Peking | Frühling im Stadtmauerpark

Stadtmauerpark in Peking, Beijing, Ming City Wall Relics Park

Eigentlich wäre der kleine „Ming City Wall Relics Park“ nicht der Rede wert – wären da nicht die Überreste der Pekinger Stadtmauer. Und Kirschblüten im Frühling. Geheimtipp?

踏青 (tàqīng) – Landpartie

Die Frühlingssonne treibt die Menschen nach draußen – die Mutigsten in Hot-Pants, die Skeptischen in bunten Daunenjacken und mehreren Schichten unter der Jogginghose. Rentner scheinen fast unter der Last ihres teuren Fotoequipments zusammenzubrechen, als sie vor uns durch den Park schlendern, immer auf der Suche nach einem noch schöneren Kirschbaum als den zwanzig davor. Was die wohl anschließend mit den Fotos machen? „晒 (shài)“, meint Herr M. „Im Internet damit angeben.“

Kirschblüte im Stadtmauerpark in Peking, Beijing, Ming City Wall Relics Park
20°C sind warm – was auch an der dicken Winterkleidung liegen könnte …

Taqing, der obligatorische Besuch in der frühlingshaften Natur, kann in China auch ganz bescheiden ausfallen. Zum Beispiel im Stadtmauerpark in Peking. Eigentlich sind wir tatsächlich wegen der Mauer hergekommen. Die blühenden Kirschbäume, die sich in Weiß, Rosa und Zartgelb von den grauen Ming-Ziegelsteinen abheben, stehlen den Überresten eines einstmals gewaltigen Bauwerks jedoch klar die Show.

Nach deutschem Verständnis ist der Park ja eher ein etwas breiterer Grünstreifen, aber in einer in Beton konservierten Platzverschwendung, in denen extrabreite Straßen und extrahässliche Häuserklötze das Stadtbild prägen, freut man sich wohl über jedes grüne Fleckchen.

明城墙遗址公园 – Ming City Wall Relics Park

„Die Mauer muss weg!“, lautete das Pekinger Motto im 20. Jahrhundert. Wie jede anständige Stadt wurde auch Chinas Hauptstadt einstmals durch eine gewaltige Stadtmauer geschützt, in der Ming-Dynastie (1368-1644) verstärkt und ausgebaut und zu ihren besten Zeiten rund 40 Kilometer lang!

Doch mit dem Niedergang des Kaiserreichs wurde die Mauer lästig. Neue Straßen und U-Bahnlinien wollten gebaut werden. Da ging so eine bröckelnde Stadtmauer nur im Weg um. Bis in die späten 1970er Jahre riss man deshalb ziemlich unsensibel einen Kilometer nach dem anderen ab. Ergebnis: Peking hat trotzdem ein Verkehrsproblem und von der Mauer ist kaum noch was übrig.

Tatsächlich ist das rund anderthalb Kilometer lange Teilstück im Stadtmauerpark im Dongcheng-Distrikt so ziemlich der einzige Überrest der Mauer. Inzwischen wurde der Abschnitt liebevoll restauriert – zum Großteil sogar mit Originalziegelsteinen aus der Ming-Dynastie, die so mancher Pekinger noch im Hinterhof gestapelt hatte.

Fazit

Der Ming City Wall Relics Park ist wirklich winzig und zieht wohl hauptsächlich die Anwohner der umliegenden Plattenbausiedlungen an. Zur Kirschblüte (März/April) ist er allerdings eine kleine bunte Oase, die sich durchaus lohnt, wenn man gerade in der Nähe ist. Das Gute am Park: Er ist nicht eingezäunt und kann auch abends noch betreten werden. In China ist das ja keine Selbstverständlichkeit.

Interessant ist auch Chinas größter noch existierender Eckturm am östlichen Ende des Mauerstücks. Neben einer Kunstgalerie könnt ihr dort oben die Aussicht über die Stadt genießen oder auf historischen Spuren wandeln.

Wart ihr schon auf Frühlingsblumenschau?

Kirschblüte im Stadtmauerpark in Peking, Beijing, Ming City Wall Relics Park

Infos

明城墙遗址公园 / Ming City Wall Relics Park
Park: Eintritt frei
Eckturm: 10 RMB/Person
Anfahrt: Metro-Station „Chongwenmen“, Linie 2/5

Wenn ihr mehr über die Stadtmauer von Peking erfahren wollt, seid ihr bei Ulrike vom Bambooblog gut aufgehoben.

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14 Gedanken zu “Peking | Frühling im Stadtmauerpark

  1. Ich war ja Anfang September im Stadtmauerpark. Da blühte auch so einiges. Aber leider keine Kirschblüten. Wenn man mal einen Augenblick Zeit hat, dann ist der Park sehr hübsch und ruhig.
    Danke für dne Link
    Beste Grüße
    Ulrike

  2. “晒 (shài)” heißt tatsächlich „Im Internet angeben“ ?? Ich habe zwar gar keine Ahnung aber eine sehr hohe Meinung von chinesischen Schriftzeichen, aber soooo kurz und bündig ….

    1. Eigentlich bedeutet es „sich sonnen, etwas in der Sonne trocknen“, aber in der Umgangssprache hat es inzwischen auch die Bedeutung „mit etwas in der Öffentlichkeit angeben“ und mit Öffentlichkeit ist heutzutage halt meistens das Internet gemeint. Mein (schlechtes) Wörterbuch wusste von der Slang-Bedeutung auch nichts, aber als ich das Wort zum ersten Mal gehört habe und aus dem Zusammenhang gerissen meinem Mann präsentierte, meinte der auch sofort „im Internet mit etw. angeben“ (vermutlich ist die Internet-Bedeutung heutzutage verbreiteter als die ursprüngliche Bedeutung?).

      Hier gibt es noch eine Erklärung zum Wort mit Beispielen: http://www.new-chinese.org/chinesisch-vokabeln-shai.html

  3. DAS ist jetzt mal ein Geheimtip für mich, der eher die weniger überlaufenen Ecken mag 😉
    Muss ich dran denken, wenn ich iwann mal wieder nach Beijing komme …

    晒 (shài) hat was mit „sich sonnen“ zu tun … meint u.U. auch sich (in der Sonne) exponieren … – das machen diese ja dann im Internet statt in der Sonne … wenn shài nicht sogar deshalb dafür benutzt wird, weil es dem englischen „share“ ähnelt 😉

    1. shài – share – So habe ich das noch gar nicht gesehen, würde allerdings Sinn machen, gerade wenn man bedenkt, wie mein Mann das Wort ausspricht (klingt dann fast wie „schä!“)

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