Leben Chinesen eigentlich hinter dem Mond? – Der Mond im Chinesischen

Mondfest in China

Nicht nur am Mondfest (am 24. September 2018) spielt der Mond in China eine große Rolle. Auch in chinesischen Sprichwörtern und Redewendungen wird er verwendet. Von Unerreichbarem, Veränderungen und warum der Mond im Suff tödlich sein kann. Was lamentiert eigentlich ein König in Gefangenschaft und wie kriege ich meinen liebsten Taiwan-Rocker Wu Bai auch noch unter? Weiterlesen

Goldene Woche in Nanjing

In der »goldenen Woche« um den 1. Oktober rum, in der Chinas Nationalfeiertag und das Mondfest aufeinanderfallen, begeht das ganze Land mal wieder eine Völkerwanderung. Neben Reisen, Ausflügen, stundenlangen Staus und Schlangestehen vor Touristenattraktionen ist vor allem ein Besuch in der Heimat wichtig, denn besagtes Mondfest ist nach dem Frühlingsfest Chinas zweitwichtigster Anlass für ein Fressgelage zweitwichtigstes Familienfest. Auch bei uns stand selbstverständlich ein Besuch in Nanjing auf dem Plan.

Mondfest

Jährlich wird das Mondfest an dem Tag im Jahr gefeiert, an dem der Mond der Erde am nächsten ist. Hauptsächlich dreht sich am Mondfest alles ums Essen. Man schenkt sich z.B. teures Obst, Krebse und natürlich die traditionellen Mondkuchen, die schon Wochen vorher überall in Bäckereien und Supermärkten zu finden sind. Tatsächlich kauft man die Küchlein, die entweder mit süßen, salzigen oder fleischigen Pasten gefüllt sind (traditionell mit einer Lotuspaste und einem festen Eigelb), fast nie für sich allein sondern zum Weiterverschenken. Macht aber nichts, da man garantiert auch von irgendjemandem ein paar Mondkuchen – meist pompös verpackt – geschenkt bekommt. Außerdem trifft sich die ganze Familie zum großen Festschmaus, wo den ganzen Tag gekocht wird und wie schon zum Frühlingsfest rund dreißig Personen auf mehrere Zimmer in der eigenen Wohnung aufgeteilt werden. Wie es der Zufall so wollte, musste durfte ich jeden Tag mindestens einen ganzen Krebs essen, womit mein Bedarf an Krebsfleisch für mindestens ein Jahr gedeckt ist.

Mondkuchen
Mondkuchen in Hülle und Fülle – hier mit roter Bohnenpaste gefüllt

Nanjings Innenstadt

Weil wir natürlich nicht nur die ganze Woche in der Wohnung herumgammeln wollten, stand auch ein bisschen Rausgehen auf dem Plan. Erste Anlaufstelle ist dabei immer Nanjings Innenstadt (U-Bahnstation Xinjiekou) respektive Einkaufsmeile. Insgesamt ist Nanjings Stadtkern trotz unzähliger Hochhäuser nicht gerade spektakulär. Zum Einkaufen ist das Zentrum allerdings toll – Konsumtempel überall, selbst im Untergrund befindet sich ein Labyrinth an engen Gängen und unzähligen kleinen Boutiquen, Schuhläden und Geschäften für Handyaccessoires. Trotz der üblichen Verdächtigen finden sich in Nanjings Geschäften komischerweise mehr Klamotten nach meinem Geschmack als in Shanghai. Um ehrlich zu sein, habe ich fast sämtliche Kleidung, die ich in China gekauft habe, in Nanjing erstanden. Die großzügigen Rabatte, die es bei meinen Besuchen immer gibt, tun ihr Übriges.

Weil sich aber die Leute an den Feiertagen in den Einkaufszentren der Innenstadt halb zu Tode trampeln, nutzten wir den ersten Tag in der Stadt nur zum Spaziergang und blieben am nächsten Tag an einem neuen Einkaufszentrum am Stadtrand hängen, welches der Bus zufällig auf unserer Fahrt Richtung Stadtmitte passierte. Die Läden dort sind im Grunde dieselben wie in der Stadt, allerdings ausgestorben. Shoppen in Totenstille, auch nicht schlecht.


Nanjings unspektakuläre Innenstadt


Manchmal gibt es in Nanjing sogar einen blauen Himmel


Nach knapp einem Jahr mein erstes richtiges Eis in China – im Gegensatz zu Shanghai zahlt man in Nanjing nicht mindestens 60 RMB (rund 6 Euro) für einen kleinen Becher zum Mitnehmen, sondern 27 RMB, also ca. 1 Euro pro Kugel — was das Eis sogar billiger als in Deutschland macht. Ich hatte »Rum Cookies«, »Tiramisu« und »Matcha«.

Nanjings Verbotene Stadt

Als Nanjing während der Ming-Dynastie Hauptstadt war, gab es dort einen Palastkomplex, der später dem Aufbau der Verbotenen Stadt in Peking als Vorbild diente. In der Kurzfassung verschwand der in Nanjing residierende Kaiser im Krieg auf Nimmerwiedersehen, worauf sein Onkel der neue Herrscher über das Land wurde und den Kaisersitz nach Peking verlagerte. Die Nanjinger Verbotene Stadt brannte ab, so dass heute nur noch die steinernen Fundamente zu sehen sind. Die Stadt hat diese in einem kleinen Park arrangiert, der ebenfalls ein Stück Stadtmauer beinhaltet. Der Eintritt ist kostenlos (vermutlich da zu unspektakulär). Nicht weit von diesem Park befindet sich ein weiterer kilometerlanger Teil der alten Stadtmauer, der (kostenlos) begehbar ist. Als Must-See würde ich den kleinen Park nun nicht bezeichnen, aber wer länger oder öfters in Nanjing verweilt, kann mal vorbeigucken.


Stadtmauer von Nanjing – sie gilt als die längste erhaltene Stadtmauer der Welt


»Kultur? Pfft! Wir spielen hier lieber Karten!«


Wohnen an der Stadtmauer


Blick von der Stadtmauer – Nanjing ist die Stadt mit den fünftmeisten Wolkenkratzern Chinas