Qixi – Was die Milchstraße mit dem chinesischen Valentinstag zu tun hat

Qixi-Festival, chinesischer Valentinstag

Warum feiern Chinesen Valentinstag im August? Warum regnet es an diesem Tag angeblich immer? Und was haben die Milchstraße und Elstern mit dem Fest der Liebenden zu tun? Hier gibt es die Antworten, denn heute (am 20. August 2015) feiern wir in China das 2000 Jahre alte Qixi-Fest.

天河 (tiānhé) – Himmel + Fluss = Milchstraße

Um die Milchstraße ranken sich viele Geschichten. Der Hörzu-Igel Mecki (kennt ihr die Bücher?) schwamm schon in den 50er Jahren darin. Und ein chinesischer Marshall dirigierte vor Jahrhunderten eine Flotte auf dem »Himmelsfluss«, wurde dann aber als Schwein auf die Erde verbannt, nachdem er auf einem himmelskaiserlichen Fest erst zu viel gesoffen und dann Mondgöttin Chang’e sexuell belästigt hatte (yup, das wäre dann Zhu Bajie aus meinem liebsten chinesischen Klassiker »Die Reise nach Westen«).

In China kennt man natürlich auch eine Geschichte, wie die Milchstraße entstanden ist. Und die ist direkt mit dem Qixi-Fest, dem chinesischen Fest der Liebenden, verbunden.

七夕节 (qīxī jié) – Sieben + Nacht + Fest = der chinesische Valentinstag

Das Qixi-Fest fällt jedes Jahr auf den 7. Tag des 7. Monats im Mondkalender (dieses Jahr ist das der 20. August). Deshalb ist der Tag auch als »Doppelsieben« bzw. »Nacht der Siebenen« bekannt. Das Fest gilt als chinesischer Valentinstag, weil es auf einer legendären Liebesgeschichte zwischen einem Hirtenjungen und einer Weberin basiert. Es existiert auch in anderen asiatischen Ländern, z.B. in Japan (dort heißt es Tanabata).

Wer meine Zusammenfassung der Legende nicht lesen will, kann sich die Geschichte in diesem Video erzählen lassen (allerdings auf Englisch):

Die Legende: Hirtenjunge (牛郎, niúláng) liebt Weberin (织女, zhīnǚ)

Als sich eine Fee in einen armen Hirtenjungen verliebte, entschied sie sich, bei ihm zu bleiben und fortan als Weberin in seinem Haus zu arbeiten. Dem himmlischen Kaiserpaar passte das aber nicht. Die Himmelskaiserin kam auf die Erde, um die Fee zurückzuholen. Der Hirtenjunge wollte das nicht zulassen und folgte ihnen auf einem magischen Ochsen. Weit kam er nicht. Mit einer Haarnadel zog die Himmelskaiserin nämlich einen unüberwindbaren Fluss (Milchstraße), der den Hirtenjungen (der Stern Altair) und die Weberin (der Stern Wega) für immer voneinander trennen sollte.

Die Elstern konnten das Drama nicht mit ansehen und bildeten spontan eine Vogelbrücke über den Fluss, so dass die beiden Liebenden noch einmal zusammen sein konnten. Da bekam die Himmelskaiserin Mitleid. Von nun an durften sich die beiden einmal im Jahr (eben immer am 7.7. nach dem Mondkalender) treffen. Und so sind die Fernbeziehungen entstanden.

Und warum regnet es an diesem Tag angeblich immer? Weil die Liebenden bei ihrem Wiedersehen natürlich so viele Freudentränen vergießen.

Hirtenjunge im Xixi Wetland Park
Hirtenjunge mit Ochse (Symbolbild aus dem Xixi Wetland Park)

Was macht man am Qixi-Festival?

Traditionell widmen sich die Mädchen und jungen Frauen der Handarbeit, um die Weberin aus der Legende zu ehren. Ledige Mädchen gehen auch in den Tempel, um für eine gute Zukunft und natürlich für einen guten Ehemann zu beten.

Heute haben diese Traditionen zumindest in Shanghai kaum noch Bedeutung. Der Tag ist so kommerziell wie der westliche Valentinstag. Die Verliebten gehen jetzt lieber romantisch essen. Das führt dann dazu, dass an diesem Tag vor den gefragten Restaurants die Schlangen besonders lang sind. Überall werden Schnittblumen verkauft, in Geschäften und Online-Shops gibt es Rabattaktionen und ein romantischer Film im Kino kommt auch immer gut.

Fun Fact: Letztes Jahr machte ein von Liebeskummer geplagter Millionär den Pärchen in Shanghai einen Strich durch die Rechnung: er kaufte einfach alle Tickets für Sitzplätze mit ungeraden Zahlen in den Kinos. So hatte kein Pärchen die Chance, am (westlichen) Valentinstag im Kino nebeneinander zu sitzen. Höhöhö …

Geschenke, Geschenke

Verliebte schenken sich heute so ziemlich das gleiche Zeug, das auch Westler verschenken würden. Das heißt z.B. Blumen und Pralinen für die Frauen, Krawatten etc. für die Männer.

Einige Dinge sind als Geschenke aber tabu. Das wäre zum einen ein Schirm. Auf Chinesisch heißt der 伞 (sǎn), was genauso klingt wie 散 (sàn, Schluss machen). Nicht gerade romantisch.

Auch Schuhe sind keine gute Idee. Damit symbolisiert man dem/der Liebsten nämlich, dass man ihm/ihr den Laufpass geben möchte.

Valentinsgrüße

Und hier noch ein paar typische Valentinsgrüße:

七夕快乐! (qīxì kuàilè)
Frohes Qixi-Fest!

执子之手, 与子偕老 (zhí zǐ zhī shǒu, yǔ zǐ xié lǎo)
Ich nehme deine Hand und werde mit dir alt.

Für Liebespaare, die am Valentinstag nicht zusammen sein können, gibt es dieses Zitat vom bekannten Dichter Su Shi (苏轼):

但愿人长久, 千里共婵娟 (dàn yuàn rén cháng jiǔ, qiān lǐ gòng chán juān)
Obwohl wir tausend Meilen entfernt sind, hoffe ich, dass wir zusammen sein und lange leben können.

Fazit

Im Mai 2015 wurde das Qixi-Fest auf die nationale Kulturerbe-Liste Chinas gesetzt, auch wenn es gerade in den Städten zunehmend an Bedeutung verliert. Mein Gefühl trügt mich also nicht. Mir kam es schon immer so vor, dass in Shanghai der westliche Valentinstag am 14. Februar populärer ist als die chinesische Version.

Wir sparen uns das Fest trotzdem und werden an diesem Abend garantiert kein gutes Restaurant aufsuchen. Ich hasse es, fürs Essen Schlange stehen zu müssen. Außerdem finde ich schon den westlichen Valentinstag ziemlich sinnfrei. Und ihr?

Edit: Und kaum wird es dunkel, regnet es tatsächlich. Ich bin gerade voll reingeraten …

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11 Gedanken zu “Qixi – Was die Milchstraße mit dem chinesischen Valentinstag zu tun hat

  1. Ich bin auch überhaupt kein Typ für sowas. Obwohl die Geschichte dahinter wirklich bezaubernd ist! Ich frage mich gerade, ob unser Valentinstag eine tiefere Bedeutung hat?! Muss ich nachher mal googeln. 😃

      1. Das ist ja lustig. Wahrscheinlich hat der Vogel damals eine größere Bedeutung gehabt als heute. Süß fand ich auch, die eigentlich Herkunft des Brauchs: mittels Losverfahren den/die auserwählte zu finden, die man dann am valentinstag beschenkt. Das wär doch mal was! 😃

  2. Die Geschichte zu dem Tag ist schön, aber was man daraus macht, ist letztlich das Gleich wie im Westen. Deswegen halte ich auch nicht viel von diesen Tagen. Für derartige Dinge braucht es keines speziellen Tages.
    Einen herzlichen Gruß nach China, Eberhard

    1. Genau, so sehe ich das auch!

      Die Geschichte scheint hier auch das populärste zu sein, die kann wirklich jeder Chinese in irgendeiner Variante erzählen. Eigentlich schön, dass der Ursprung des Fests so überdauert, obwohl das Fest an sich gar nicht mehr so wichtig ist (außer halt für die, die den Kommerz mitmachen).

  3. Da ich oft zu dieser Zeit in Shanghai bin, erlebe ich jedes Jahr mit, wie der chinesische Valentinstag hier gefeiert wird und ich muss dir zustimmen, langsam verliert er an Bedeutung.
    2012 konnte man kaum durch eine Shopping Mall gehen, ohne von irgendwelchen riesigen Plüschherzen umgerannt zu werden. Überall wurde Dekomaterial und anderes sinnloses Zeug verkauft. Letztes Jahr haben sie in der Firma sogar an jeden kleine Herzen verteilt, aber dieses Jahr hätte ich ihn ohne deinen Eintrag nicht einmal mitbekommen, dass wieder chinesischer Valentinstag ist. Nicht, dass ich sonderlich scharf auf diesen Tag bin…

    Ich sehe ihn ähnlich wie den Westlichen: sinnlos, aufgezwungen und kommerziell.

    Nun das große ABER: Die Geschichte rund um die chinesische Entstehung dieses Tages finde ich sehr schön. Als ich sie zum ersten Mal hörte, hatte ich denselben Gedanken „…und so sind Fernbeziehungen entstanden.“
    Was natürlich auch ein netter Zufall ist, ist dass mein Freund und ich meist an diesem Tag am weitesten voneinander entfernt sind. Er sitzt in Deutschland und hier in China. Vielleicht kommt eines Tages auch für uns eine Elster, die eine Brücke für uns bildet. Bis dahin begnügen wir uns mit dem Internet. 😉

    1. Vielleicht ist das Internet ja die moderne Variante der Elster? 😉

      Ja, dieses Jahr war echt wenig los. Außer ein paar Männern mit Blumensträußen und natürlich ein paar Blumenverkäufern habe ich auch nicht viel mitbekommen … Bestimmt ist der westliche Valentinstag cooler, weil er eben nicht aus China kommt 😉

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