Der Blick aus meinem Fenster …

Adelina von Mädchen-Poesie will alles über unsere Fenster wissen. Ich habe unser Schlafzimmerfenster gewählt und wollte mich eigentlich kurz fassen – aber vor unserem Fenster ist einfach zu viel los! Und ich werde dem nicht müde; auch nicht nach anderthalb Jahren China. Trotzdem schlafen wir manchmal lieber in unserem anderen Zimmer.

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Ein Lebenszeichen

Ich lebe noch, die Vogelgrippe hat mich noch nicht dahingerafft (der Shanghaier Straßenverkehr auch nicht) und der blöde Virus auf meinem Computer ist inzwischen beseitigt – und mit ihm alle meine Programme. Wie lästig das ist, jeden Furz neu installieren zu müssen, nur damit man Captcha-Codes abtippen kann, wenn man sich auf allen Seiten wieder neu einloggen darf (sofern man die Passwörter noch weiß, versteht sich). Gewisse Communities erkennen meinen Computer nun nicht mehr (wozu eigentlich überhaupt erkennen??), sind der Meinung, ich hätte mich noch nie von diesem Gerät eingeloggt und sollte mich doch besser noch mal extra verifizieren. Per Code an meine Telefonnummer (die entweder nicht oder falsch hinterlegt ist) oder an eine alternative E-Mailadresse (die längst gesperrt ist, seit die mal ungefragt ein paar tausend Spam-Mails verschickt hat…). Zur Not tut’s auch die Sicherheitsfrage zu beantworten. Die Antwort dazu weiß ich freilich nicht mehr. Wie auch? Ich war schließlich nirgends in den Flitterwochen. Oh, das wird ja als Antwort akzeptiert …

Neben all diesem Theater fühle ich mich auch beruflich voll eingespannt – was komisch ist, wo ich momentan doch viel weniger arbeite als sonst. In meiner Freizeit bin ich auch beschäftigt, mit Kurztrips nach Chengdu zum Beispiel, mit Wohnungssuche oder damit, in lauschigen Hinterhöfen billigen Rotwein aus Pappbechern zu trinken.

Einen Artikel über Chengdu habe ich trotzdem geschrieben. Nun lässt mich aber weder WordPress noch Flickr irgendwelche Fotos hochladen und ohne Bilder stelle ich das Geschreibe nicht online. Ich hoffe, es findet sich bald eine Lösung. Dann gibt es Eindrücke von Chengdu und ein Update zur Wohnungssuche.

Stühle in Ketten!

Wenn alle Chinesen gleichzeitig von einem Stuhl springen würden, würde die Erde aus ihrer Umlaufbahn fliegen, heißt es immer. Offensichtlich scheinen die Chinesen so ein Experiment schon zu planen. Wie sonst lässt sich erklären, dass sie Sitzgelegenheiten en masse horten? Dazu kann so ein Sitzmöbel gar nicht so zerschlissen sein, dass nicht doch Besitzansprüche gestellt werden würden – am liebsten in Form von dicken Schlössern, mit denen man die Stühle an Zäune oder Rohre kettet. Hier eine kleine Auswahl:

很复杂 | hěn fùzá – Ganz schön kompliziert

Chinesen lieben es an sich simple Dinge zu verkomplizieren. Im besten Fall kommt man so zu niedrigeren Arbeitslosenzahlen und kann unterbezahlten Mitarbeitern das Gefühl geben, ein wichtiges Glied der Gesellschaft zu sein. Freilich beschränkt sich das dann oft auf das Ziehen von Nummern für die Kunden (die das offensichtlich nicht selber können) oder das Nachkontrollieren des Einkaufszettels beim Verlassen des Hypermarkets (d.h. gelangweilt einen Stempel auf die Quittung hauen). Immerhin tun sie das dann meistens in schicken Uniformen.

Besonders gern sieht man das auf Ämtern, wo tausendmal gestempelt, kopiert und an eine zuständige Person weitergeleitet wird. Grund: Eigentlich weiß keiner so richtig über den genauen Ablauf Bescheid. Allerdings will kein Chinese vor einem Ausländer das Gesicht verlieren, weshalb sie ihn lieber mit halbwahren oder frei erfundenen Infos abspeisen als ihm zu gestehen, dass sie schlichtweg keine Ahnung haben. Das verkompliziert die Sache schon ungemein, da man sich dann mehrmals eine Nummer ziehen lassen muss, bis man an einen Beamten gerät, der es besser weiß oder zumindest einen besseren Tag hat und die Unterlagen dann doch noch für okay befindet.

Das Verkomplizieren lässt sich auch auf Gegenstände übertragen. Kaugummiverpackungen beispielsweise. An sich keine komplizierte Sache, müssen die Kaugummis doch eigentlich nur in Streifen verpackt in eine Hülle gesteckt oder lose in einer Dose aufbewahrt werden. Chinesen aber lieben Kaugummis, besonders in süßen Geschmacksrichtungen. Über Wasser- und Honigmelonen, Mango, Lavendel, Jasmin- und Rosenblüten bis hin zu Gurken ist jeder Geschmack vertreten. Die üblichen internationalen Verdächtigen üben sich in Geschmacksvielfalt, die lokalen Marken ziehen hinterher und wollen sich gerne mal vom Auslandsbrei abheben. Und werden bei der Verpackung kreativ. So wie dieser Freund hier:

Diese unhandlich große Dose sieht auf den ersten Blick einfach aus. In ihr verbirgt sich allerdings ein ganz besonders ausgeklügelter Mechanismus. Um an die Kaugummis (hier Jasminblüten- und Rosengeschmack) zu gelangen, zieht man zunächst den im Inneren befindlichen Hohlkörper bis zum Anschlag heraus.

Anschließend wird der Hohlkörper in die Dose zurückgeschoben. In der Mitte der durchsichtigen Dose befindet sich nämlich eine ausgetüftelte Stange, die genau einen Kaugummi abfängt. Die Wahl der Geschmacksrichtung ist Zufall.

Ist die Dose in ihren normalen Zustand zurückgebracht worden, drückt der nun auf der Stange liegende Kaugummi den Verschluss auf.

Der Kaugummi kann nun entnommen werden.

Eine Bedienanleitung auf der Oberseite hilft all jenen, die an der Verpackung scheitern.