HK | Tian Tan – Beim großen Buddha auf Lantau

Tian Tan Buddha, Po Lin Kloster, Hongkong

Weil meine Schwiegereltern in Hongkong zum Beten gehen wollen, machen wir uns in aller Früh auf in die Berge – zum Po-Lin-Kloster und seiner großen Buddha-Statue auf der Insel Lantau.

[Der folgende Text sollte sich eigentlich schon im März automatisch veröffentlichen (zur Erinnerung: wir waren Dezember 2014 zum ersten Mal in Hongkong, ähem). Hat wohl nicht geklappt. Höchste Zeit also, dass er jetzt endlich das Licht der Welt erblickt!]

Auf dem Weg zum Buddha

Die Seilbahn ruckelt den Hang hinauf. Hinter uns wird das Satellitenstädtchen Tung Chung kleiner und kleiner. Hongkongs Flughafen auf seinem aufgeschütteten Stück Land sitzt uns im Nacken; verbaute Küstenstriche, Frachter. Disneyland kann auch nicht weit sein. Eigentlich kaum zu glauben, dass ausgerechnet hier auf Lantau ein berühmtes Kloster und ein riesiger Buddha stehen sollen.

Doch fährt man erst ein paar Minuten mit der Seilbahn, gibt es nur noch Natur zu sehen – und glitzerndes blaues Meer. Ein paar Dörfer schmiegen sich unter uns ins Grün, die Häuschen wie zufällig verstreute Klötze.

Seilbahn zum Buddha, Tian Tan Buddha, Po Lin Kloster, Hongkong
Seilbahn zum Buddha

»Dafo, dafo!«, ruft plötzlich das Kind, das mit uns in der Gondel fährt. »Der große Buddha!« Tatsächlich zeichnet sich der riesige Buddha im morgendlichen Dunst ab. Stoisch hebt er seine Hand zum Gruß, da hinten auf seinem Hügel. Wir beobachten ihn beim Wachsen.

Das Idyll, das wir auf dem Berg erwartet haben, will sich zunächst nicht einstellen. Ein Souvenirshop reiht sich an den nächsten. Erstaunlich viele ausländische Touristen tragen Taschen oder Hüte mit kommunistischen Symbolen. Wir posen neben riesigen Donuts oder stecken unsere Köpfe durch die Löcher lebensgroßer Aufsteller chinesischer Schauspieler. Die Rentner vor uns hatten schließlich auch gerade ihre Freude daran. So können wir uns einmal wie Bruce Lee, Jet Li oder Donnie Yen in einem Eastern fühlen oder wir werden zu Brigitte Lin als »Bride With White Hair«. Ja, chinesischer Freizeitspaß kann erstaunlich simpel ausfallen.

Haben wir den Klamauk erst einmal hinter uns gelassen, wird die Atmosphäre schlagartig anders. Freilaufende Kühe kreuzen nun unseren Weg, man riecht schon die Räucherstäbchen vom nahegelegenen Tempel.

Kuh im Po-Lin-Tempel, Tian Tan Buddha, Hongkong
Achtung, freilaufende Kühe!

宝莲禅寺 | Das Po-Lin-Kloster

Das buddhistische Kloster Po-Lin ist eines der größten und bekanntesten in Hongkong und heute ein wichtiges Ausflugsziel für Touristen wie Einheimische. Es wurde 1924 gegründet, nachdem sich einige Jahre zuvor schon drei Zenmeister von den harmonischen Qualitäten der Umgebung überzeugt hatten. Nicht nur sie, auch eine Bekannte, die vor einigen Jahren hier war, hatte Recht: vor den Toren des Klosters, im Schatten der großen Bäume ist es unglaublich harmonisch. Man durchschreitet ein Tor auf das Klostergelände und fühlt sich plötzlich ganz ruhig. Rauchschwaden unzähliger (und teils riesiger) Räucherstäbchen hängen in der Luft.

Vor dem Po-Lin-Kloster, Hongkong
Vor dem Tempel ist genug Platz für Räucherstäbchen jeder Größenordnung

An den Ständen vor dem Tempel kaufen meine Schwiegereltern kleine und große Räucherstäbchen. Dann nötigen sie Herrn M. und mich zum Mitmachen. Meine Schwiegereltern geben Anweisungen, wie man es richtig macht: mit gefalteten Händen die Räucherstäbchen halten und sich so in jede Himmelsrichtung verbeugen. Aber eigentlich ist das ziemlich egal, denn jeder Besucher scheint es anders zu machen.

天壇大佛 | Tian-Tan-Buddha – Der große Buddha

Das eigentliche Highlight von Lantau ist aber nicht das Po-Lin-Kloster selbst, sondern die riesige Buddha-Statue auf der Spitze eines Berges. Eine aufregende Geschichte kann sie nun nicht gerade aufweisen (sie wurde erst 1993 fertiggestellt), allerdings gilt sie als der weltweit größte sitzende Buddha unter freiem Himmel. Die Figur ist so gewaltig, dass man sie bei klarem Wetter sogar von Macau aus sehen soll.

Ich erinnere mich an eine TVB-Serie, in der die böse Zicke zur Läuterung die 268 Stufen zum Buddha hoch- und runtergehetzt wird, und fühle mich beim Aufstieg selbst ein bisschen wie im Film. Oben gehen wir die Aussichtsplattform entlang, die sich um den Lotusthron zieht, und genießen die Aussicht auf grün überwucherte Bergspitzen, auf das Meer und ein paar Inseln, die sich im Dunst verlieren.

Und was passiert hinter dem Rücken des Buddhas? Da trifft man sich zur Morgengymnastik.

Tian Tan Buddha, Morgengymnastik
Morgengymnastik hinter dem Rücken des großen Buddhas

Was denkt ihr? Ist der Buddha einen Ausflug wert?

Anfahrt

Mit der U-Bahn bis zur Endstation Tung Chung. Von dort kann man die billigere Weiterfahrt mit dem Bus (Linie 23) wählen oder die Seilbahn (Ngong Ping 360, reguläre Kabinen kosten 60 RMB/Person, Hin- und Rückfahrt).

Öffnungszeiten für Kloster und Buddha: täglich 10:00 bis 17:30 Uhr, Eintritt frei.

Auf Lantau gibt es auch Wanderwege, die sehr schön sein sollen. Leider hatten wir keine Zeit dazu.

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22 Gedanken zu “HK | Tian Tan – Beim großen Buddha auf Lantau

  1. Hallo,
    mir hat dieser Ausflug damals sehr gut gefallen. Als ich dort war, gab es wohl die Seilbahn noch nicht (oder ich kann mich nicht daran erinnern).
    Ich kann diesen Ausflug absolut bei einem Aufenthalt in Hongkong empfehlen.
    Lg Thomas
    P.S. Habe es übrigens in meinem Blog noch nicht geschafft darüber zu schreiben.

  2. Ich war im Januar 2015 da. Wegen meiner Höhenangst, bin ich mit dem Bus gefahren. Die Fahrt durch Wälder, kleine Dörfer, über Serpentinen an Palmenstränden vorbei hat mich angenehm überrascht.

    1. Da meine Frau Seilbahnen nicht mag, hatten wir auch den Bus genommen. Hinzu ging das noch, aber auch dem Rückweg fing es an zu regnen und meine Frau hat auf dem Kurs Höllenqualen durchgestanden, da die Busfahrer die Strecke ziemlich zügig zurück legen. 😉 Ich schätze einen neuen Trip dahin werd´ich wohl allein unternehmen müssen.

      1. Da hätte ich wohl auch Höllenqualen durchgestanden! (Bei schlechtem Wetter in der Seilbahn ist aber sicher auch nicht toll – oder dürfen die dann überhaupt fahren?)

      1. Ja die Serpentinen haben sich meiner Frau auch tief ins Gedächtnis gegraben. Dieses Jahr wurde sie wieder ein Flashback, als wir von Chiang Rai nach Chiang Mai auf der 118er rumgurkten. Die schlängelt sich richtig malerisch durch´s Hochplateau, meilenweit kaum Zivilisation, hohe Berge, tiefe Täler und „unberührter“ Dschungel. Leider ist das bei Dunkelheit und Regen nicht wirklich zu genießen. Sind dort auch an drei Unfällen vorbei gefahren. Mein Schwager, der unbedingt noch am gleichen Tag in Chiang Mai ankommen wollte, hat sich einige Tiraden von meiner Schwiemu und meiner Frau anhören müssen, dabei ist er ein sehr guter Fahrer ;).

  3. Ist schon beeindruckend, diese Buddha-Statue, auch mit dem ganzen Drumherum. Scheint gleichzeitig ein religiöser Ort und ein Touristenmagnet zu sein. Wobei das Eine das andere ja nie ausschließt.
    Herzliche Grüße, Eberhard

  4. Den Größen Buddha sollte man unbedingt sehen, wenn man dafür Zeit in Hongkong hat. Da mir Seilbahnen meist zu touristisch sind, sind wir mit dem Bus gefahren. 2012 haben wir Eintritt (?) gezahlt, aber dafür gab es dann kostenloses Mittagessen im Kloster. Das Essen war zwar nichts Besonderes, aber die Atmosphäre dafür interessant (erinnerte ein wenig an Armenspeisung).

    1. Ich finde Seilbahnen auch touristisch 😀 Aber wir waren so früh am Morgen da, dass es noch keine Schlange gab, und wir waren zu faul, die Bushaltestelle zu suchen oder wollten der Schwiegermutter was bieten oder so ähnlich …

      Ich glaube, unter dem Buddha ist eine Ausstellung o.Ä., für die man bezahlen muss (inklusive Klosteressen). Zum Buddha selbst kommt man aber kostenlos hin.

  5. Alleine die Busfahrt macht einen Besuch wert.. Achterbahn deluxe; wir hatten viel Spaß und wussten auch schnell, warum wir alleine im Bus saßen. Und auch für das coole „Der Buddha sitzt auf meiner Hand“-Foto lohnt sich die Reise. Die Figur ist toll und wer in HK ist, sollte sich auf jeden Fall mal auf den Weg machen – ich fand ihn toll.

  6. Ist ja schon etwas skurril, dass die Kühe da so frei rum laufen, oder war die ausgebüchst?
    Der Buddha ist schon beeindruckend. Nach Asien haben wir es noch nicht geschafft. Steht auf unserer Liste. 😉

  7. War gerade heute da und habe den Buddha-Besuch mit einem Abstecher ins Fischerdörfchen Tai O kombiniert. Wirklich sehenswert, alle beide! Und wenn man früh dran ist, dann entkommt man auch den Touri-Massenströmen einigermassen gut. Als kleine Erholung und Ausbrecher vom hektischen Stadtleben Hongkongs perfekt!

    1. Tai O hätte ich mich auch noch sehr interessiert, aber dafür war leider keine Zeit mehr 😦

      Früh am Morgen ist da oben wirklich noch nichts los, da hatten wir auch Glück.

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