China glotzt #2 | Das Kreuz mit der Sprache

Das mit den Sprachproblemen nervt, ehrlich. Dabei habe ich an manchen Tagen das Gefühl, dass es endlich ein bisschen besser wird. Neulich beim Blumenerdekaufen war eine alte Frau jedenfalls ganz entzückt, dass ich in ganzen Sätzen bestellen und die Anweisungen der Verkäuferin (hinsetzen, sieben Minuten warten, damit sie schnell mit dem Motorroller mehr Blumenerde aus irgendeinem Lager beschaffen kann) verstanden habe und dann sogar auf ihre genuschelten Worte (»Oh, Sie sprechen ja so gut Chinesisch!«) antworten konnte, wenn auch eher bescheiden. Ob ich dann auch den Shanghai-Dialekt verstehen würde? Ha! Ich bin ja schon froh, wenn ich irgendwie ein bisschen Mandarin verstehe. Und dass »Schüssel« im Shanghai-Dialekt »ö« statt dem Hochchinesischen »wan« heißt, ist auch nicht gerade etwas, mit dem man prahlen kann.

Zu Hause vor dem Fernseher zieht sich das Sprachproblem dann fort. Denn im chinesischen Fernsehen spricht man zu 95% Chinesisch, auch wenn es sich um einen Film aus Übersee handelt. Ist ja auch kein Wunder, wo wir uns doch in China befinden. Aber an manchen Tagen kann das ganz schön kräftezehrend sein. Zugegeben: ein bisschen kommt man den Ausländern hier schon entgegen. CCTV news ist ein englischsprachiger Nachrichtensender und der Shanghaier Sender ICS ist scheinbar für Expats gemacht und kommt zu einem großen Teil auf Englisch daher. Allerdings habe ich nun wirklich keine Lust, mir den ganzen Tag (chinesische) Nachrichten und Diskussionsrunden anzusehen, nur weil ich sie ohne Probleme verstehen kann. Und ICS ist noch schlimmer. Oft haben die Sendungen dort den Charakter von Insiderinfos für Touristen, die internationalen Filme, die dort gesendet werden, sind zwar ausnahmsweise mal im englischen Original, aber absolut uninteressant, und obendrein finden sich scheinbar immer irgendwo ein paar Ausländer, die perfektes, fließendes Chinesisch sprechen (habe ich schon mal erwähnt, dass Neid ganz schön aggressionsfördernd sein kann?).

Einziger Lichtblick: Chinesen verstehen sich meistens selber nicht. Deswegen laufen eigentlich bei jedem Film und fast jeder Sendung chinesische Untertitel mit. Und die sind mein letzter Rettungsanker. Es will zwar niemand verstehen, dass ich die chinesischen Schriftzeichen weniger schlimm finde als die Aussprache mit ihren vier Tönen, aber so ist es. Wenn ich ein Wort höre, kann es alles oder nichts bedeuten. Sehe ich dazu aber das Schriftzeichen, macht es plötzlich Sinn (im Idealfall). Wenn ich schnell bin, kann ich es sogar in meinem elektronischen Wörterbuch nachschlagen. Das ist zwar alles mühsam und anstrengend, aber so kann ich Filme auf Chinesisch dann doch ganz gut verfolgen (im Idealfall) und sogar davon lernen, weshalb ich mich dann meist auf die Filmsender MovieChannel und CCTV6 sowie das Shanghaier STV (das wochentags täglich um 22:30 chinesische bzw. Hongkong-Filme sendet) konzentriere. Ach, hätte man im echten Leben doch auch so eine Untertitelfunktion!

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