Nanxiang – Kleine Ruheoase vor den Toren Shanghais

Nanxiang, Shanghai, Guyi-Garten

Mal wieder keine Pläne für das Wochenende in Shanghai? Dann bietet sich ein Tagesausflug nach Nanxiang an. Das ist eine verschlafene Kleinstadt im Shanghaier Norden, die mit ruhigen Gassen und einem schönen Garten aufwarten kann.

Als wir in Nanxiang aus der U-Bahn steigen, finden wir uns in einem gesichtslosen Shanghaier Vorort wieder. An die oberirdische U-Bahn-Station schließt sich inzwischen eine kleine Mall an, drum herum ragen frisch fertig gestellte Plattenbauten in den Himmel. Das wirkt so willkürlich geplant wie trostlos. Die vielen Makler, die überall herumstehen, wissen das wohl auch. Denn sie strecken den Passanten nicht gerade mit Elan ihre Prospekte entgegen.

Schnell weiter!

Ein paar Stationen mit dem Bus, einige Minuten mit dem Taxi oder rund 20 Minuten zu Fuß und schon befinden wir uns in der kleinen, aber feinen Innenstadt von Nanxiang.

Nanxiang mit seinen rund 50.000 Einwohnern ist hauptsächlich für die Spezialität Xiaolongbao (eine Art Baozi, also gefüllte Teigtaschen) berühmt, für die viele Leute extra hierher pilgern. Xiaolongbao sind zwar lecker, aber die kann ich auch in Shanghai essen. Geschmacklich ist der Unterschied bestimmt nicht so groß. Und so fahren wir eher wegen den ruhigen Gassen der Altstadt und dem schönen Guyi-Garten immer wieder mal nach Nanxiang.

Xiaolongbao
Xiaolongbao zum Frühstück (Symbolbild)

老街 (lǎo jiē) – Nanxiangs historische Straßen

Eigentlich ist die Altstadt von Nanxiang nicht sonderlich spektakulär, vor allem nicht, wenn man schon einige Wasserdörfer wie z.B. Tongli, Zhouzhuang oder Wuzhen gesehen hat. Und trotzdem zieht es uns immer wieder in die Kleinstadt im Shanghaier Norden. Es ist nämlich herrlich entspannend, durch die ruhigen Gassen zu schlendern, die von weißen Häuschen mit ihren schwarzen Dächern gebildet werden.

Zwar haben sich viele Geschäfte in den Häuschen auf Touristen spezialisiert, aber das Angebot wirkt weit weniger penetrant als in den berühmten Wasserdörfern und die Boutiquen scheinen sich eher an Einheimische zu richten. Von denen wohnen auch noch welche in der Altstadt. Zumindest schaukelt vor vielen Fenstern zum Trocknen aufgehängte Wäsche im Wind. Das i-Tüpfelchen: An normalen Wochenenden sind wirklich kaum Touristen da, was Nanxiang so wunderbar verschlafen macht.

亲亲鱼 (qīn qīn yú) – Küssende Massagefische

Auf der Flucht vor einem Regenschauer flüchten wir in einen winzigen Laden. Für 30 RMB kann man sich hier eine halbe Stunde von Fischen anknabbern lassen. Rötliche Saugbarben heißen die offiziell, aber der inoffizielle chinesische Kosename 亲亲鱼 (qīn qīn yú – 2x Bussi + Fisch), der auch neben dem Eingang hängt, klingt doch gleich viel niedlicher.

Diese Massage-Art, bei der Fische abgestorbene Hautschuppen abfressen, stammt ursprünglich aus der Türkei, scheint aber auch in China immer beliebter zu werden. Klar, Beauty ist hier ganz groß.

Sobald man den Fuß ins Becken taucht, stürzen sich die Fische darauf. Das kitzelt zuerst so unangenehm, dass die ersten zehn Minuten bei jedem von lautem Kreischen und Lachen begleitet werden. »好痒!« (hǎo yǎng; das kitzelt!), schreien die Leute. Und: »我受不了!« (wǒ shòu bù liǎo; ich ertrage das nicht). Aber man gewöhnt sich schnell daran. Nach einer halben Stunde ist die Haut wirklich ganz weich. Und die Sonne scheint auch schon wieder.

Fußmassage mit Fischen, Nanxiang, China
Fressen und gefressen werden

Nanxiang – Die Kleinstadt

Zwischen Altstadt und Guyi-Garten entfaltet Nanxiang seine ganze Pracht an schäbiger chinesischer Kleinstadt: simple Wohnhäuser, kleine Garagenläden und Märkte für Plastikschrott, Fälschungen und Waffen. »So richtig chinesisch. Wie Nanjing in den 80ern«, meint Herr M. nostalgisch. Leider werden zumindest die Straßenmärkte jedes Jahr weniger. Die folgenden Bilder von 2012 waren dieses Jahr schon nicht mehr möglich …

古猗园 – Guyi-Garten

Nicht weit von der Altstadt entfernt liegt der Guyi-Garten, der während der Ming-Dynastie (1368-1644) errichtet wurde.

Der Eintrittspreis von gerade mal 10 Yuan (Stand: 2013) zeigt schon, dass sich nicht allzu viele Besucher hierher verirren und das, obwohl der Park zu den fünf wichtigsten klassischen Gärten in der Shanghaier Gegend zählt. Umso besser für uns! Ohne Gewühl ist so ein Garten ja auch viel angenehmer und wir können die Pavillons und die grün umwucherten Teiche richtig genießen.

Das meiste Wasser ist im Sommer von Lotus überwuchert. Leider haben wir es bei all unseren Besuchen noch nie geschafft, genau die Tage des Lotusblumen-Festivals abzupassen, an denen die Pflanzen in voller Blüte stehen. Vielleicht schaffen wir es ja im nächsten Jahr endlich …

Fazit

Für mich zählt Nanxiang zu einem der besten Orte in der unmittelbaren Umgebung von Shanghai. Deshalb fahren wir auch relativ oft da raus. Das Städtchen ist einfach ideal für einen entspannten Wochenendausflug. Die kleine Altstadt ist nett (und kann mit einem Tempel und dem neu rekonstruierten Tan-Garten aufwarten, die wir beide noch nicht besucht haben). Der schöne Guyi-Garten ist nicht weit entfernt und ebenfalls sehenswert. Und das Beste: Man kommt da spielend einfach mit der U-Bahn hin.

Habt ihr schon mal eine Fisch-Massage gemacht?

Anfahrt

Mit Metro-Linie 11 bis »Nanxiang«. Dann zu Fuß (immer geradeaus, die Minzhu Dong Lu entlang) oder mit Bus Nr. 1 weiter.

Die Bilder sind 2012, 2013 und 2015 entstanden.

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14 Gedanken zu “Nanxiang – Kleine Ruheoase vor den Toren Shanghais

  1. Wieder mal ein toller Beitrag, der uns einen Einblick in das unbekannte China gewährt. Die schmalen Gassen wirkten schon fast europäisch. Ps: Übrigens, die Fische hätte ich auch mal ran gelassen. Ist bestimmt lustig! 😉

    1. Hihi, auf europäisch wäre ich jetzt nicht gekommen, aber du hast Recht: dieses Fachwerkartige hat was europäisches.

      Und richtig, das mit den Fischen ist lustig. Vor allem beim ersten Mal. Man weiß zwar, dass es kitzeln wird, aber es kostet schon Überwindung, das erste Mal den Fuß ins Wasser zu tauchen 😀

  2. Macht einen schönen, etwas verträumten Eindruck. Ich glaube gern, dass man dort gern mal hinfährt, wenn man etwas Ruhe und Entspannung sucht. Ist natürlich immer ein großer Kontrast zu den großen Megastädten. Aber das macht sicher auch den Reiz aus.
    Wenn mir irgendwas oder irgendwer an den Füßen rumknabbert, würde ich abgehen wie eine Rakete. :-))) Da würde schon die kleinste Berührung genügen.
    Herzliche Grüße aus dem noch immer heißen Deutschland, Eberhard

    1. Stimmt, der Kontrast ist groß. Und genau deshalb fahren wir da raus. Großstadt hat man in Shanghai ja genug 😉

      Bei den Fischen wärst du nicht der einzige. Da haben wir auch alle erst mal erstklassigen Slapstick hingelegt 😀

  3. Das ist mal wieder ein sehr spannender „Reisebericht“ in eine für mich exotische Welt – danke dafür! Das mit der „Fischknabberei“ sollte vielleicht auch hier in Flußpflegesalon Einzug halten … Die Altstadtkanäle sind traumhaft schön! LG Steineflora

    1. Bei meiner Recherche nach dem Namen der Fische habe ich irgendwo gelesen, dass es in manchen „alternativen Beautysalons“ auch in Deutschland diese Fische gibt, allerdings für gut den zehnfachen Preis (30 Euro für ne halbe Stunde oder so) …

  4. Das sind wunderbare Eindrücke und wirklich schöne Fotos! Die Altstadt gefällt mir richtig gut. Das sieht gemütlich dort aus. Kann ich gut nachvollziehen, dass Ihr da öfter mal raus fahrt 🙂

    Liebe Grüße
    Sarah

  5. Pingback: Nanxiang

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