Changfeng Ocean World – Wenn das Meer unter einem See liegt

Changfeng Ocean World, Shanghai, China, Aquarium

Auf einem Spaziergang durch den Shanghaier Changfeng-Park ist das so hässliche wie knallbunte Gebäude schwer zu übersehen: Changfeng Ocean World. Das Meerestier-Aquarium galt zu seiner Eröffnung in den 90er Jahren als das erste seiner Art in China und war damit ein echtes Highlight. Doch kann es heute noch gegen das Shanghai Ocean Aquarium, die Superlative in Pudong, anstinken?

长风海洋世界 – Changfeng Ocean World

Nach wenigen Minuten haben wir die Tickets in und einen unsichtbaren Stempel auf der Hand („Auf den linken Handrücken, den linken!“). Dann fahren wir mit der Rolltreppe in den Untergrund. Passenderweise liegt die künstliche Unterwasserwelt nämlich direkt unter dem (ebenfalls künstlich angelegten) Yinchun-See vom Changfeng-Park – quasi ein Tauchgang, bei dem man trocken bleibt.

Unten schallen uns viel zu viele Dezibel fröhliche Musik aus düsteren und relativ niedrigen Räumen entgegen. Zum Glück ist so früh am Morgen noch nicht viel los. Mit drängelnden Menschenmassen möchte ich nun wirklich nicht hier unten eingepfercht sein. Auf was ich auch verzichten könnte: die herumstehenden Mitarbeiter, die ihre Informationen zu besonders interessanten Becken ungefragt per Megaphon zum Besten geben.

Der schöne Rotfeuerfisch (links) mischt ja gehörig den Atlantik auf.

Die Aquarien

Und die Aquarien? Die sind erstaunlich kreativ eingerichtet: Versunkene Statuen in Südamerika und Afrika, im Asien-Abschnitt untergegangene Schiffswracks von Zheng He, Chinas berühmtem Admiral, der es bereits im 15. Jahrhundert bis an die Ostküste Afrikas schaffte. Viele Aquarien sind oben offen und um diverse Botanik und kleine Wasserfälle erweitert, dazu buntes Licht und Kunstnebel. Leider ist das meiste der Dekoration, auch die Unterwasserpflanzen, hauptsächlich aus Plastik. Da darf man wirklich nicht so genau hinsehen.

Neben den üblichen Aquaristiklieblingen (Barsche aus Afrika, Neonsalmer etc.) gibt es riesige Welse, Rochen und Schildkröten zu sehen, in kleineren Becken gruppieren sich bunte Seesterne. In einem Unterwassertunnel ziehen Haie und Co. über unseren Köpfen ihre Bahnen – natürlich nicht in der Größenordnung von Pudong, wo es ja den längsten Tunnel der Welt geben soll, aber eindrucksvoll ist das trotzdem.

Die schönen fotogenen Quallen beschränken sich auf ein winziges Becken, dafür kann das Aquarium mit vielen verschiedenen Seepferdchen-Arten punkten.

Die Seepferdchen-Ausstellung ist sehenswert.

Wir schaffen es sogar rechtzeitig zur Pinguinfütterung, aber die Scheiben sind so angelaufen, dass man kaum etwas sieht. Außerdem interessieren sich die afrikanischen Brillenpinguine kaum für die hingeworfenen toten Fische. Was sie nicht zufällig aus der Luft schnappen, lassen sie gleichgültig links liegen.

Die Besucher sagen zwar an den richtigen Stellen Sachen wie „oh wie schön“, „oh wie groß“, „oh wie lecker“ und irgendwie ist ja auch jedes Aquarium für sich sehenswert. Aber nach dem Shanghai Ocean Aquarium, das Anfang des neuen Jahrtausends seine Pforten drüben in Lujiazui geöffnet hat, und mit weltumspannenden Superlativen prahlen kann, wirkt das Aquarium im Changfeng-Park doch ein wenig eingestaubt. Hier ist eben alles ein bisschen älter, kleiner, weniger.

Rush-Hour in der Shanghaier Metro (symbolbilder)

Die Besucher bleiben allerdings nicht aus. Als wir das Aquarium gegen Mittag verlassen, werden ganze Busladungen an Touristen aus Shanghais Nachbarstadt Wuxi angekarrt und die Schlange an den Ticketschaltern ist jetzt so lang, dass die Leute quasi um das halbe Gebäude herumstehen.

Dass tatsächlich noch so viele Besucher in das etwas veraltete Aquarium finden, hat natürlich seinen Grund. Die Eintrittspreise sind es nicht – die stehen den Preisen des angesagten und moderneren Shanghai Aquarium in Pudong in nichts nach. Was ich vorher auch nicht wusste: Das Aquarium im Changfeng-Park kann mit einer im Preis inbegriffenen Walshow aufwarten, die scheinbar noch ein Publikumsmagnet ist, aber auch für Kontroversen sorgt.

Belugawale und Seehunde

Am anderen Ende des Parks (na ja, in zehn Gehminuten Entfernung) steht die Halle für die Show, in der Belugawale und Seehunde dreimal am Tag ca. eine halbe Stunde lang ihre Kunststücke zeigen. Die Zuschauertribüne ist gerammelt voll, die Seehunde haben erstaunlich viele Tricks auf Lager und wirken dabei sogar recht fröhlich. Und wenn sie mal nicht so wollen wie sie sollen, ist ihnen niemand böse. Tierischer Slapstick funktioniert auch in China.

Als Highlight gelten die beiden Belugawale, diese großen weißen Tiere, die anmutig durchs Wasser gleiten, auf Kommando „singen“ und mit ihren Trainern Walzer tanzen. Ganz so glücklich wirken sie allerdings nicht und irgendwie tun sie mir auch leid in ihrem winzigen Vorführbecken. Ihr (unterirdisches?) Freizeitbecken kann kaum größer sein. Wenigstens gehen die Trainer sehr liebevoll mit den armen Viechern um.

Fazit

Nachdem wir schon das Shanghai Ocean Aquarium in Pudong und das Aquarium aus dem Ocean Park in Hongkong kennen, kann uns die Changfeng Ocean World nicht mehr vom Hocker reißen. Für einen faulen Sonntagnachmittag, an dem man keine Lust hat, extra nach Pudong rüberzufahren, ist das Aquarium trotzdem eine ganz nette Alternative. Mein persönliches Highlight war die Seepferdchen-Ausstellung.

Geht ihr gern ins Aquarium?

(Die Bilder sind im Oktober 2015 entstanden.)

Infos

长风海洋世界 / Changfeng Ocean World
Adresse: 大渡河路451号长风公园4号门 / Eingang 4, Changfeng-Park, 451 Daduhe Rd, Shanghai
Eintritt: ca. 160 RMB (Erwachsene; Rabatt bei Online-Kauf)
Öffnungszeiten: 9:00-17:00 Uhr
Website: oceanworld.com.cn

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