Chinesisch = Ching-Chang-Chong – Was ist dran an diesen 6 Vorurteilen?

Chinesisch - Was ist dran an diesen Vorurteilen?

Lernt ihr Chinesisch? Dann bekommt ihr von euren Mitmenschen von Bewunderung bis hin zu Herablassung (»Chinesisch? Warum sollte man das denn freiwillig lernen?!«) wahrscheinlich so ziemlich alles zu hören. Und dann gibt es da noch so klassische Vorurteile wie jenes, dass Chinesisch eine unlernbare Sprache sei. Doch was ist dran an diesen Vorurteilen? Ich habe 6 typische Aussagen mal genauer unter die Lupe genommen.

偏见 (piānjiàn) – voreingenommen + sehen = Vorurteil

Es gab eine Zeit, da suchtete ich exzessiv Hongkong- und China-Filme, gerne auch im Original mit Untertiteln. Trotzdem konnte ich kein Wort Chinesisch und wäre auch nie im Traum darauf gekommen, die Sprache zu lernen. Viel zu schwer, quasi unmöglich! So lautete zumindest der allgemeine Tonus. Ich ging da konform, obwohl ich es auch nicht besser wusste als die anderen – die ja auch nur unreflektiert das wiederkäuten, was sie woanders gehört, gelesen, geträumt hatten. Schlimm eigentlich.

Zum Glück gab’s als Weihnachtsgeschenk irgendwann einen VHS-Kurs, bei dem ich mir endlich mein ganz eigenes Bild von der Sprache machen konnte. Der Rest ist Geschichte.

Chinesisch – 6 Vorurteile

Heute ist die Situation anders. China steht inzwischen voll im Fokus und das Angebot zum Chinesischlernen wird immer vielseitiger. Von allen Seiten höre ich jetzt von Leuten, die wenigstens schon mal in einen Chinesischkurs hineingeschnuppert haben. Die folgenden Vorurteile gegenüber Chinesisch (wie auch gegenüber Land und Leuten) scheinen sich trotzdem hartnäckig zu halten.

1. Chinesisch = Ching-Chang-Chong

Kommt ein Gespräch auf Chinesisch, bekommt man von Leuten, die sich für besonders witzig halten, schnell das zu hören: »Ching-Chang-Chong.« Diese Silben kommen im Chinesischen zwar vor, doch selbstverständlich hat die Sprache noch so viel mehr Laute zu bieten. Hier findet ihr eine Pinyin-Tabelle für alle möglichen Tonsilben im Chinesischen (auch zum Anhören, denn so ein „chong“ klingt z.B. eher wie „tschung“ und variiert je nach Tonhöhe auch noch mal).

2. Chinesisch kann man nicht lernen

Das hieß es wirklich lange und ich fand dieses Vorurteil schon in den 90ern komisch, als ich noch lange nicht ans Chinesischlernen dachte. Schließlich spricht eine Milliarde Menschen die Sprache, kann sie also wirklich unlernbar sein? Selbstverständlich nicht. Man kann sie sogar ganz gut lernen.

Im Kern ist Chinesisch gar nicht so schwer oder kompliziert wie man meint. Es geht sogar erstaunlich schnell, bis man auf ein akzeptables Niveau für den Alltag kommt. Selbst die Schriftzeichen sind oft sehr logisch aufgebaut und helfen auch noch als Eselsbrücken für ihre Bedeutung und geben teilweise sogar Hinweise zur Aussprache. Letztere macht mir persönlich mit ihren für uns so ungewohnten Lauten am meisten zu schaffen und ist mit der Grund, warum ich diese tolle Sprache wohl nie richtig beherrschen werde … (siehe auch Punkt 4).

Um Chinesisch auf muttersprachlichem Niveau (lol) zu sprechen und zu verstehen, gehört natürlich schon einiges an Fleiß dazu. Ich würde sogar fast so weit gehen, zu behaupten, dass das eine Lebensaufgabe ist. Bei Englisch schreibt ja praktisch jeder, der mal auf der Dorfschule einen Englischkurs geschwänzt hat, „Englisch (fließend/verhandlungssicher)“ in den Lebenslauf, auch wenn das bei näherer Betrachtung gar nicht der Fall ist (oder wissen wir alle auf Anhieb, was Senkfußeinlage oder Schriftformerfordernis auf Englisch heißt oder wie eigentlich „epitome“ richtig ausgesprochen wird?). Ab wann darf man sich so viel Selbstbewusstsein im Chinesischen trauen?

3. Chinesisch hat keine Grammatik

Das hört man gern von denen, die Chinesisch verteidigen wollen. Aber so ganz stimmt das auch nicht. Chinesisch hat sehr wohl Grammatik, wohl aber nicht so komplizierte wie das Deutsche. Es wird weder dekliniert („des Hauses“) noch konjugiert („du gehst“), es gibt weder Artikel („der, die, das“) noch so viele Ausnahmen wie im Deutschen.

Viele grammatikalische Strukturen werden vielleicht nicht als solche wahrgenommen, weil man Chinesisch tendenziell anders lernt. Wo man im Englischen usw. als Schüler sehr schnell frei Sätze bilden soll, kam es mir immer so vor, als würde im Chinesisch-Unterricht sehr viel über das stupide Wiederkäuen ständig gleicher Satzstrukturen ablaufen, ohne dass man den grammatikalischen Hintergrund wissen darf. Geht/ging euch das auch so?

4. Auf Chinesisch klingt alles gleich

Das kommt von Unwissenden wie Lernern gleichermaßen. Und irgendwie haben sie auch Recht. Jede Silbe kann in vier unterschiedlichen Tönen oder unbetont ausgesprochen werden. Und jedes Mal ändert sich die Bedeutung. mā (langes A, 妈) ist die Mutter, aber mǎ (tiefes A, 马) bezeichnet ein Pferd, mà („ma!“, 骂) bedeutet „schimpfen“ und má („ma?“) unter anderem „taub“. Das hat Fettnäpfchenpotenzial. Auch heute noch versuche ich das meiste aus dem Kontext zu schließen, da ich Silben wie jing, jin, qing, qin, oder zhang, zhan, chang, zeng oder ceng einfach nicht problemlos auseinanderhalten geschweigedenn fehlerfrei sprechen kann …

Fun Fact: Durch Homophone eröffnet sich natürlich eine unendliche Möglichkeit an Wortspielen, für die ich die chinesische Sprache so liebe. Das Ganze kann allerdings auch so ausufern, dass ganze Texte nur noch aus einem einzigen Laut bestehen. In der Kurzgeschichte Löwenessender Dichter in der Steinhöhle wird jedes einzelne Schriftzeichen „shi“ ausgesprochen.

5. Die Schriftzeichen sind gemalt

Auch wenn chinesische Schriftzeichen für uns Europäer sehr dekorativ anmuten mögen, sind sie immer noch Schrift und keine Bilder. Viele Zeichen leiten sich allerdings tatsächlich aus Piktogrammen ab, andere stellen Symbole oder Ideogramme oder Phonogramme dar oder äh … Schlagt’s doch selbst nach: Die sechs Kategorieren chinesischer Schriftzeichen bei Wikipedia. Dort seht ihr auch ein paar Beispiele, wie sich die Schriftzeichen im Laufe der Jahrtausende entwickelt haben.

6. Mit 2000 Zeichen kann man eine Zeitung lesen

Manche Quellen sprechen da von 2000, andere von 3000-5000 Zeichen. Ich denke allerdings, dass das erheblich auf die gelernten Zeichen ankommt. Lerne ich höchst seltene Zeichen, kommen die wohl auch in der Zeitung selten vor. Lerne ich die gängigen, kann ich vielleicht die ausgefallenen, die in Eigennamen vorkommen, nicht lesen. Außerdem reicht es natürlich nicht, die einzelnen Schriftzeichen nur wiederzuerkennen. Kenne ich das Schriftzeichen und seine Aussprache, kann ich den Text zwar vorlesen, aber zum Verstehen brauche ich mehr. Die Bedeutung des einzelnen Zeichens reicht da auch selten. Im modernen Chinesisch setzen sich die meisten Wörter nämlich aus mindestens zwei Zeichen zusammen. 马 (mǎ) ist das Pferd, 桶 (tǒng) der Eimer. Aber was nützt mir dieses Wissen, wenn in der Zeitung 马桶 (mǎtǒng) steht? Pferdeeimer? Nein, die Kloschüssel. Da ist es sinnvoller, von Wörtern/Begriffen auszugehen. Deshalb finde ich es auch ziemlich sinnlos, bei Schriftzeichen in Zahlen zu denken.

Fazit

Chinesisch hat es durchaus in sich, ist aber nicht unlernbar. Mit ein bisschen Fleiß kann man sogar ziemlich schnell auf ein alltagstaugliches Niveau kommen. Wenn ihr euch selbst davon überzeugen möchtet, schreibt euch doch mal ein Semester an einem VHS-Kurs ein. Vorurteile lassen sich ja gewöhnlich immer am besten abbauen, wenn man sich selbst vom Gegenteil überzeugt.

Welche Vorurteile gegenüber der chinesischen Sprache kennt ihr noch? Und stimmen sie?

(Diesen Text habe ich ursprünglich für Olis Blogparade auf dem Sinographen geschrieben. Die ist zwar schon seit 2015 abgelaufen, aber ich möchte es nicht unerwähnt lassen.)

Zum Mitnehmen:

Chinesisch – Was ist dran an diesen Vorurteilen?

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17 Gedanken zu “Chinesisch = Ching-Chang-Chong – Was ist dran an diesen 6 Vorurteilen?

  1. Chinesisch ist sicher einfacher als man annimmt, aber dennoch sicher schwer zu lernen. Wie du sagst, kann es eine Lebensaufgabe sein, fließend zu sprechen und schreiben um als „Einheimische“ durchzugehen.

    1. Wenn China auch nur ein bisschen so ist wie Japan, kann man als Europäerin das schönste Chinesisch sprechen und wird trotzdem nie als Einheimische durchgehen. 🙂

      1. So ist es, Claudia. Schon optisch wird man nie als Einheimischer durchgehen und deshalb geht auch niemand davon aus, dass man Chinesisch kann. Viele Leute sprechen dann auf Englisch mit einem, wenn sie sich trauen/Englisch können. Manche geben schon von Weitem zu verstehen, dass man sie bloß nicht ansprechen soll, weil sie kein Englisch können (wildes Gestikulieren oder Reißausnehmen – wenn man sie dann doch erwischt und was auf Chinesisch sagt, sind sie meistens begeistert ;-)).

  2. Wir haben zwei Jahre mit Minimalaufwand (2h pro Woche) chinesisch gelernt und irgendwie ist an allen Vorurteilen was dran. Ein Fünkchen Wahrheit, das es einfach schwer macht durchzuhalten. Wir haben es auf ein Alltagsniveau geschafft, dass für Essen, Fahren, Wetter und einfachste Sätze reicht. Damit sind wir weiter gekommen, als die meisten Kollegen von uns. Das was es aber wirklich ausmacht, ist mal aus dem mit Englisch durchsetztem Shanghai rauszugehen und mal durchs Land ohne Guide zu reisen. In den zwei Wochen haben wir deutlich mehr Sicherheit in der Sprache gewonnen. Leider ist die nach der Reise fast noch schneller wieder verschwunden. Ohne den Zwang zu sprechen ist rutscht man einfach zu schnell in die von dir Aufgezählten Vorurteile ab und nimmt sie als Ausrede… Schade eigentlich. 🙂

    1. Wenn ich z.B. ein paar Tage mit meinen Schwiegereltern allein bin (die nur Chinesisch können), merke ich auch immer, wie Chinesisch immer flüssiger kommt, aber sobald man dann wieder im üblichen Trott drin ist, sind all die Fähigkeiten sofort wieder verschwunden. Kann echt frustrieren. Über ein Alltagsniveau beim Sprechen rauszukommen, ist ziemlich schwer, finde ich. Es gibt einfach keine Gelegenheit, mal über andere Themen zu sprechen und neuen Wortschatz anzuwenden. Manchmal frage ich mich, ob das auch eine Ausrede ist … Aber wenn man mit neuen Bekanntschaften plaudern will, sind Themen und Fragen einfach immer dieselben und so Organisatorisches wie zur Bank gehen etc. ist ja auch nur für die Situation wichtig – diesen „Spezialwortschatz“ packe ich mir vor dem Bankgang ins Kurzzeitgedächtnis und vergesse ihn hinterher wieder. Argh …

  3. Ich würde unglaublich gerne chinesisch können, aber ich scheitere an meinen Ohren. Mit einem Cochlear Imlantat und einem Hörgerät sind die feinen Tonunterschiede einfach nicht zu hören oder besser zu identifizieren. Das ist allerdings kein Vorurteil, sondern einfach ein persönliches Manko.

    1. @ Eva Maria Nielsen: Ich würde es dennoch mit einer Probestunde versuchen. In meinem Kurs trägt eine ältere Dame ein Hörgerät und ist fleißig dabei und keineswegs entmutigt. Wir lernen jetzt im siebten Jahr Chinesisch. Von Implantaten verstehe ich nichts und kann dazu leider nichts sagen.

      @Shaoshi: Zur Grammatik in der chinesischen Sprache nur kurz. Je tiefer man in diese Sprache einsteigt, desto weniger möchte ich meinen, dass chinesische Grammatik einfach ist, Selbst wenn ich einen grammatischen Aspekt verstanden habe, fällt es mir äußerst schwer, ihn in der Praxis anzuwenden. Wir lernen mit Lehrbüchern für das Bachelorstudium, die prinzipiell gut erklären.
      Für die tägliche Umgangssprache sind sie m.E. jedoch nicht gut genug.

      Insgesamt denke ich, dass ich eine Menge Durchhaltevermögen in Sachen Sprachen erlernen habe. Elf Jahre Japanisch, sieben Jahre Chinesisch und anderthalb Jahre Koreanisch dürften Beweis genug sein. Die Erfolge sind jedoch äußerst spärlich und für mich nicht zufriedenstellend.

      1. Das ist dann wahrscheinlich so ähnlich wie mit Englisch. Je tiefer ich da eingestiegen bin, umso dümmer habe ich mich gefühlt. Es sind die Feinheiten und die ewigen Ausnahmen (vor allem Aussprache), die mich im Englischen so nerven 😉

        Ich habe beim Chinesischen immer das Gefühl, dass Grammatik einfach nie zufriedenstellend erklärt wird. Die Struktur ist so und so, nachsprechen, fertig. Ich glaube, durch so was entsteht eben das Vorurteil, dass Chinesisch keine Grammatik hat …

        Meine Erfolge sind auch nicht zufriedenstellend. Ich denke mir aber oft, dass wir evtl. unsere Messlatten zu weit oben haben, weil wir bei Sprachen wie Englisch und Co. mit merklichen Fortschritten so verwöhnt sind.

    2. Das ist sehr schade …

      Hast du schon mal Unterricht genommen und es ausprobiert? Ich mit meinen gesunden Ohren habe ja auch schon Schwierigkeiten, die Unterschiede zu hören, aber bis zu einem gewissen Punkt kann man sich trotzdem irgendwie durchwurschteln.

  4. Zu Deiner Frage: Es ist zwar kein richtiges Vorurteil, die Chinesen gehen aber sehr häufig davon aus, dass die Schriftzeichen am schwierigsten für uns zu Lernen sind. Ich stimme Dir aber zu, dass vor allem die Aussprache so seine Tücken hat und die Zeichen gar nicht so schwer sind bzw. nicht das schwerste an der Sprache sind 😉

    1. Stimmt!

      Einmal wurde ich genötigt, ein Dokument ohne Diskussion mit Hilfe einer Dolmetscherin durchzugehen, weil „du kannst das nicht lesen“ – dabei war der Text simpel (und obendrein nur ein Protokoll vom vorangegangenen Gespräch …). Andererseits können wir natürlich froh sein, dass solche Kenntnisse hier nicht so vorausgesetzt werden …

  5. Also, ich muss sagen, dass du mich noch nicht ganz überzeugt hast, dass Chinesisch doch lernbar ist ;). Man sagt ja gemeinhin das Finnisch sehr schwer ist. Das stimmt und ich habe es trotzdem gelernt. Aber was ist schon Finnisch gegen Chinesisch, gegen diese Unmenge an hochkomplizierten Schriftzeichen?! Fremdartige Vokabeln und Tonhöhen sind Dinge, die ich (glaube ich) mit genügend Motivation meistern könnte – aber wie ist es nur möglich die Zeichen zu merken? Fast jedes Zeichen sieht so kompliziert aus und es erscheint mir unmöglich, sich auch noch ein einziges zu merken. Wie soll man sich so nur ganze Wörter merken können, die aus unterschiedlichen Zeichen mit jeweils eigener Bedeutung zusammengesetzt ist? Jeder, der auch nur halbwegs chinesische Schriftzeichen lesen kann, hat meinen höchsten Respekt. Ab wann können chinesische Kinder eigentlich Zeitung lesen? Wann und wie pauken sie die ganzen Schriftzeichen (oder: wie bleibt da in der Schule Zeit für anderes?)? Und ist es nicht wahnsinnig umständlich, Chinesisch mit einer Computertastatur zu schreiben? Lauter Fragen für Dummies, aber vielleicht magst du trotzdem antworten 🙂

    1. Das sind ja viele Fragen – und jede einzelne wäre einen ganzen Blogartikel wert (teilweise ist da auch schon was vorbereitet).

      Ganz einfach sind die Zeichen natürlich nicht, aber trotzdem finde ich die Schriftzeichen gar nicht soooo kompliziert, wenn man sich erst einmal reingefunden hat. Sie bestehen z.B. immer wieder aus den gleichen Bausteinen, die oft Rückschlüsse auf Bedeutung oder Aussprache geben – und wenn nicht, kann man sich aus den einzelnen Teilen oft gute Eselsbrücken bauen. Ich glaube auch nicht, dass man Chinesisch ohne Schriftzeichen sinnvoll lernen kann. Wenn ich nur Pinyin (diese Lautsprache) sehe, weiß ich meistens nicht, was gemeint ist. Erst wenn ich dann auch die Zeichen sehe, kommt der Aha-Effekt. Beim Sprechen ist das auch oft so. Ich verstehe mein Gegenüber eigentlich nur, wenn ich die Silben im Kopf mit einem (dem richtigen :-)) Zeichen verknüpfen kann. Die Zeichen sind also auch irgendwie eine Lernhilfe für mich. Leider muss man gerade am Anfang ganz schön pauken (also ganz oft schreiben, so wie wir das auch im Deutschunterricht in der Grundschule gemacht haben). So lernen das die Kinder in den chinesischen Schulen auch – mein Mann meint, vom Kindergarten bis zum Schulabschluss (also von ca. 5 bis 18 Jahre alt) und so im Alter von 10/12 Jahren kann man dann auch einen Roman lesen.

      Tastatur: Da tippt man das Pinyin ein und bekommt dann eine Liste mit allen Zeichen, die so gesprochen werden, und wählt dann das richtige aus. Die meisten Programme sind intelligent und zeigen die häufiger gebrauchten Zeichen ganz vorne an oder machen einem Vorschläge, die im Kontext passen könnten. Das geht in Echt schneller als man meint. Am Handy gibt es dann noch die Funktion, wo man das Zeichen direkt mit den Finger schreiben kann (das ist dann auch gut für alte Leute, die nie die Pinyin-Schrift gelernt haben – oder für uns Ausländer, die wir die Aussprache eines Zeichens nicht kennen ;-)).

  6. Ich kann die Vorurteile sehr gut verstehen, besonders wenn man die Systematik der Sprache nicht versteht. Es ist eine silbenarme Sprache, deren relative niedrige Silbenzahl von nur 400 Silben, durch unterschiedliche Betonung kompensiert wird, sodass eben denoch viele Wörter gebildet werden können. Jede westliche Sprache besteht im Vergleich aus mehreren Tausend Silben. Deswegen „JA“! Es klingt alles nach Ching Chang und Chong, dieses Ching Chang und Chong wird jedoch unterschiedlich betont ! Das verstehen die wenigsten.

    Problem im großen und ganzen ist jedoch nicht die Tatsache, dass die Sprache schwer ist, die Schwierigkeit kommt daher, dass sie aus einer anderen Sprachfamilie kommt. Französisch ist immer noch aus der selben Sprachfamilie wie die Deutsche Sprache, ihr Ursprung ist das Latein, Asiatische Sprachen jedoch nicht, zusammen mit Japanisch ist ihr Ursprung das klassische Chinesisch. Die Schwierigkeit wird überbewertet. Man muss verstehen, dass man hier mehr als einfach nur eine Fremdsprache lerne, man wechselt den Kontinent, damit auch das ganze Denksystem.

    1. Die andere Sprachfamilie ist sicher der Hauptgrund, warum Chinesisch als schwer verstanden wird. Andersrum scheint es trotzdem einfacher zu sein. Mir kommt es immer so vor, dass Chinesen sehr schnell gut Englisch oder sogar Deutsch können, wohingegen wir und Chinesisch … 😉

  7. Hallo zusammen,
    ich lerne jetzt seit 6 Monaten intensiv Mandarin an einer Uni in Shanghai und ich habe hauptsächlich zwei Probleme:
    1. Ich muss im Grunde zwei Vokabeln lernen. Zum einen das Zeichen zum anderen das Pinyin, damit ich wenigstens die Aussprache kenne
    2. In einem chinesischen Satz sind alle Zeichen aneinander geschrieben, folglich gibt es keine Leerzeichen, welche uns helfen, die Wörter richtig zu erkennen.
    MIr ist natürlich klar, dass das der Systematik der Sprache geschuldet ist, aber es ist manchmal echt hart und ich weiss nicht, ob man Mandarin früher nicht besser ohne Pinyin gelernt hat, bis es kreiert wurde.
    Eine grosse Hilfe sind mir bei manhen Aufgaben die ÜbersetzungsApps auf dem Handy, so dass ich nicht ewig suchen muss 😉
    Ich kann alle nur ermutigen dranzubleiben und einfach los zu sprechen im Umgang mit Chinesen. Meistens fällt einem erst hinterher der perfekte Satz ein, aber wir wissen ja: Übung macht den Meister!

    1. 1. Das hat mich auch immer genervt, gerade wenn ich Vokabelkarten angelegt habe, denn eigentlich hätte ich bei so einer Karte ja mindestens drei Seiten gebraucht.

      2. Ich finde, daran gewöhnt man sich schnell, wenn man Chinesisch mit Schwerpunkt auf Wörtern lernt (die ja oft min. 2 Silben haben) und nicht nach Zeichen an sich. Aber es hat natürlich trotzdem so seine Tücken.

      Ich weiß nicht, ob man Chinesisch ohne Pinyin leichter gelernt hat, aber ich denke schon, dass man sich bei Einführung von so Lautschriften was gedacht hat. Auch chinesische Grundschüler lernen ja Pinyin und ich könnte mir auch nicht vorstellen, wie ich mir die Aussprache ganz ohne Umschrift merken könnte, vor allem nicht bei ein paar tausend Zeichen. Allerdings habe ich Pinyin nie so ernst genommen, dass ich das jetzt fehlerfrei oder mit richtigen Tonhöhen schreiben könnte – mir hat da schon gereicht, die ungefähre Aussprache zu wissen und den Rest dann über, hmm, Erfahrung zu lernen. Aber zum Glück musste ich auch nie Prüfungen ablegen, sonst sähe die Sache wohl schon wieder ganz anders aus.

      Chinesisch braucht halt einfach ein bisschen mehr Sitzfleisch als so manch andere Sprachen. Aber wie du schon schriebst: Übung macht den Meister 🙂

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