Chinesische Waschmaschinen – Ein Thema, das sich gewaschen hat

Chinesische Waschmaschinen

Waschmaschinen in China. Vor noch gar nicht allzu langer Zeit offensichtlich ein Fremdwort hier.

Waschmaschinen – Nur moderne Spielerei?

Meine Schwiegereltern haben sich kürzlich ein ultramodernes Frontlader-Gerät in futuristischem Weinrot zugelegt, das mit allen möglichen Programmen prahlt. Dann haben sie es nie benutzt, weil sie erstens mit der Bedienung und zweitens mit der Bedienanleitung nicht zurecht kommen und überhaupt in ihrem ganzen Leben noch nie eine Waschmaschine benutzt haben.

Nachdem wir einmal zu sechst (inklusive 1-2 Tanten) versucht hatten, doch noch hinter die Bedienung des Dings zu kommen, entschlossen meine Schwiegereltern kurzerhand, dass eine Waschmaschine viel zu umständlich sei. Und wuschen weiterhin alles von Hand.

Das hielt sie allerdings nicht davon ab, bei ihrem ersten Besuch bei uns in Shanghai helfend einzugreifen und ungefragt unsere Wäsche zu waschen. Und weil sie ja keine Waschmaschinenerfahrung hatten, wurde der schöne weiße Wollpullover selbstverständlich mit der Buntwäsche bei 80°C mitgewaschen. Seitdem wasche ich wieder selbst.

Unsere Samsung – unsere Beste

Was ich nun seit unserem Umzug vermisse, ist genau diese alte Waschmaschine. »Unser« Samsung-Gerät, Modell Uralt, war ein Frontlader und zuverlässig bei der Arbeit. Die gängigen Programme wie Fein- und Wollwäsche beherrschte die Maschine ebenso wie Temperaturregelungen. Und wenn das Wohnzimmer nach dem Waschen mal unter Wasser stand, lag es nicht an der Waschmaschine selbst, sondern daran, dass der Abwasserschlauch aus der Wand gerutscht war. Der alte Lappen, der den Schlauch eigentlich in dem primitiven Loch festhalten sollte, verrutschte nämlich ganz gerne mal.

Zu unserem Auszug machte es um die Waschmaschine herum praktisch pausenlos lustige Schmatzgeräusche, wenn man übers aufgequollene Parkett ging. In China kein Drama, übrigens.

Unsere Neue – ein Alptraum

Zugegeben, wenn in unserer neuen Wohnung das Bad unter Wasser steht, hängt das zwar manchmal mit dem Wäschewaschen zusammen. Aber kaputt ist unsere »neue« Waschmaschine nicht, oder jedenfalls nur halb. Ich hätte nicht gedacht, dass ich mal so eine Abneigung gegen eine Waschmaschine hegen würde. Aber diese Maschine mag ich wirklich nicht – sie ist ein Toplader.

In China legt man sich scheinbar meistens (sofern überhaupt) eine Toplader-Waschmaschine zu, weil die nur die Hälfte einer anständigen Waschmaschine kostet. Dafür ist sie aber auch super unpraktisch – schließlich hat man keine Ablagefläche, weil man sie oben ja ständig öffnen muss.

Toplader – Ein Mysterium

Mir ist auch nicht ganz klar, warum es auf einmal okay ist, Waschmittel und Weichspüler direkt auf die Kleidung zu schütten, nachdem mir deutschsprachige Produkte seit ewigen Zeiten bei dieser Handhabung eine Katastrophe unvorstellbaren Ausmaßes prophezeit haben.

Und was ich auch nicht verstehe: Wie wird die Kleidung sauber, wenn man sie mit eiskaltem Wasser wäscht? Eine Temperaturanzeige gibt es an der Maschine nämlich nicht, das Wasser wird aus dem Klo angezapft (?!) und Selbsttests haben ergeben, dass die Trommel wirklich mit kaltem Wasser vollläuft. Das heißt, wenn man Glück hat, füllt sich die Trommel mit Wasser. Wenn man Pech hat, läuft das Wasser daran vorbei direkt in den Körper der Waschmaschine und tropft dann unten aus dem Gehäuse. Das erklärt auch, warum die Maschine untenrum total verrostet ist. Der Calgon-Professor aus dem deutschen Fernsehen, der immer mit Lochfraß im Rohr gedroht hat, würde sich bei diesem Anblick vermutlich die Haare raufen. Ich meine mich aber zu erinnern, dass er vor vielen Jahren sowieso schon eine Halbglatze hatte …

Zu voll machen darf man die sensible Maschine auch nicht. Bei den Frontladern konnte man immer reinstopfen, bis kein Söckchen mehr reinging. Bei dem tollen Toplader darf man die Trommel höchstens zur Hälfte vollmachen, sonst bekommt sie beim Schleudern erst die Krise und stellt dann einfach den Betrieb ein. Dabei ist der Waschmaschine dann auch gleich eines ihrer verrosteten Füßchen abgebrochen, weshalb sie jetzt auf unbestimmte Zeit mit alten Teppichleistenresten (inklusive rostigen Nägeln) stabilisiert wurde. Unser Bad hat noch einen weiten Weg zur Wohlfühloase vor sich.

Ausblick

Insgeheim hoffe ich ja, das Ding bald vollständig schrotten zu können. Die Typen, die jeden Tag durchs Compound fahren und per Megaphon nach kaputten Waschmaschinen suchen, würde es auch freuen.

Nur den Vermieter wird man wohl kaum dazu bewegen können, uns dann ein vernünftiges Modell in die Wohnung zu stellen. So wie ich ihn kenne, findet er eine kostengünstige »chà bù duō«-Lösung. War beim undichten Waschbecken ja auch so. Anstatt das Ding auf die Straße zu werfen (die wacklige Angelegenheit mit den rostigen Armaturen hätte es eigentlich nötig gehabt), hat er das Waschbecken ästhetisch unschön mit Silikon kleben lassen und uns daran erinnert, bloß nicht zu grob mit dem Ding umzuspringen. Toll …

EDIT, November 2014: Die besagte Alptraum-Waschmaschine hat nach ca. einem Monat den Geist aufgegeben und wurde vom Vermieter durch ein ebenso altes, billiges Modell ersetzt. Dieses ging ein knappes Jahr später in die ewigen Jagdgründe ein (siehe Titelbild).

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5 Gedanken zu “Chinesische Waschmaschinen – Ein Thema, das sich gewaschen hat

  1. Dann habt ihr in China dieselben doofen Waschmaschinen, wie wir in Japan. Mein Mann hat mir nicht geglaubt, dass man in Deutschland tatsächlich heiß wäscht. Bis er mal in Deutschland war und es mit eigenen Augen gesehen hat. Ich träume von einer tollen deutschen Waschmaschine, aber mein Mann hat mich damit entmutigt, dass das hier wohl die Rohre kaputt machen würde?!?

    1. Könnte mir jetzt auch vorstellen, dass die Rohre dafür nicht ausgelegt sind. Aber eine gescheite Waschmaschine wäre auch mein Traum! Bei unserer jetzigen kann man ja noch nicht mal die Schleuderzahl einstellen. Die Winterpullisaison wird eine Katastrophe. Ich sehe mich schon alles von Hand waschen …

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