofeng Plaza (兆丰广场)

Das Zhaofeng Plaza mit seinen 42 Etagen wurde 2002 aus dem Boden gestampft. Oben beherbergt es hauptsächlich Büros, Karaoke und ein Fitnessstudio, unten tut es mit einem Suning (Elektromarkt), einem Uniqlo und dem obligatorischen Starbucks so, als wäre es ein Konsumtempel.

Ich finde das Zhaofeng Plaza reichlich merkwürdig. Ein richtiges Einkaufszentrum ist es nämlich nicht, aber das macht nichts. Schließlich liegt gleich daneben und schräg dahinter je ein Kaufhaus (beide 巴黎春天), direkt gegenüber die mehrgeschossige Einkaufspassage Metro Town (玫瑰坊) und schräg gegenüber die Cloud Nine-Shopping Mall (龙之梦购物中心). Im U-Bahn-Untergrund schließt sich außerdem ein Labyrinth an kleinen Geschäften an (小马路).

Interessant ist das Zhaofeng Plaza hauptsächlich im Untergrund, denn dort gibt es eine kleine Fressmeile, die sich auf japanische Restaurants und Imbisse spezialisiert hat.

Essen im Untergrund

Der Untergrund ist im Grunde eine schöne, saubere Kantine für die Büroangestellten der Umgebung. Nur ein paar Restaurants sind in ihre eigene Bereiche abgetrennt. Man gibt am Stand seiner Wahl die Bestellung auf und setzt sich mit einer roten Scheibe an den Tisch. Die blinkt und vibriert, sobald man sich das Essen holen kann.

Zhaofeng Plaza, Shanghai, rote Scheibe
Boah, bin ich da beim ersten Mal erschrocken!

An den meisten Ständen kann man nur per Karte bezahlen, die man sich zuerst holen und mit Geld befüllen muss. Nach dem Zahlen gibt man die Karte zurück und bekommt das Restgeld raus. Das ist ziemlich sinnlos, sichert aber zwei bis drei Arbeitsplätze an der Kartenausgabe.

Das Essen

Wo viele japanische Restaurants sind, essen auch viele Japaner. Woran ich das merke? Erstens erkenne ich Japaner daran, dass sie Japanisch sprechen und ihre schicken Anzüge meist einen Tick besser sitzen als die der chinesischen Kollegen. Zweitens zeigt mir WeChat dort unten immer besonders viele Japaner in meiner unmittelbaren Nähe an.

So schlecht kann das japanische Essen hier also nicht sein – und ist zum Glück mehr als nur Sushi. Kein Wunder, dass wir inzwischen sehr oft Japanisch essen. Der Untergrund liegt nämlich nur knappe zehn Minuten von unserer Wohnung entfernt.

Zhongshan-Park-Kantine (中山公园食堂 (まいどおおきに食堂))

Unser japanischer Liebling ist diese extra abgetrennte Kantine. Hier lädt man sich alle fertig angerichteten Speisen (je 8-30 RMB), auf die man Lust hat, aufs Tablett (die Bedienungen wärmen auch gerne noch mal auf). Am Ende wird ohne die blöde Karte bezahlt.

Eine Schale Reis liegt bei sagenhaft überteuerten 8 RMB, egal ob man eine kleine oder große Portion will. Weil eine große Portion für zwei Personen reicht, kaufen wir immer nur eine und lassen uns eine leere Schale mitgeben, um uns den Reis zu teilen.

Das Ambiente ist nett, viel helles Holz. In einer Nische kann man sogar ganz japanisch auf Kissen am Boden sitzen und von einem niedrigen Tisch essen. Kostenlose Getränke stehen auch bereit – leckerer heißer Gerstentee oder mit Eiswürfeln. Den kalten Tee empfehle ich nicht – in dem Eis ist Dreck, ziemlich eklig.

Wir bestellen meisten einen gegrillten Fisch, frittierte Aubergine, Hähnchen in leckerer Soße und Lotuswurzeln in einer klebrigen Erdnuss-Sesam-Soße.

Hier habe ich auch zum ersten Mal Natto probiert. Nachdem Claudia auf ihrem Blog mehrmals erwähnt hat, wie sehr sie den Snack verabscheut, musste ich ihn natürlich probieren. Und: ich finde die fermentierten Sojabohnen trotz des Nachgeschmacks, der an Kleber erinnert, zwar nicht so schlimm wie Claudia, aber ich kann auch gut darauf verzichten.

Zu zweit geben wir hier meistens um die 70 RMB aus – relativ viel also, aber wir greifen hier bei allem zu, auf was wir Lust haben. Für ein schnelles Mittagessen, bei dem man nur eine Nudelsuppe und eine Beilage mitnimmt, wird man für rund 20 RMB pro Person aber auch schon satt.


Ein Tablett voll japanischer Leckerlis – bis auf Natto (hinten in der Mitte)

Matsuno Ka (松乃家)

In dieser japanischen Schnellrestaurant-Kette gibt es wenige vollständige Gerichte, z.B. Sukiyaki (ein simpler japanischer Hot-Pot) oder Reis mit Rindfleisch und Zwiebeln. Für die Preise ist alles sehr lecker, aber irgendwann haben wir uns an der wenigen Auswahl überfressen.

Empfehlen kann ich den Salat mit Sesamdressing und Seidentofu sowie die Fischgerichte. Herr M. mag Sukiyaki, aber für ein reguläres Abendessen dauert mir das Essen zu lange. Cola schmeckt hier übrigens sehr merkwürdig.

Gen (源)

In diesem Restaurant ist das Ambiente am schönsten. Sitzgruppen sind durch Bambuswände abgetrennt und das Essen wird von Kellnerinnen in japanischer Kleidung in richtigem und schönem Geschirr serviert (fast kein Plastik). Dafür sind hier die Preise etwas höher.

Auch hier gibt es Sukiyaki (um einiges teurer aber nicht besser als im Matsuno Ka). Neben dem Topf werden alle Zutaten einzeln geliefert und dann von der Kellnerin komplett in den Topf gestopft – ziemlich sinnfrei. Neben Sushi gibt es auch ein paar komplette Menüs auf Tablett, die nicht ganz so teuer sind (zwischen 4 und 5 Euro). Ansonsten kann ich ein Schälchen Edamame empfehlen.

Japanisches Essen in Shanghai
Leckeres Menü – In der schwarzen Schale ist Misosuppe, in dem schönen Behälter vorne links Eierpudding mit Pilzen

Sukiyaki, Zhaofeng Plaza, Shanghai
Das ist doch Sukiyaki, oder?

Im Untergrund gibt es natürlich nicht nur japanische Restaurants. Auch chinesische und koreanische Imbisse kommen nicht zu kurz (die zahlt man dann meist mit der Karte). Viele Gerichte stehen als Plastikmodelle bereit, so kommt man auch ohne Chinesischkenntnisse zurecht. Die Gerichte sind hauptsächlich einfache Reis- und Nudelgerichte.

Unser Highlight ist der »trockene Hot-Pot«:

Malaxiangguo (麻辣香锅)

Der Sichuan-Topf ist ein Hot Pot ohne Suppe (mehr dazu hier). Man stellt sich seine Zutaten zusammen, die nach Gewicht und Kategorie bezahlt werden, und bekommt am Ende einen leckeren Topf mit gewünschter Schärfe. Zu zweit zahlen wir hier immer zwischen 50 und 60 RMB, allerdings sind unsere Augen meistens größer als der Hunger. Malaxiangguo ist einfach zu lecker.

Malaxiangguo

Was es im Untergrund sonst noch gibt

Neben dem gelegentlichen laut singenden Mitarbeiter, Cafés und noch mehr Restaurants (z.B. Teppanyaki) gibt es unter anderem:

  • eine japanische Bäckerei, die ich mit ihren süßen Milchbrötchen-Backwaren genauso hasse wie die chinesischen Varianten

  • einen asiatischen Import-Supermarkt, in dem es aber nichts gibt, was man nicht auch woanders (Carrefour) findet

  • willkürliche Stände, die gefälschte Turnschuhe, Plastikschrott für den Haushalt, Süßigkeiten und Hello-Kitty-Zeug verkaufen

  • einen Saftladen, in dem man sich leckere Säfte mischen lassen kann

  • einen Eisstand, der fünf künstlich schmeckende Softeis-Sorten im Angebot hat

  • Imbissstände, die Dumplings verkaufen

  • einen One-Piece-Imbissstand für Milchtee und Süßes

  • und:

Stand für reduzierte Importartikel

Der Stand ist nicht besonders groß, lädt aber zum Stöbern ein. Denn das ständig wechselnde Sortiment setzt sich aus Produkten aus der ganzen Welt zusammen, egal ob Süßes, Chips, Nudeln, Soßen oder Getränke. Ich vermute, dass es sich hier um Artikel handelt, die in Import-Supermärkten aussortiert wurden, weil sie in Kürze ablaufen. Dafür werden sie an dem Stand dann besonders günstig verschachert.

Da kann man manchmal echte Schnäppchen machen, z.B. drei Packungen Russisch Brot für 10 RMB. Die sind dann zwar nicht mehr frisch und nur noch zwei Wochen haltbar. Aber wenn man die nur einmal im Jahr bekommt, ist man für alles dankbar (und zwei Wochen halten sich drei Päckchen sowieso nicht, die sind innerhalb von zwei Tagen leer).

Zhaofeng Plaza, Shanghai, Importwaren
Importierte Glücklichmacher – Russisch Brot, Guyabano-Saft und koreanischer Bambustee

Fazit

Extra von weit weg anfahren würde ich nicht. Jedes anständige Shanghaier Einkaufszentrum hat im Untergrund eine Fressmeile, die größer, vielseitiger und ausgefallener ist als im Zhaofeng Plaza.

Wenn man aber gerade in der Nähe ist, weil man z.B. gerade in der Cloud Nine Shopping Mall shoppen war oder einen Nachmittag im Zhongshan-Park verbracht hat, und vor allem Lust auf schnelles und leichtes japanisches Essen hat, kann man den Tag hier beenden. Vor allem aber sind die Portionen für ein billiges Mittagessen ideal.

Adresse
兆丰广场 (Zhaofeng Plaza), B1F (Untergeschoss)
长宁路1027号, 1027 Changning Lu
(direkt an der U-Bahn-Station Zhongshan Park (Ausgänge 6 und 7))

Welches Restaurant würdet ihr ausprobieren?

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6 Gedanken zu “Zhaofeng Plaza – Japanisches Essen im Shanghaier Untergrund

  1. Werden die japanischen Gerichte von Japanern oder Chinesen zubereitet?
    In Deutschland werden, zumindest hier in Norddeutschland, 50 Prozent und mehr aller Sushiläden von Vietnamesen betrieben. Und leider spricht das nicht für die Qualität des Essens. Ich würde es lieber sehen, dass Vietnamesen nicht auf den „Modezug Sushi“ aufspringen, sondern sich auf ihre Küche besinnen, denn die ist bekanntlich nicht die schlechteste.
    Ansonsten mag ich sowohl japanische, chinesische als auch die koreanische Küche und bin experimentierfreudig.

    Ach ja, Natto ist für mich genauso gewöhnungsbedürftig wie Lakritz und Blauschimmel für Chinesen.
    Was die japanische Bäckerei betrifft, würde ich einmal nach Anpan und Melonenbrötchen erkundigen.
    Vielleicht wären sie etwas für Dich.

    Liebe Grüße
    Midori

    1. Immerhin kommen sie aus der Richtung! In Japan wird beinahe jedes westliche Restaurant von Japanern geführt. Als ich das erste Mal hier war, habe ich in einem deutschen Restaurant gearbeitet – das einzig deutsche waren die Kellner, Leitung und Küche waren fest in japanischer Hand. Vielleicht lässt sich mit Sushi auch einfach mehr Geld machen – Reis, Sushiessig und Nori sind nicht unbedingt teuer. 🙂

      1. In China werden die meisten westlichen Restaurants auch von Chinesen geführt, sind dafür aber einigermaßen billig und dementsprechend … Die Läden von Westlern, die es hier in Shanghai gibt, können wir uns meistens gar nicht leisten …

    2. In München hatten die Vietnamesen die chinesischen Restaurants recht fest in der Hand. Die hatten dann auch sehr wenig mit China zu tun 😉 Verstehe ich auch nicht, die vietnamesische Küche ist wirklich sehr lecker …

      Im Gen arbeiten auch Japaner. Ich nehme mal an, dass dann auch welche in der Küche sind. In der Zhongshan-Kantine kochen Chinesen, beim dritten weiß ich es nicht. Aber weil hier so viele Japaner essen, nehme ich an, dass es nicht so falsch sein kann. Gewissheit gäbe natürlich nur eine Reise nach Japan 😀

      Anpan (schnell gegoogelt) habe ich hier tatsächlich schon gegessen. Melonenbrötchen habe ich hier schon gesehen, aber noch nicht gekauft, weil ich Schlimmes vermutete (wusste aber auch nicht, dass es da um Melonen geht). Denen gebe ich noch eine Chance.

      Generell mag ich das asiatische Gebäck nicht so. Entweder ist der Teig so luftig milchbrötchenmäßig, dass man sich das Essen gleich sparen kann, oder er ist so verdichtet, schwer oder sogar mit Schweinefett gebacken, dass mir das auch nicht schmeckt. Oder er ist zu trocken oder zu mürbe oder zu süß …

      Das Anpan mochte ich auch nicht so, weil ich die Verbindung von Teig und schwerer Paste nicht so toll finde …

  2. Natto ist mein Todfeind!
    Dass sie das Sukiyaki nicht fertig rausbringen, haben sie sich wahrscheinlich in Japan abgeguckt. Es bringt aber natürlich wenig, einfach alles auf einmal reinzuschütten…

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