Chinesisch: Wie setzt man eigentlich ein rohes Hühnchen sexy in Szene?

Sexy Hühnchen

Es folgt eine Werbeunterbrechung! Nein, ich werde dafür nicht bezahlt und habe auch nicht 20 kg kostenloses Tiefkühlfleisch nach Hause geliefert bekommen. Ich amüsiere mich nur einfach so gern über diese preisverdächtige Plakatwerbung, seit sie mir in der Shanghaier U-Bahn zum ersten Mal begegnet ist. Thema: Wie setzt man ein rohes Hühnchen sexy in Szene? Und vor allem warum? Hier erfahrt ihr das chinesische Wortspiel hinter dem WTF?!-Moment. Weiterlesen

Scheißkaffee

Man hört ja immer, dass es für den unternehmerischen Erfolg in China immens wichtig ist, seiner Firma auf Chinesisch einen gewinnträchtigen Namen zu verpassen. Deshalb war mir auch lange nicht klar, wie der Kafelaku-Coffeeshop hier überleben kann. Immerhin lautet der chinesische Name 猫屎咖啡 – māoshǐ kāfēi – und das lässt sich direkt und ohne Umschweife mit »Katzenscheißekaffee« übersetzen.

Inzwischen weiß ich auch, warum das Café so heißt: die machen ihren Kaffee tatsächlich mit Katzenscheiße! Soll heißen, diese indonesische Kaffespezialität wird hergestellt, indem man eine Zibetkatze die Kaffeebohnen verdauen und ausscheiden lässt, bevor man diese zu einem Kaffee aufbrüht.

Der Coffeeshop ist trotzdem immer gut besucht. Grund: Der reguläre Kaffee und all seine Abarten dort sollen eine hochwertige und preisgünstigere Alternative zu Starbucks und Co. sein, was mir doch sehr verlockend scheint. Und der Katzenscheißekaffee muss etwas ganz besonderes sein. Ob mir eine Tasse dieses Gebräus die rund 30 Euro wert sind, wage ich jedoch zu bezweifeln.

Kafelaku - Katzenscheißekaffee

Stühle in Ketten!

Wenn alle Chinesen gleichzeitig von einem Stuhl springen würden, würde die Erde aus ihrer Umlaufbahn fliegen, heißt es immer. Offensichtlich scheinen die Chinesen so ein Experiment schon zu planen. Wie sonst lässt sich erklären, dass sie Sitzgelegenheiten en masse horten? Dazu kann so ein Sitzmöbel gar nicht so zerschlissen sein, dass nicht doch Besitzansprüche gestellt werden würden – am liebsten in Form von dicken Schlössern, mit denen man die Stühle an Zäune oder Rohre kettet. Hier eine kleine Auswahl:

Jing’an-Park – Shanghais Geisterpark

Im Herzen Shanghais, gleich gegenüber vom Jing’an-Tempel, liegt der Jing’an-Park. Immer, wenn ich morgens mit der Rolltreppe die Fußgängerbrücke hochfahre, sehe ich dort alte Leute mit Schwertern Tai Chi praktizieren. Ich selbst musste erst ein Jahr in Shanghai leben, bevor ich den Park endlich einmal besucht habe.


Die vielen immergrünen Pflanzen in Shanghai machen einen Park auch im Winter ansehnlich.

Hier spukt’s

Übrigens soll es in dem winzigen Park (wie auch an anderen Orten in Shanghai) von Geistern nur so wimmeln. Grund: Früher war der Park einmal ein Ausländerfriedhof. Weil die Kommunisten irgendwann der Meinung waren, dass ausländische Leichen die Vatererde nicht beschmutzen sollten, wurden die Überreste der Ausländer wieder ausgegraben (und dann vermutlich anonym irgendwo verbrannt). Da Chinesen auch in den 50er Jahren abergläubisch waren, verzichtete man darauf, auf dem ehemaligen Friedhof Häuser zu bauen, und legte stattdessen den Jing’an-Park an.

Heute sollen dort Baumgeister leben (viele Bäume sind noch die Originale aus dem Friedhof) die Lottozahlen voraussagen können. Außerdem muss man sich vor Wassergeistern hüten, welche Besucher gern in die angelegten Teichs ziehen. Den Besuch habe ich allerdings ohne merkwürdige Zwischenfälle überlebt.


Im Park stehen einige Steinskulpturen, die nach uralten Originalen aussehen.


Relikte des ehemaligen Friedhofs?


Die vielen Straßenkatzen, die hier leben, scheinen von dem Spuk unbeeindruckt. Gut genährt und handzahm genießen sie hier ein ruhiges Leben.

China glotzt #5 | Manchmal würde mich schon interessieren, …

…nach welchen Kriterien das chinesische Fernsehen funktioniert. Wie sonst kann man das Sprachenwirrwarr verstehen, das bei manchen Filmen an den Tag gelegt wird? So läuft dieser Uraltpropagandastreifen im Vormittagsprogramm in der Tonspur auf Chinesisch (die Guten!) und Japanisch (die Bösen!). Ist auch nachvollziehbar, dass sämtliche japanische Wortwechsel auf Chinesisch untertitelt sind. Nur, warum bekommt alles, was auf Chinesisch gesagt wird, dann so willkürlich spanische Untertitel?

chinesisches Fernsehen

很复杂 | hěn fùzá – Ganz schön kompliziert

Chinesen lieben es an sich simple Dinge zu verkomplizieren. Im besten Fall kommt man so zu niedrigeren Arbeitslosenzahlen und kann unterbezahlten Mitarbeitern das Gefühl geben, ein wichtiges Glied der Gesellschaft zu sein. Freilich beschränkt sich das dann oft auf das Ziehen von Nummern für die Kunden (die das offensichtlich nicht selber können) oder das Nachkontrollieren des Einkaufszettels beim Verlassen des Hypermarkets (d.h. gelangweilt einen Stempel auf die Quittung hauen). Immerhin tun sie das dann meistens in schicken Uniformen.

Besonders gern sieht man das auf Ämtern, wo tausendmal gestempelt, kopiert und an eine zuständige Person weitergeleitet wird. Grund: Eigentlich weiß keiner so richtig über den genauen Ablauf Bescheid. Allerdings will kein Chinese vor einem Ausländer das Gesicht verlieren, weshalb sie ihn lieber mit halbwahren oder frei erfundenen Infos abspeisen als ihm zu gestehen, dass sie schlichtweg keine Ahnung haben. Das verkompliziert die Sache schon ungemein, da man sich dann mehrmals eine Nummer ziehen lassen muss, bis man an einen Beamten gerät, der es besser weiß oder zumindest einen besseren Tag hat und die Unterlagen dann doch noch für okay befindet.

Das Verkomplizieren lässt sich auch auf Gegenstände übertragen. Kaugummiverpackungen beispielsweise. An sich keine komplizierte Sache, müssen die Kaugummis doch eigentlich nur in Streifen verpackt in eine Hülle gesteckt oder lose in einer Dose aufbewahrt werden. Chinesen aber lieben Kaugummis, besonders in süßen Geschmacksrichtungen. Über Wasser- und Honigmelonen, Mango, Lavendel, Jasmin- und Rosenblüten bis hin zu Gurken ist jeder Geschmack vertreten. Die üblichen internationalen Verdächtigen üben sich in Geschmacksvielfalt, die lokalen Marken ziehen hinterher und wollen sich gerne mal vom Auslandsbrei abheben. Und werden bei der Verpackung kreativ. So wie dieser Freund hier:

Diese unhandlich große Dose sieht auf den ersten Blick einfach aus. In ihr verbirgt sich allerdings ein ganz besonders ausgeklügelter Mechanismus. Um an die Kaugummis (hier Jasminblüten- und Rosengeschmack) zu gelangen, zieht man zunächst den im Inneren befindlichen Hohlkörper bis zum Anschlag heraus.

Anschließend wird der Hohlkörper in die Dose zurückgeschoben. In der Mitte der durchsichtigen Dose befindet sich nämlich eine ausgetüftelte Stange, die genau einen Kaugummi abfängt. Die Wahl der Geschmacksrichtung ist Zufall.

Ist die Dose in ihren normalen Zustand zurückgebracht worden, drückt der nun auf der Stange liegende Kaugummi den Verschluss auf.

Der Kaugummi kann nun entnommen werden.

Eine Bedienanleitung auf der Oberseite hilft all jenen, die an der Verpackung scheitern.