Huangshan – Die Avatar-Kulisse

Huangshan

Das verlängerte Erster-Mai-Wochenende kam uns gerade recht und so fuhren wir auf Empfehlung von Bekannten zum Huangshan, den »Gelben Bergen« in der Provinz Anhui.

Huangshan – Die Gelben Berge

Das Gebirge (Eintritt 230 RMB) wurde 1990 zum Weltkulturerbe erklärt und dürfte seit dem Film »Avatar – Aufbruch nach Pandora« für viele ein Begriff sein. Denn die steilen, mit Kiefern bewachsenen Felsen dienten (neben einem anderen Gebirge) als Vorlage für die fliegenden Berge des Blockbusters.

Die urigen Gipfel sind auch in der chinesischen Malerei ein immer wieder gesehenes Motiv, denn sie sind wirklich schön. Die Chinesen haben sich sogar Mühe gegeben, die Berge nicht zu verschandeln. Die Wanderwege (die hauptsächlich aus Betonblocktreppen bestehen) sehen auf den ersten Blick naturbelassen aus, die versteckten Lautsprecher, um die Wandersleut‘ ehemals mit Musik zu beschallen, sind zum Glück längst kaputt, die Geländer mit Zementummantelung sind Baumstämmen nachempfunden und selbst die wenigen Hotels auf den Gipfeln sind (größtenteils) weniger plump in die Landschaft gepflanzt als ich erwartet hatte.

Huangshan

Huangshan

Huangshan

Huangshan
»Thousand Ladders« – Auf dem Weg zum höchsten Punkt des Huangshan

In den Bergen leben auch Affen. Leider haben wir keine gesehen (dafür waren wohl zu viele laute Leute unterwegs). Immerhin hat es zu vielen exotischen Vögeln, großen Tausendfüßlern und Raupen gereicht.

Dryonastes berthemyi
Dryonastes berthemyi

Raupe

Groteske Felsformationen

Da die Wanderwege ziemlich weitläufig sind, ist es eine gute Idee, eine Nacht auf dem Berg zu schlafen, auch wenn die Preise pro Bett an den Feiertagen ins Utopische steigen. So hatten auch wir genügend Zeit für eine tagesfüllende Wanderung über Täler, Gipfel und durch Felsspalten – wobei ich gestehen muss, dass wir es nicht geschafft haben, alle Punkte auf der DIN A5-Wanderkarte aus dem Hotel abzugrasen (also Aussichtsplattformen, höchste Punkte, Felsen, die wie Affen, Hasen oder Spiegel (?) aussehen usw.).

Huangshan
Der Felsbrocken »monkey watching the sea«

Huangshan
Wem die Zimmerpreise auf dem Berg zu astronomisch sind, kann sich auch für läppische 200 RMB pro Nacht ein Zelt mieten.

Sonnenauf- und -untergang – Huangshans Highlight

Der Sonnenaufgang stellte sich als Highlight heraus, für das man gern um vier Uhr in der Früh aufstand und zu einer Aussichtsplattform pilgerte, wo sich die Touristen in knallbunter Funktionskleidung zusammendrängten, um dem scheißkalten Wind zu trotzen und auf die Sonne zu warten. Das Geschrei (und Gedränge) war groß, als sie sich dann endlich als roter Feuerball aus dem Dunst schob und das Meer der Gipfel langsam in Farbe tauchte.

Sonnenaufgang auf dem Huangshan
Morgens halbsechs auf dem Huangshan

Sonnenaufgang auf dem Huangshan
»Kommt schnell! Die Sonne ist da!«

Anfahrt

Im Prinzip kann man von Shanghai aus auch mit dem Zug oder Flugzeug zum Huangshan gelangen. Das ist aber umständlich (langsame Züge, der Flughafen liegt sehr weit außerhalb), weshalb uns eine Busfahrt in das Städtchen Tangkou am bequemsten schien. Pro Person kostet das rund 20 Euro, geht evtl. schon um halbsieben in der Früh los und dauert ca. sechs Stunden. Dank Feiertagsstau weitete sich unsere Fahrt allerdings auf gute neun Stunden aus. Zwar mied unser Fahrer die meiste Zeit die verstopften Autobahnen, kannte sich auf den kleinen Landstraßen jedoch nicht gut genug aus und verfuhr sich des Öfteren. Dazu zählten dann auch so Highlights wie in der falschen Richtung auf die Autobahn fahren, sich wundern, dass uns Autos entgegenkommen, und rückwärts wieder runterfahren.

Huangshan

Wie man die Menschenmassen vermeidet

Nach unserem Reinfall auf Laoshan war meine größte Angst, auch auf dem Huangshan die meiste Zeit in Schlangen zu verschwenden. Diese Furcht stellte sich zum Glück als unbegründet heraus:

1. Chinesen fürchten die Kälte!
Obwohl Chinesen im Winter gern in ungeheizten Wohnungen sitzen, mögen sie bei Ausflügen nicht frieren. Meine Bekannte gab mir den Tipp: »Auf dem Huangshan ist es im Mai noch zu kalt für die meisten Chinesen. Da ist bestimmt nicht viel los.« Probehalber fragten wir einen Cousin, ob er Lust hätte, mit uns zum Huangshan zu fahren. Seine Antwort: »Nö, da ist es mir zu kalt.«

(Am Fuß des Berges waren für die Tage übrigens 30°C angesagt; auf dem Berg war es dann zumindest tagsüber doch warm genug für T-Shirts. Die klirrende Kälte kam erst nachts.)

2. Eine Nacht unten, eine Nacht oben!
Am Huangshan kommt man mit zwei Übernachtungen aus. Die erste Nacht schliefen wir in dem Städtchen Tangkou am Fuß des Berges (dort kommen viele Reisebusse aus Shanghai an), so dass man Zeit hat, das UNESCO-geschützte historische Dorf Hongcun (oder wahlweise Xidi) zu besuchen und sich von den Strapazen der Busfahrt zu erholen.

Huangshan
Keine Touristenattraktion ohne rostige Schlösser

3. Früh raus!
Die erste Wanderetappe auf den Huangshan muss man per Busfahrt (ca. 40 Minuten) bestreiten. Ein überfreundlicher Hotelangestellter gab uns nicht nur Hilfestellung bei der Planung unserer Route, sondern auch inklusive Luftsprung einen Tipp, wie man die páiduì-Gefahr für die Busse minimiert: »Wenn ihr schon um vier Uhr aufsteht, müsst ihr nicht Schlange stehen!« Harte, aber wertvolle Worte. Wir saßen nach maximal 30 Minuten für Ticket und Sitzplatz im Bus!

4. Zu Fuß, nicht per Seilbahn!
Der Bus fährt zur Talstation der Seilbahn. Hier kann man sich nun zu den gelbbemützten Touristenmassen kuscheln, die für die Seilbahn anstehen, oder den Berg zu Fuß bezwingen. Klar, was wir gemacht haben. Wir waren schließlich zum Bergsteigen gekommen und nicht für das:

Huangshan
Morgens halbsieben am Huangshan: Touristenmassen stehen an, um für die Seilbahn anstehen zu dürfen.

5. Beim Abstieg ist die Seilbahn okay!
Nach einer Nacht auf dem Berg standen wir wieder um 4 Uhr auf (für den Sonnenaufgang) und machten uns nach einem kurzen Frühstück auf der anderen Seite des Berges auf den Rückweg. Für die Seilbahn nach unten (Preis 88 RMB) muss man nicht anstehen, weil um die Mittagszeit noch kaum jemand zurückfährt. Bis zur Busstation könnte man auch wandern, hätte aber nicht mehr in unseren Zeitplan gepasst. Das Gute: Nach zehn Minuten Seilbahnfahrt kommt man an einer ebenso verlassenen Busstation an und kommt schnell und drängelfrei zurück nach Tangkou, wo wir mit einem anderen Bus 779 Fotos später nach Shanghai zurückfuhren.

Fazit

Gerade bei Chinesen ist Huangshan als Ausflugsziel beliebt. Sie sind in der Regel so begeistert, dass sie sich schwören, noch einmal herzukommen. Woran es liegt? An der vermeintlich unberührten Natur? An der Luft, die dort oben so gut ist, dass man sogar Sonnenbrand bekommt? An der malerischen Kulisse? Ich fand das Gebirge zwar auch schön, aber so schnell werde ich wohl nicht wieder kommen. Stundenlanges Treppensteigen, Rucksacktragen und Busfahren haben ihre Spuren hinterlassen. Nur den Chinesen, die in Ballerinas, High Heels, guten Lederschuhen, gefälschten Crocs oder mit Babys auf dem Arm den Berg bezwingen wollten, wird es noch schlechter gegangen sein.

Huangshan

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8 Gedanken zu “Huangshan – Die Avatar-Kulisse

  1. haha chinesen mit high heels auf steilen und glatten bergstufen.. das erinnert mich an die steilen teile der mauer und meine verwunderung, was in einem menschen vorgehen muss, so da raufzukrachseln.. aber sie können’s wohl.

    wir wollten auch zum huangshan; die uni verbot uns den ausflug leider (zu gefährlich) und privat hatten wir dann die wahl zwischen huangshan und hong kong.. die entscheidung viel leicht. aber wenn ich deine bilder sehe und mich an die eines freundes erinnere, sollte man den huangshan vielleicht noch einmal einbauen.. wenn man schonmal da ist 😀

    1. Ich hätte mich wohl auch für Hongkong entschieden. Dabei ist der Huangshan tatsächlich eine Reise wert. Vielleicht klappt’s ja beim nächsten Mal 🙂

  2. Wir sind leider „nur“ auf den Taishan raufgekraxelt, aber auch ich durfte mich über Chinesinnen im Minirock (bei -10 Grad) und High Heels wundern… die am Ende tatsächlich schneller oben waren wie wir! Wie sie das geschafft haben? Keine Ahnung. Huangshan steht auf jeden Fall auf meiner Liste.

  3. Wir haben es genau so gemacht. Rauf zu Fuß und runter mit der Seilbahn. 🙂 Wir waren im Oktober dort, da ist auch nicht so viel los. Aber ein bisschen kalt war es schon.

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