Zahlen in China: 4 – So wird die Unglückszahl zum Glücksbringer

Zahlen in China, Blog-Serie

Spricht man von der Bedeutung der Zahlen in China, taucht als Paradebeispiel gern die Zahl 4 auf. Sie bringt nämlich Unglück. Doch warum eigentlich? Und wie schafft man es, dass sie doch noch Glück bringt?

Die 4 als Unglückszahl

Die 4 gilt im chinesischsprachigen Raum als Unglückszahl. Mal wieder ist die Aussprache schuld. Denn 四 (sì) für „4“ klingt fast so wie 死 (sǐ) für „sterben“. Und das will nun wirklich keiner provozieren. Deshalb meidet man die 4, wo es geht. Man will sie weder in Nummernschildern fürs Auto noch in Telefonnummern, wenn es sich irgendwie vermeiden lässt. Der 4.4. jeden Jahres gilt als Unglückstag und in vielen Hochhäusern werden alle Stockwerke, in denen eine 4 vorkommt, in der Zählung einfach übersprungen.

Bei dieser Aufzugsbeschriftung in Hongkong fallen gleich mehrere Sachen auf:

Aufzug in Hongkong

  1. „G“ – Anders als auf dem Festland, wo das Erdgeschoss als 1. Stock zählt, gibt es in Hongkong sehr wohl einen „ground floor“.
  2. Die Zahlen sind etwas willkürlich angeordnet – G, 1, 6, 3, 5, 7, … Da hat wohl einer bei der Installation geschlampt.
  3. Die 13 fehlt. Die ist ja im Westen eine Unglückszahl (und vermutlich von den Briten mitgebracht worden).
  4. Und last but not least: Die Angst vor der 4 geht so weit, dass hier gleich alle Zahlen mit dieser Ziffer fehlen. Es gibt also keinen 4. Stock, aber auch keinen 14., 24. usw. In welchem Stockwerk lag unser Hotelzimmer also wirklich? Sicher nicht im 19. Stock.
  5. Edit: In anderen Aufzügen kann es vorkommen, dass statt Stockwerk 4 dann eben ein Stockwerk 3A draus wird usw. Auch eine Möglichkeit, die böse 4 und die 13 zu umgehen.

    Falls jemand weiß, warum auch die 29 und 38 fehlen, darf er das gern in den Kommentaren ergänzen!

    (Könnte natürlich sein, dass diese Stockwerke einfach nichts für Gäste sind, sondern die Etagen für Klimaanlagen und Co. Das chinesische Internet ist hier mit Antworten wie „wahrscheinlich sind die beiden Stockwerke (miteinander) schlafen gegangen“ auch nicht gerade hilfreich …)

    Die 4 als Glücksbringer

    Manchmal lässt sich die 4 aber nicht vermeiden, z.B. weil bei der Telefongesellschaft keine Nummern ohne die böse Ziffer mehr übrig sind oder man nicht extra tief in die Tasche greifen kann oder will, um doch noch eine glückverheißendere Kombination auf dem Nummernschild zu bekommen.

    Dann muss man kreativ werden, um das Unglück abzuwenden. Findige Chinesen drehen deshalb die Bedeutung der Zahl 4 einfach um. Das geht zum Beispiel mit Hilfe der Tonsilben:

    do-re-mi-fa-sol-la-si-do

    Was steht da als vierter Ton? Fa. Und das wiederum klingt wie das glückverheißende Zeichen 发 (fà).

    Eine 44 „übersetzen“ die Gewieften dann auch nicht mehr mit „sterben“, sondern wählen einfach ein anderes homophones Zeichen, z.B. 事 (shì, Sache). Daraus lassen sich positive Sprüche bilden wie “事事如意” (shì shì rú yì – Alles wie gewünscht!) oder „事事吉祥” (shì shì jí xiáng – Viel Glück!).

    Und wer so gar nicht abergläubisch ist, der sagt einfach, dass die 4 wie ein Fähnchen aussieht, fertig.

    Problem gelöst!

    Habt ihr eine persönliche Unglückszahl?

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13 Gedanken zu “Zahlen in China: 4 – So wird die Unglückszahl zum Glücksbringer

  1. was für geschichte …Wahnsinn . Hält wenigstens der Aufzug auf dem Etage was es steht auf der Taste ? Oder wen man drückt die 19 Hält der Aufzug auf 25 …weil die Tasten vertauscht wurden ?
    Tolle beitrag !

  2. Irgendwie gelingt es am Ende ja allen, den Aberglauben so hinzubiegen, dass es am Ende wieder passt oder im besten Fall etwas Positives rauskommt. :-))) Interessantes Thema jedenfalls.
    Herzliche Grüße, Eberhard

  3. Hallo Shaoshi,
    vielleicht hat man die beiden Zahlen in dem Hotelaufzug einfach willkürlich weggelassen um auf 39 Stockwerke zu kommen – und damit die Größe des Hotels noch ein bisschen zu steigern (boah, 39 Stockwerke !!…)
    Wenn sie noch eines weggelassen hätten, wäre nach der 39 vermutlich gleich die 50 gekommen, was dann evtl. wieder zu offensichtlich ist … aber bis 39 zumindest voll ausgereizt 😀
    LG, Matze

  4. Andere Länder, andere Sitten. Und teilweise liest man wirklich skurrile Geschichten, wie in deinem Fall. Ich stell mir gerade vor, wie man im Aufzug die richtige Etage sucht. Ich persönlich glaube nicht an Unglückszahlen, o. Ä. Bis jetzt zumindest. Aber wer weiß, was der nächste Freitag der 13. bringt.

    1. Manchmal ist es ja schon schwer genug, den richtigen Aufzug zu finden 😀 In den großen Hochhäusern hier halten auch nicht alle in allen Stockwerken oder man muss mittendrin mal umsteigen und so Scherze …

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