Bücher kaufen in China ist …

… wie eine Schachtel Pralinen – man weiß nie, was man bekommt:

Beschiss!

Zumindest konnten wir das Buch am nächsten Tag (auch ohne Kassenzettel) problemlos umtauschen. Und das, obwohl der Verkäufer nicht so recht verstehen wollte, dass sich in dem Einband das falsche Buch befand – immerhin steht doch überall George Orwell drauf?

Eisenbahnromantik in China

Baotou
In der Nähe von Baotou, (c) Herr M.

Das Internet vergisst nicht. Und so hat mich ein Spamkommentar in meinem längst vergessenen Livejournal-Account darauf aufmerksam gemacht, dass da noch was schlummert. Genau ein brauchbarer Text nämlich. 2008 haben Herr M. und ich anscheinend mal eine Folge Eisenbahnromantik angeschaut, die ich anschließend online aufarbeiten musste. Hier das Glanzwerk aus einer Zeit in München, in der ich nicht im Traum daran gedacht hätte, nur wenige Jahre später tatsächlich hier in China zu leben. Und ja, inzwischen würde ich auch gern mal in die Innere Mongolei reisen…

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Scheißkaffee

Man hört ja immer, dass es für den unternehmerischen Erfolg in China immens wichtig ist, seiner Firma auf Chinesisch einen gewinnträchtigen Namen zu verpassen. Deshalb war mir auch lange nicht klar, wie der Kafelaku-Coffeeshop hier überleben kann. Immerhin lautet der chinesische Name 猫屎咖啡 – māoshǐ kāfēi – und das lässt sich direkt und ohne Umschweife mit »Katzenscheißekaffee« übersetzen.

Inzwischen weiß ich auch, warum das Café so heißt: die machen ihren Kaffee tatsächlich mit Katzenscheiße! Soll heißen, diese indonesische Kaffespezialität wird hergestellt, indem man eine Zibetkatze die Kaffeebohnen verdauen und ausscheiden lässt, bevor man diese zu einem Kaffee aufbrüht.

Der Coffeeshop ist trotzdem immer gut besucht. Grund: Der reguläre Kaffee und all seine Abarten dort sollen eine hochwertige und preisgünstigere Alternative zu Starbucks und Co. sein, was mir doch sehr verlockend scheint. Und der Katzenscheißekaffee muss etwas ganz besonderes sein. Ob mir eine Tasse dieses Gebräus die rund 30 Euro wert sind, wage ich jedoch zu bezweifeln.

Kafelaku - Katzenscheißekaffee

Stühle in Ketten!

Wenn alle Chinesen gleichzeitig von einem Stuhl springen würden, würde die Erde aus ihrer Umlaufbahn fliegen, heißt es immer. Offensichtlich scheinen die Chinesen so ein Experiment schon zu planen. Wie sonst lässt sich erklären, dass sie Sitzgelegenheiten en masse horten? Dazu kann so ein Sitzmöbel gar nicht so zerschlissen sein, dass nicht doch Besitzansprüche gestellt werden würden – am liebsten in Form von dicken Schlössern, mit denen man die Stühle an Zäune oder Rohre kettet. Hier eine kleine Auswahl:

很复杂 | hěn fùzá – Ganz schön kompliziert

Chinesen lieben es an sich simple Dinge zu verkomplizieren. Im besten Fall kommt man so zu niedrigeren Arbeitslosenzahlen und kann unterbezahlten Mitarbeitern das Gefühl geben, ein wichtiges Glied der Gesellschaft zu sein. Freilich beschränkt sich das dann oft auf das Ziehen von Nummern für die Kunden (die das offensichtlich nicht selber können) oder das Nachkontrollieren des Einkaufszettels beim Verlassen des Hypermarkets (d.h. gelangweilt einen Stempel auf die Quittung hauen). Immerhin tun sie das dann meistens in schicken Uniformen.

Besonders gern sieht man das auf Ämtern, wo tausendmal gestempelt, kopiert und an eine zuständige Person weitergeleitet wird. Grund: Eigentlich weiß keiner so richtig über den genauen Ablauf Bescheid. Allerdings will kein Chinese vor einem Ausländer das Gesicht verlieren, weshalb sie ihn lieber mit halbwahren oder frei erfundenen Infos abspeisen als ihm zu gestehen, dass sie schlichtweg keine Ahnung haben. Das verkompliziert die Sache schon ungemein, da man sich dann mehrmals eine Nummer ziehen lassen muss, bis man an einen Beamten gerät, der es besser weiß oder zumindest einen besseren Tag hat und die Unterlagen dann doch noch für okay befindet.

Das Verkomplizieren lässt sich auch auf Gegenstände übertragen. Kaugummiverpackungen beispielsweise. An sich keine komplizierte Sache, müssen die Kaugummis doch eigentlich nur in Streifen verpackt in eine Hülle gesteckt oder lose in einer Dose aufbewahrt werden. Chinesen aber lieben Kaugummis, besonders in süßen Geschmacksrichtungen. Über Wasser- und Honigmelonen, Mango, Lavendel, Jasmin- und Rosenblüten bis hin zu Gurken ist jeder Geschmack vertreten. Die üblichen internationalen Verdächtigen üben sich in Geschmacksvielfalt, die lokalen Marken ziehen hinterher und wollen sich gerne mal vom Auslandsbrei abheben. Und werden bei der Verpackung kreativ. So wie dieser Freund hier:

Diese unhandlich große Dose sieht auf den ersten Blick einfach aus. In ihr verbirgt sich allerdings ein ganz besonders ausgeklügelter Mechanismus. Um an die Kaugummis (hier Jasminblüten- und Rosengeschmack) zu gelangen, zieht man zunächst den im Inneren befindlichen Hohlkörper bis zum Anschlag heraus.

Anschließend wird der Hohlkörper in die Dose zurückgeschoben. In der Mitte der durchsichtigen Dose befindet sich nämlich eine ausgetüftelte Stange, die genau einen Kaugummi abfängt. Die Wahl der Geschmacksrichtung ist Zufall.

Ist die Dose in ihren normalen Zustand zurückgebracht worden, drückt der nun auf der Stange liegende Kaugummi den Verschluss auf.

Der Kaugummi kann nun entnommen werden.

Eine Bedienanleitung auf der Oberseite hilft all jenen, die an der Verpackung scheitern.