Yangzhou | Centre & Residence Hotel – Wohnen wie in der Qing-Dynastie

Centre & Residence Hotel, Yangzhou, China

Bei unserem Besuch in Yangzhou übernachten wir bei General Li Changle. Der ist zwar schon lange tot, aber seine Residenz steht noch in der Altstadt. Heute sind die Gemäuer, Gärten und Gassen ein schickes Hotel (Centre & Residence Hotel), in dem man wohnen kann wie in der Qing-Dynastie.

Ich glaube, ich bin endgültig zu lange in China! Jetzt fahre ich schon wegen einem Hotel in eine andere Stadt!

Letztes Jahr musste Herr M. geschäftlich nach Yangzhou und wurde im Centre & Residence Hotel untergebracht – und schwärmte hinterher so davon, dass wir unbedingt einmal gemeinsam in dem Hotel in der alten Salzhändlerstadt schlafen wollten. Inzwischen haben wir es ja endlich geschafft und, ja, Yangzhou ist toll! Und das Hotel auch!

Centre & Residence Hotel

Warum uns das Hotel so gefällt? Es befindet sich in dem Anwesen des Generals Li Changle (1837-1889), das heute genauso denkmalgeschützt ist wie der Rest der Yangzhouer Altstadt. Passend dazu ist das Hotel eingerichtet wie damals. Zeitreise in die Qing-Dynastie.

Schon die hohe, dunkle Lobby ist toll. Klassische chinesische Musik rieselt aus versteckten Boxen, hinter der Rezeption eine Regalwand, in der traditionell gebundene Klassiker wie das Tao Te Ching stehen. Aus Ehrfurcht flüstert hier jeder, selbst der junge Typ an der Rezeption spricht ganz ruhig.

Sein Kollege führt uns in unsere Zimmer. Dafür müssen wir erst einmal über das 2000 m² große Gelände, das ein Labyrinth aus traditionellen einstöckigen Steinhäusern, Gärten, Terrassen, Pavillons, Teichen und Gassen ist. Es ist ganz ruhig, wie eine kleine Stadt in der großen, nur ohne Menschenmassen. Denn hier sind nur die Bewohner des Hotels unterwegs. Unser Zimmer liegt ganz hinten in der Ecke, dort wo der General gewohnt hat.

Das Hotelzimmer

Als wir durch die Tür treten, die von der engen Gasse abgeht, stehen wir in einem kleinen traditionellen Innenhof. Der wird aus zwei Hotelzimmern gebildet, eines für Herrn M. und mich, eines für die Schwiegereltern. Durch große Holztüren gelangen wir in unser Wohnzimmer, einen hohen Raum aus dunklem Holz und Steinboden. Die Möbel sind traditionell arrangiert, an der Wand ein Rollbild, chinesisches Porzellan.

Links geht es ins Schlafzimmer – ein Traum aus dunklem Holz, einem gemütlichen Bett und schönen Möbeln, die ich am liebsten mitnehmen würde. Es gibt sogar eine Zentralheizung (man befindet sich schließlich nördlich des Yangtze). Alles ist blitzblank sauber und mit Liebe drapiert. Nur das Licht funktioniert nicht, aber das haben Handwerker schnell behoben.

Auf der anderen Seite des Wohnzimmers liegt noch ein Raum. Hier gibt es eine gemütliche Leseecke, einen Schreibtisch und einen kleinen Kühlschrank. Außerdem schließt sich ein Bad an, das zwar sehr modern ist, aber trotzdem gut ins Gesamtbild passt. Und das alles für 500 RMB pro Nacht!

Fehlt nur noch die Küche, dann könnte man hier gut für immer bleiben. Auch der Hof, der unserer Familie ganz allein gehört, gefällt mir. Man könnte ihn ganz toll herrichten, mit einem schönen Holztisch und vielen Blumen.

Auch meine Schwiegermutter ist begeistert. Nach einer Fotosession im Wohnzimmer läuft sie aufgeregt durch den Hof. »Hier sollte man wohnen. Das könnte man sich so schön machen. Wir könnten in den Hof einen großen Tisch und hier ganz viele Blumen und Gemüse …«

Manche Dinge sind einfach kulturübergreifend …

Zu schade, dass wir hier nur eine Nacht bleiben. So können wir die Größe der Suite gar nicht ausnutzen. Auch unser Vorhaben, abends im Hof zu sitzen und die Sterne zu zählen, fällt ins Wasser. Denn von unserem Tagesausflug durch die Stadt sind wir am Abend so müde, dass wir in unsere Betten plumpsen und uns bis zum Morgen nicht mehr rühren.

Das Frühstück

Vom Frühstück verspreche ich mir viel. Nach einem Irrweg durch die Gassen und über eine Treppe aus Naturstein finden wir endlich den Frühstücksraum. Der sieht überraschend lieblos aus: ein paar riesige Tische und ein Frühstücksbüffet, das mich schwer enttäuscht.

Die Auswahl ist klein, manches schmeckt ganz akzeptabel, aber insgesamt ist das Essen nicht spektakulär. Die Donuts sind vertrocknet, der Schokokuchen schmeckt künstlich und in den Baozi ist nicht die ausgeschriebene Füllung (sie schmecken aber trotzdem).

Herr M. probiert Kaffee (Instant-Pulver) und Brot mit Butter (eine seltsame Mischung aus Toastbrot und Hefezopf). »Messer haben wir nicht«, meint der Hotelangestellte. »Nimm einfach die Essstäbchen für die Butter.«

Unser Frühstück – Nein, die geringelten Dinger sind keine Maden, das ist Ziest. Mehr Infos und Rezepte dafür gibt’s bei den Reisefedern.

门槛高 (mén kǎn gāo) – Die Türschwelle ist hoch

Barrierefrei ist das Hotel übrigens nicht. Es gibt viele Stufen und an allen Türen traditionelle Schwellen. An der Höhe der Türschwellen konnte man früher Stand und Reichtum einer Familie erkennen. Die Türschwelle zum Hotel ist fast kniehoch – Li Changle muss also ein sehr hohes (und reiches) Tier gewesen sein.

Die Redewendung 门槛高 (mén kǎn gāo) wird heute noch verwendet, wenn man über Stand oder Reichtum von Familien spricht – auch wenn man das heute normalerweise nicht mehr an der Höhe der Türschwelle erkennt.

Türschwelle
Kniehohe Türschwelle vom Centre & Residence Hotel

Fazit

Ich würde auf jeden Fall wieder kommen – am besten gleich nächstes Wochenende. Für eine Nacht lohnt sich das Hotel allerdings kaum. Man braucht schon einen ganzen Tag, um das Hotel an sich in all seinen Facetten genießen zu können. Dafür ist das Gelände und Angebot einfach zu groß.

Wäre das Hotel was für euch?

Centre & Residence Hotel, Yangzhou, China
Hotelplan – Wir schliefen in den Gemächern von Li Changle (unten links)
Der Plan zeigt zwei Hotels (Centre & Residence Hotel und South Street Hotel), die aber zusammengehören. Das komplette Gelände ist für alle Hotelbewohner frei zugänglich.

Adresse

长乐客栈 | Yangzhou Centre & Residence Hotel
东关街309/357号 | 309/357 Dongguan Street, Yangzhou
Webseite: Centre & Residence Hotel / South Street Hotel

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13 Gedanken zu “Yangzhou | Centre & Residence Hotel – Wohnen wie in der Qing-Dynastie

  1. Ist wirklich ein großartiges Hotel, so etwas könnte mir auch gefallen. Vom Frühstück vielleicht mal abgesehen. Aber die Fotos vermitteln einen schönen Eindruck. Die Schwelle ist wahrscheinlich gewöhnungsbedürftig. Aber immerhin – hochgestellte Persönlichkeiten seid ihr gewesen. 🙂
    Herzliche Grüße, Eberhard

    1. Die Schwelle ist eigentlich nicht so schlimm. Nur wenn man mit Krücken geht usw., wird sie zum Hindernis. Man kann sie aber wohl auch rausnehmen, wie es aussieht …

  2. Das sieht ja fantastisch aus! 🙂 Schade, dass das Frühstück nicht ganz so toll war, aber da könnte man ja im Notfall irgendwo in der Umgebung essen gehen, oder?
    Wir übernachten total oft in super-westlichen Hotels, was irgendwie total schade ist.

    1. Ja, frühstücken könnte man auch draußen irgendwo, aber nachdem das Essen im Preis mit drin ist …

      Wir übernachten normalerweise auch in westlich inspirierten Hotels, aber über die schreibe ich natürlich nicht, weil zu langweilig 😉

  3. Ich war 2004 in Yangzhou. Leider nicht in diesem hübschen Hotel, sondern in einem TianBo Hotel ( 天波大酒店 ) ? vermutlich eher am Rande der Stadt …
    Kann mich nicht mehr sehr daran erinnern … wir waren mit dem Zug aus Wuhan gekommen, und sind in Yangzhou auch nur eine Nacht geblieben, um mit dem Bus weiter nach Hangzhou zu fahren. Irgendwie muss in Yangzhou noch ein Konzert gewesen sein …
    Hab nur noch das Tütchen Hotel-Shampoo mit dem Namen und einer Adresse in Yangzhou …
    Kann mich nur daran erinnern, dass in einer Mini-Gartenanlage beim Eingang eine imposante Felsplatte stand, von der Wasser herunterplätscherte …

      1. Wenn man sieben Städte in 14 Tagen abklappert, bleiben selten Erinnerungen, die man danach zweifelsfrei zuordnen kann …
        Habe ein altes Programm gefunden, laut welchem wir keine 24h in Yangzhou verbrachten. Ob wir in den vorgesehenen 4,5 Stunden für „lunch and sightseeing“ wirklich was gesehen haben, sei dahingestellt. Kann sein, dass die Zeit durch verzögerte Busfahrt etc. wieder aufgefressen wurde – wenn der Plan hier wirklich 1 zu 1 umgesetzt wurde. (Eher nicht, da die Verantwortlichen unseres Orchesters mit den Leuten der Konzert-/Reiseagentur jeden Morgen zusammen saßen, um die weitere Planung der Konzertreise erneut auszuhandeln …)
        Insgesamt hatte mir die Reise trotzdem so viel Spass gemacht, und so viel Interesse an dem Land geweckt, dass ich seither noch weitere 4 Male in China war 😀
        Das dann weinger um Sehenswürdigkeiten abzulichten, als viel mehr Bekannte zu besuchen. (Momentan ist der Kontakt nach China allerdings etwas gebremst – mangels QQ)

      2. Das klingt ganz schön anstrengend – und auch frustrierend. Da ist man schon mal in China und bekommt kam was zu sehen 😉

        Umso schöner, dass es bei dir trotzdem die Lust am Land geweckt hat!

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