Hainan | Spaziergang in der Sanya-Bucht

Sanya, Hainan, Baden in China

Nach vielen Jahren in engen Shanghaier Wohnungen ohne großartigen Komfort dürstet uns neuerdings vermehrt nach faulen Strandurlauben und ein bisschen Luxus. In der chinesischen Inselprovinz Hainan quartieren wir uns für ein paar Nächte in einem Hotel mit Strandzugang ein und genießen Sommer in der Sanya-Bucht.

三亚湾 (Sanya Wan) – Sanya-Bucht

Gleich gegenüber vom Hotel liegt der Strand, nur getrennt von einer wenig befahrenen Straße und einem Grünstreifen, der mit ansehnlichen, schattenspendenden Palmen bewachsen ist. Die hübschen Strohschirme des Hotels recken sich einladend hinter einer Böschung empor und spenden den wenigen Strandliegen Schatten. Zu unserer Überraschung sind sie so gut wie unbenutzt. Überhaupt ist der Strand fast menschenleer. Zum Baden haben wir jedoch keinen Nerv. Wir wollen erst die Gegend erkunden, nach Restaurants fürs Abendessen Ausschau halten, einen Strandspaziergang machen. Schließlich haben wir Zeit. Im Wasser planschen können wir auch später noch.

Sanya, Hainan, Baden in China, Sheraton (Sanya Bay Resort)
Badestrand unseres Hotels – rückblickend nicht der schönste Strandabschnitt der Sanya-Bucht

Wir folgen stattdessen der Straße auf einem kleinen Weg, der sich unter schattenspendenden Palmen entlangwindet. Zu deren Füßen relaxen die Bewohner der Gegend, braungebrannt dösen sie neben ihren Scootern in der Hitze. Von Restaurants keine Spur, auch nicht von Geschäften oder kleinen Supermärkten. Links reiht sich Luxushotel an Luxushotel, die von viel Grün umgeben sind, rechts immer das Meer, blau und glitzernd, vom grünbewachsenen Land abgetrennt durch ein helles Band aus feinem Sand. Wir spazieren kilometerweit ohne Konsummöglichkeit. Aber das könnte uns auch nur so vorkommen, weil uns die feuchte Hitze so langsam und müde macht.

Bis heute gilt Hainan als wichtiger Marinestützpunkt. Auf unserem Spaziergang entdecken wir alte Betonplattformen, auf die früher schweres Geschütz montiert war. Aus dem halb verschütteten Eingang eines Bunkers dringt Dunkelheit, Relikte einer ebenso dunklen Zeit. Wenn wir in unserer geliebten Yalong-Bucht wären (mehr dazu folgt), könnten wir die Kriegsschiffe sehen, die vor der Küste immer noch regelmäßig hin- und herpatrouillieren.

Dann, endlich, die Möglichkeit, Geld auszugeben! Die Bewohner der Bucht verkaufen frische Kokosnüsse direkt unter den Palmen, von denen sie sie geerntet haben. Eine Erfrischung kommt uns gerade recht. Wir beschließen, am Strand eine Pause einzulegen und uns mit Kokoswasser zu stärken – und finden da unten am Ufer, verborgen hinter einem grünen Band aus Palmen und Gewächsen, die bei mir zu Hause nicht einmal als Zimmerpflanze lange überleben, ein kleines Paradies.

Sanya, Hainan, Baden in China
Nahezu menschenleere Strände

Fischerboote liegen verlassen im hellen Sand, der gelegentlich von Fischernetzen gesprenkelt ist. In der Ferne buhlt Sanyas Skyline mit weißen Klötzen vergeblich um unsere Aufmerksamkeit. Die Weite des Strandes ist faszinierender; dass er nahezu menschenleer ist, tut sein übriges. Irgendjemand hat ein paar Wattewölkchen am Himmelblau über uns verloren und im südchinesischen Meer glitzert die Sonne. Wenn man Glück hat, kann man hier sogar Delfine sehen, doch die lassen sich an diesem Tag nicht blicken. Egal, wir genießen die Sonne und den feinen Sand zwischen den Zehen. Bodendeckende Pflänzchen greifen mit grünen Armen nach dem Sand, fast so, als könnte die Natur hier, an einem der südlichsten Zipfel Chinas, ungestört tun und lassen, was sie will. Hier ist es so tropisch, so exotisch; eigentlich kaum zu glauben, dass auch das eine Facette von China ist.

Morgen werden wir einen Ausflug nach Xidao machen, eine kleine Insel in der Sanya-Bucht, die für ihre unglaubliche Schönheit bekannt sein soll (Bericht folgt). Wir können kaum glauben, dass es in dieser Gegend noch schönere Orte geben soll als hier, dem einsamen Strand, der den einheimischen Fischern gehört.

Sheraton (Sanya Bay Resort)

Noch ein paar Worte zu unserem Hotel: Die Lage ist nicht ideal, da das Hotel sehr weit von dem kleinen Touristenzentrum mit vielen Restaurants und billigen Obstständen entfernt liegt. Man ist quasi auf Bus oder Taxi angewiesen – sehr umständlich. Auch optisch ist das Hotel eher ein plumper Kasten, allerdings fällt das durch die Begrünung nicht gleich auf den ersten Blick ins Auge. Die Zimmer sind verschwenderisch angelegt, mit nutzlosem Vorraum zum Bad, das die Größe unseres Wohnzimmers aufweist. Das Frühstücksbuffet ist akzeptabel, der Strand in Hotelnähe nicht der schönste Abschnitt in der Sanya-Bucht. Punkten kann dafür die Poolanlage – die hatten wir sogar die meiste Zeit für uns allein. Auch ein Luxus.

Falls ich wieder in der Sanya-Bucht übernachten würde, würde ich ein billigeres Mittelklasse-Hotel wählen, das etwas zentraler gelegen ist, auch wenn dann der Weg zum Badestrand weiter ist. Am Ende hat man mehr davon.

Webseite: Sheraton (Sanya Bay Resort)

Fazit

An die Schönheit der Yalong-Bucht (Bericht folgt) kommt Sanya Bay zwar nicht ganz heran, aber auch hier lässt es sich gut erholen. Die Bucht gehört zu den bekanntesten und billigeren Urlaubsorten von Hainan und vielleicht ist das der Grund, weshalb hier neben chinesischen Touristen hauptsächlich russische Familien absteigen. Mal abgesehen von den Luxushotels, die sich am Strand entlangziehen, findet man hier nämlich absolut erschwingliche Zimmer – und wenn man das Hotel im Gegensatz zu uns klug auswählt, dann hat man auch ein kleines Touristenzentrum in der Nähe, wo es viele Restaurants und ein paar kleine Geschäfte gibt.

(Die Bilder sind im Mai 2017 entstanden.)

Habt Ihr schon mal in der Sanya-Bucht Urlaub gemacht?

Zum Mitnehmen:

Pin: Strandspaziergang in der Bucht von Sanya

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19 Gedanken zu “Hainan | Spaziergang in der Sanya-Bucht

    1. Haha, im Sheraton in der Yalong-Bucht waren wir auch schon zweimal. An diese schöne Anlage kommt einfach kein anderes Hotel in der Gegend, finde ich. Werde das demnächst auch noch vorstellen.

    1. Ist das in Japan mit Okinawa nicht ähnlich? Zumindest stelle ich mir das so vor, ich war noch nicht dort. Wir wollten immer mal hin, weil wir da so traumhafte Bilder gesehen haben, haben uns dann aber immer umentschieden, weil man ja irgendwie auch nicht wegen Stränden nach Japan fährt 🙂

      1. Wir waren letztens erst dort, ich bin gerade dabei, darüber zu schreiben. 🙂 Ist hier absolut genau so, aber hier wusste ich es ja schon. 😉

  1. Dieser Bericht hat mich ja mal sehr positiv überrascht,da du sonst immer berichtest das der chin. Tourismus so massiv ist,das man an schönen Stellen,kaum einen Stehplatz bekommt,….denke da noch an deinen tollen Bericht von so einem See. Du hattest ein Bild aus dem Katalog eingestellt und dann ein Bild gemacht,wie du den See vorgefunde hast. Da standen die die Menschen wie die Ölsardinen am Ufer ,….. Dies hier klingt ja echt traumhaft! Warum ist es da so leer? Sehr teur für chin. Verhältnisse? Außerhalb der Saison? Eher unbekannt?
    Alles Liebe und danke für den tollen Bericht!
    LG Claudia

    1. Ich denke, es war einfach sehr außerhalb der Saison (eine von uns willkürlich gewählte Woche im Mai – Saison ist wohl so ab November). Bei der Menge und Größe an Hotels, die es dort gibt, kann ich mir schon vorstellen, dass das z.B. an Feiertagen auch noch mal ganz anders aussehen kann. Wir waren z.B. im August (Schulferien) noch mal auf Hainan, da war schon ein bisschen mehr los (da dann vor allem chinesische Familien), aber immer noch seehr wenig, auch für deutsche Verhältnisse. Am Preis kann es nicht liegen, ins Ausland fahren kann schon schnell teurer und durch Visum und Co. auch viel umständlicher sein.

      Der See, den du meinst, ist übrigens der Westsee in Hangzhou, der Tag mit den Menschenmassen ein Feiertag und das Bild aus dem Katalog war auch von mir. Was für eine Ehre, dass du dich daran erinnerst! 😉

  2. Klar,erinnere ich mich daran. Denn ich lese gerne von dir,weil du nicht diese weichgespülten Infos ,wie andere blogger bringst und dann noch aus Ländern,wo jeder mit der TUI Urlaub buchen kann. Deine Berichte sind authentisch und sehr interessant,wenn ich nur an Deutsch-Essen-gehen mit deinen Schwiegereltern denke,….klasse!!!!!
    Hatte mir schon Gedanken gemachr,als ich sehr lange garnichts mehr von dir gelesen habe. Übrigens ,den link zu dit habe ich von Oliver Zwahlen,sonst hätte ich dich auch nicht gefunden.
    Liebe Grüße,aus dem kalten Norden
    Claudia

      1. Hallo,
        ich finde deinen Blog auch immer sehr spannend. Das sind wirklich interessante Beiträge 🙂
        Ich habe in Shanghai mal ein Auslandssemester an der Tongji Uni gemacht und wir waren währenddessen auch mal an einem kleinen Stadtstrand/bad. wo außer Europäer niemand da war. Uns wurde gesagt, dass die Chinesen ja einen hellen Teint/Gesichtsfarbe (ein Zeichen von Wohlstand) bevorzugen und die Sonne sehr meiden, oder sich dementsprechend mit Hütten/Gesichtsvorhängen etc schützen. Vielleicht sind die Strände auf Hainan ja auch deswegen so leer… Könnte das eine Möglichkeit sein?

  3. Hatte mir schon vor längerem die Insel mal mit maps.baidu.com angesehen. Sieht gut aus. Leider von DE nicht per Direktflug erreichbar.
    Nächstes Jahr flieg ich nochmal nach Hong Kong. Werde mir auch das Umland ansehen und zum shoppen nach Shenzen. Vielleicht finde ich dort was intresanntes für meinen Elektronikshop.

    1. Hainan ist schön, aber extra deswegen würde ich ehrlich gesagt nicht nach China fliegen (dazu werde ich auch mal noch was Ausführlicheres schreiben). Ich glaube, Hongkong und Umgebung ist da besser – HK hat ja auch schöne Strände.

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